46 Notwendigkeit der Fürsorge für krankeF amüien- angehörige der Bergarbeiter. Einrichtung sol ­ cher Fürsorge ­ einrichtungen im Ruhrgebiet auf Privatgruben. Auf den fiska ­ lischen Gruben. 9'amilienkrankenkassen. Sehr wünschenswert ist für die Angehörigen des staatlichen Bergbaues an der Saar die Einführung einer Familienkrankenkasse. Wenn heute ein Ar ­ beiter in der Familie viel mit Krankheiten zu kämpfen hat, so hält die Not ihren Einzug. Sofern von dem Lohn der Arbeiter größere Ausgaben für Arzt, Apotheke und die notwendigen Stärkungsmittel für Kranke gemacht werden, reicht er nicht mehr aus um die notwendigen Lebensbedürfnisse zu beschaffen. Die Ernährung der ganzen Familie leidet darunter, nicht selten gerät der Arbeiter auch in Schulden, die er kaum wieder abzutragen weiß. Abgesehen davon, daß vielfach Krank ­ heiten, die bei rechtzeitigem sachverständigem Eingreifen schnell zu heilen sind, sich oft zu großen anhaltenden Übeln auswachsen, weil mit Rücksicht auf die Kosten von der Zuziehung eines Arztes Abstand genommen wurde. In den ’letzten Jahrzehnten haben die Grubenverwaltungen des Ruhr ­ reviers diesen sonst auch dort vorhandenen Mangel in anerkennenswerter Weise zu beseitigen gesucht durch die Errichtung sogenannter Familien-Kranken- und Unterstützungskassen. Mitglied dieser Kassen sind oder können werden in der Regel alle Belegschaftsmitglieder der einzelnen Gruben einschließlich der Beamten, deren Gehalt 2000 oder 3000 Mark nicht übersteigt. Die Kassen ge ­ währen den Angehörigen der Mitglieder freie ärztliche und meist auch ivenn 'notwendig freie spezialärztliche Behandlung, auf vielen Gruben zahlt sie die Hälfte der Arzneikosten und einen Zuschuß zu den Krankenhaus pflegekosten, sowie bei der Beschaffung von Bruchbändern, künstlichen Gliedmaßen und sonstigen Hilfs- und Heilmitteln. Einzelne Kassen sehen auch die freiwillige Gewährung eines kleinen Krankengeldes vor. Auch wird hier und da ein Sterbe ­ geld gewährt. Die Kosten der Einrichtung tragen zum Teil die Grubenkassen allem, meist ivird aber von den Mitgliedern ein geringer monatlicher Beitrag erhoben und werden zur Deckung der übrigen Kosten Zuschüsse aus den Gruben ­ kassen geleistet. Von den Kassen sind dann in der Regel alle Ärzte, die bereit sind für einen festgesetzten Pauschalbetrag pro Mitglied die Behandlung zu über ­ nehmen als Kassenärzte vertraglich verpflichtet. Den Mitgliedern steht die Wahl unter den Kassenärzten frei, sie sind nur an bestimmte Entfernungsgrenzen gebunden. Die fiskalischen Gruben in Westfalen haben schon im Jahre 1904 eine ähnliche Einrichtung geschaffen. In der dem Abgeordnetenhaus in der 20. Legislaturperiode II. Session 1905/06 zugegangenen ,,Denkschrift, betreffend die für die Arbeiter der staatlichen Berg-, Hütten- und Salzwerke bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen“ wird darüber gesagt: „Die Fürsorge für die erkrankten Familienangehörigen ist bisher nur auf den neu ­ erworbenen westfälischen Staatswerken eingeführt worden. Hier ist mit einer Anzahl der im Bezirke der betreffenden Zeche wohnenden Ärzte ein Abkommen getroffen, wonach die Werksverwaltung für jeden Arbeiter, der einen seihständigen Hausstand führt, einen Jahres ­ satz von 6,50 Mark zahlt, während den Arbeitern dafür freie Behandlung ihrer erkrankten Angehörigen auf Grund eines sogenannten Familienkrankenscheines, der vom Betriebs ­ führer zu entnehmen ist, geboten wird. Innerhalb der Ärzte, welche diesem Abkommen bei ­ getreten sind, besteht für die Arbeiter freie Ärztewahl. Der Verkehr des Werkes mit den Ärzten erfolgt durch Vermittlung eines Vertrauensarztes, der auch die Verteilung der auf den einzelnen Arzt nach Maßgabe der behandelten Kranken entfallenden Beträge bewirkt. Den Arbeitern selbst erwachsen für diese ärztliche Behandlung keinerlei Kosten. Diese Einrichtung, die fälschlich den Namen Familienkrankenkasse führt und welche in gleicher Form auf einer Reihe von westfälischen Zechen besteht, ist vor einiger Zeit auf Antrag der Arbeiter zunächst für Gladbeck, dann auch für Waltrop und Bergmanns ­ glück geschaffen worden. Die hierfür aus der Staatskasse aufgewendeten Kosten haben in 1904 11 677 Mark betragen.“ (S. 30.)