— 43 — Kein Mensch wird bestreiten, daß der starke Wechsel der Beamten gerade im Bergbau ein unerwünschter Zustand ist. Hier hängt von einer guten Kenntnis der Verhältnisse und einer gut überlegten weitsichtigen Disposition der Betriebs ­ leitungen außerordentlich viel ab. Sie ist aber nicht möglich, wenn häufig mit den Beamten gewechselt wird. Es fehlt dann nicht nur an der wünschenswerten eingehenden Kenntnis der Verhältnisse, sondern jeder Beamte wird auch mehr auf eine gute Förderleistung während seiner Amtszeit als auf eine ziel- bewußte und planmäßige Verbesserung der Werke, die erst später Früchte tragen kann, bedacht sein. Mehr wie bisher ist deshalb Sorge zu tragen, daß wirklich tüchtige Beamte dem Staatsbergbau dauernd erhalten und an dessen Erträgnis interessiert werden. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Königliche Staatsregierung unter Zustimmung des Abgeordnetenhauses bald die Mängel in den Beamtenverhältnissen beseitigt und daß nicht mehr die Arbeiter für die Folgen dieser Verhältnisse verantwortlich gemacht iverden. Dann gilt es auch die Gesamtheit der Arbeiter möglichst stark an das Gedeihen des Bergbaues zu interessieren. Die ganze Intelligenz, die in den Saar ­ bergleuten steckt, muß ausgenutzt werden, um eine dauernde gute Rentabilität des Saarbergbaues zu erzielen. Das läßt sich erreichen durch, den Abschluß eines Tarifvertrages zwischen der Bergwerksverwaltung und der Organisation der Saarbergleute, dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands. Durch den Vertrag müssen die Saarbergleute an eine möglichst hohe Rentabilität ihres Bergbaues interessiert iverden, indem man ihnen einen entsprechenden Anteil an den Ergebnissen zusichert* Sie werden dann schon alle mitwirken, damit gute Ergebnisse erzielt werden. Der Charakter der Saarbergleute bürgt dafür. Mit Recht rühmt ihnen Nieder ,,bäuerlich zähen Erwerbssinn und bürgerlich- stolzes Geltungsstreben“ nach. Auch Bergassessor Herbig sagt von den Bergleuten, daß ,,deren bodenständiger Charakter ohnedies im Besitz des eigenen Hauses das selbstverständliche und auch unter widrigen Umständen zäh verfolgte Ziel sieht 11 (Glückauf 1910, S. 1386). Nun wird ja vielfach die Behauptung auf gestellt, im Bergbau seien Tarif ­ verträge unmöglich und zwar hauptsächlich wegen der in den natürlichen Ver ­ bal'nissen beruhenden Hindernisse. Diese Ansicht ist irr'g und eine Folge der Auffassung, daß ein Tarifvertrag unbedingt a 7 les schematisch regeln müsse. Letz f eres ist aber gar nicht notwendig. Ein solcher Vertrag braucht nicht alles zu regeln und erst recht nicht alle Einzelheiten schematisch zu regeln. Es würden für den Anfang im Bergbau ganz w nige Bestimmungen genügen. Man brauchte nur die wichtigsten Punkte des Arbeitsvertrages vertraglich so weit wie jetzt schon möglich zu regeln. Nichts würde z. B. die vertragliche Festsetzung der Arbeitszeit und die Regelung des Überschichtenwesens hindern. Auch der Lohn der im Schichtlohn beschäftigten Personen könnte ebensogut vertragt ch wie jetzt einseitig von der Werksverwaltung festgelegt werden. Für die im Gedinge beschäftigten Personen lassen sich ebenfalls einige den Lohn regelnde Bestimmungen treffen. So könnte man allgemein einen bestimmtenDurchschnittslohn für diese Arbeiter ­ klasse vertraglich festlegen, ohne die heutige Art der Gedingesetzung zu ändern. Nur wenn der das Gedinge setzende Vertreter der Zechenverwaltung und die Kameradschaften sich über das Gedinge nicht einigen könnten, müßte eine zu schaffende Instanz — aus einem oder mehreren Vertretern der Zechenverwaltung und der Arbeiter — sich mit der Angelegenheit beschäftigen und die Sache zur Entscheidung bringen. Dieser Instanz könnte oder müßte auch das Recht gegeben werden, in Zweifels fällen durch die Probearbeit zuverlässiger Arbeiter, die von ihr gewählt werden, Klarheit zu schaffen. Wenn man den Arbeitern vertraglich Die Arbeiter sollten durch Tarifvertrag an eine hohe llenta- bilität inter ­ essiert iverden.