Engherzige Ge ­ bundenheit durch den Etat ist zu beseitigen. Dieses Straf ­ mittel ist sehr alt. Die Folgen dieses Straf ­ mittels. einen Nutzen von guten Erträgnissen sichert, so werden sie schon dafür sorgen, daß alle ihre Pflicht tun und daß nicht durch unverantwortliche Minderleistung eines Teiles der Belegschaft sich das Gesamtergebnis verschlechtert. Es iväre dann den Arbeitern im Interesse des gesamten Betriebes auch zur Pflicht zu machen, nach Möglichkeit Anregungen zur Erhöhung der Rentabilität zu geben und alles zu vermeiden und zu bekämpfen, was eine Herabminderung der‘Rentabilität zur Folge hat und nicht durch höherstehende Gründe geboten ist. Mit einer solchen Einrichtung würden sicher gute Erfahrungen gemacht und könnte später die Einrichtung den gemachten Erfahrungen entsprechend weiter ausgebaut werden. Ein bedenklicher Mangel im Staatsbergbau ist auch, daß die Leitung in einer zu weitgehenden Weise durch den Etat gebunden ist. Die Starrheit des staatlichen Etatisierungswesens und die starke Abhängigkeit des Bergetats von der allgemeinen Finanzlage des Staates ist zu beseitigen. Es müßte für die staat ­ liche Bergwerksverwaltung ein Ausgleichsfond geschaffen werden, damit die im Interesse der Rentabilität der Staatswerke notwendig erscheinenden Betriebs ­ dispositionen zu jeder Zeit getroffen werden können. Im Bergbau kann man nicht immer Jahre lang vorher wissen, was geschehen muß. Die Bergwerks ­ verwaltung müßte auch zu jeder Zeit in der Lage sein, bei sich einstellenden Absatzschwierigkeiten oder sonstigen Gründen die unproduktiven Aus- und Vorrichtungsarbeiten stärker in Angriff zu nehmen. Das würde der Rentabilität der staatlichen Bergwerke nur förderlich sein. ZDie Strafe der vorübergehenden ¿Ablegung für eine kürzere oder längere Zeit. Eine dem Saarbergbau eigentümliche Disziplinarstrafe ist die zeitweilige Ablegung für eine kürzere oder längere Zeit. Sie ist seit langer Zeit in Übnng. Schon das ,,Straf regiement für die Bergleute im- Königlich Preußischen Berg ­ amtsbezirk Saarbrücken“ vom 20. März 1820 1 ) kennt, wie bereits angeführt, diese Strafe. Es ist in ihm außer der gänzlichen Ablegung die vorübergehende und zwar für 2 Tage bis zu 3 Monaten vorgesehen. Die Strafordnung vom 5. Fe ­ bruar 1842 1 2 ) behält diese Strafart bei und will sie sogar in bedeutend erweitertem Umfange angewendet wissen. Nicht nur, daß sie die zeitweilige Ablegung häu ­ figer androht, sie läßt auch diese Ablegung für eine längere Zeit wie für 3 Monate zu, setzt für einzelne Vergehen selbst eine Ablegung für 6 Monate fest und läßt in anderen Fällen die „ zeitweilige Ablegung auf längere Zeit“ zu, ohne eine Höchst ­ grenze festzusetzen. Die Strafe der zeitweiligen Ablegung wurde dann in der Folgezeit auch immer praktisch gehandhabt. Insbesondere zur Erzielung einer fast militärischen Disziplin auf den Saargruben. Bei der zum großen Teil ansässigen und dadurch an die Gegend und die Grubenarbeit gebundenen Arbeiterschaft war das möglich. Verhältnismäßig schnell war unter hervorragender Mithülfe dieses Gewaltmittels die zusammengeivürfelte Arbeiterschaft zur Einhaltung einer äußerlichen Ord ­ nung erzogen. Vorübergehend und in einem bestimmten Falle wie hier konnte das Strafmittel günstig wirken. Nicht aber für immer und nach jeder Richtung hin. Es 'wurde eine recht unterwürfige Arbeiterschaft erzogen, die sich zu viel ge ­ fallen ließ. Ihr wurde deshalb auch zu viel geboten. Zufriedenheit herrschte aus diesem Grunde bei den Arbeitern nicht. Geradezu explosiv machte mehrfach, 1 ) E. Müller, Der Steinkohlenbergbau des 'preußischen Staates in der Umgebung von Saarbrücken. Teil V, S. 150. 2 ) Z. f. B.-, H.- u. S.-W. Bd. 1. S. 250f. — 44 —