— 47 — Für das Jahr 1906 betrugen die Ausgaben für diese Einrichtung auf den westfälischen Staatswerken bereits 17 019 Mark, 1907 22 697 Mark und 1908 29 678 Mark. Auch die auf den staatlichen Steinkohlengruben an der Saar beschäftigten Bergleute wünschen dringend, die Einführung einer ähnlichen Einrichtung auf den Saargruben. Dort läßt sich ja eine solche Einrichtung, auch ohne daß zu große Schwierigkeiten zu überwinden sind, schaffen. Sie wird auch im Saarrevier die besten Folgen für die Arbeiter und die Allgemeinheit zeitigen. Der Wunsch der Saarbergleute geht nun dahin, daß die Einrichtung ebenso wie im Ruhr ­ gebiet mit den Gruben und nicht mit dem Knappschaftsverein verknüpft wird. Auch wünschen sie die Einführung einer freien Ärztewahl innerhalb der Ärzte, die bereit sind, zu den festzusetzenden Bedingungen die Behandlung zu über ­ nehmen, ivie sie ja auch in Westfalen besteht. Die Mehrheit der Saarbergleute ist gern bereit, auch ihrerseits für diese Einrichtung ein Opfer zu bringen und will auf das im Saarrevier alle zwei Jahre stattfindende Bergfest verzichten, damit die sonst dafür aufzuwendende erhebliche Summe für die Fürsorge für ihre erkrankten Familienangehörigen benutzt werden kann. Durch die Aufgabe des Bergfestes würde eine recht erhebliche Summe erspart. Da pro Belegschaftsmitglied bis 6 Mark dafür aufgewendet werden dürfen, so ergibt das allein schon eine Summe von über 300 000 Mark. Dazu kommt noch der Förder-Ausfall für eine Schicht und die sonst entstehenden Kosten. Die Saarbergleute geben sich der angenehmen Hoffnung hin, daß der Fiskus im Interesse der guten Sache gern bereit ist, die noch fehlende Summe zuzuschießen, umsomehr, als er ja für seine noch einen großen Zuschuß erfor ­ dernden Werke in Westfalen bereits seit Jahren die jetzt auch im Saarrevier gewünschte Einrichtung geschaffen hat. Noch angenehmer wäre allerdings den Saarbergleuten, wenn für ihre erkrankten Familienangehörigen gesorgt würde, ohne daß sie auf das Bergfest zu verzichten brauchen. Die Fürsorge für die Familienangehörigen halten sie jedoch für da,s Notwendigste. Auch im Saar ­ gebiet wünscht man die Ein ­ richtung. Aufbringung der notwendigen Mittel. Schlußwort. Unser für die Volkswirtschaft, die Staatsfinanzen und weite Volkskreise so bedeutungsvolle Staatsbergbau im Saarrevier hat, wie wir gezeigt haben, keine ganz befriedigenden Arbeiterverhältnisse. Die Entwicklung der Löhne und deren jetzige Höhe muß als unbefriedigend bezeichnet werden. War doch das Durch ­ schnittseinkommen aller Arbeiter in den Jahren 1909/10 nicht höher wie vor 2 Jahrzehnten in den Jahren 1890/91. Ein Vergleich der Entwicklung der Löhne in den verschiedenen Steinkohlenbergbaurevieren des Westens ergibt auch ein für unseren staatlichen Steinkohlenbergbau an der Saar sehr ungünstiges Bild. Der Jähr es-Durchschnittslohn sämtlicher Bergarbeiter war im Jahre 1909 gegenüber 1889 höher: im Oberbergamtsbezirk Dortmund um 409 Mk. oder 43,46 Prozent, bei Aachen um 527 Mk. oder 64,50 Prozent, im Saarrevier jedoch nur um 203 Mk. oder 21,75 Prozent. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß auch im Saarrevier in den letzten Jahr ­ zehnten eine erhebliche Verteuerung der Lebenshaltung zu verzeichnen war. Die Begründungen zu den Besoldungsordnungen in Reich, Staat und Kommune sowie die mitgeteilten statistischen Nachweise beweisen das. Nicht außer Acht gelassen werden darf die Tatsache, daß die Saarbergleute jetzt auch noch für eine größere Zahl von Kindern zu sorgen haben wie früher.