— 36 — deckte zunächst den Bedarf ihrer alten Kunden, so daß sich diese, genau wie 1899/1900, gegenüber den Verbrauchern anderer Herkünfte sehr im Vorteil befanden. Die großen Anforderungen der Eisenbahnverwaltung, welche infolge des westfälischen Kohlenarbeiterausstandes ihren Lokomotivkohlenbedarf nicht mehr decken konnte, im Verein mit denen der engeren Saarindustrie, die wie immer in Zeiten geschäftlicher Hochflut vor ­ zugsweise Deckung ihres Bedarfs verlangte, riefen bald eine ziemliche Unruhe auf dem Saarkohlenmarkte hervor, und es schien sich sogar mangels 'jeglicher Vorräte eine Kohlennot zu entwickeln. Man begann deshalb die Ausfuhr tmch Frankreich einzuschränken, eine Maßnahme> die sich bezüglich ihres Zweckes als ziemlich wirkungslos, bezüglich ihrer Folgen aber als sehr verderblich erwiesen hat. Tatsächlich wurde die Bergwerksdirektion durch die über ­ triebenen Ansprüche, welche an sie als staatliche Verwaltung herantraten, zu Entscheidungen zugunsten einzelner großer Interessengruppen gedrängt, die dem Saarkohlenhandel in den nächsten Jahren schwere Wunden geschlagen haben. Sehr bald war nämlich die Einschrän ­ kung des Absatzes nach der Schweiz und Frankreich und die Berechnung der Tagespreise für diese Sendungen nicht mehr nötig. Die Begünstigung des nicht mehr aufnahmefähigen Inlandes hatte inzwischen aber überall eine solche Übererzeugung geschaffen, daß eine Stockung im Kohlenbezug eintrat und die Bergwerksdirektion zwang, die Ausfuhr nach dem Auslande mit aller Macht wieder aufzunehmen. Auch damals zeigte sich schon, daß die Abnehmer, die am schärfsten und rücksichtslosesten sich den Saarkohlenbezug für ihre Zwecke dienstbar zu machen verstanden hatten, am ehesten sich anderen Bezugsquellen zuwandten und es der Bergwerksdirektion überließen, sich mit den Mengen abzufinden, die durch Einschränkung des Absatzes nach dem Auslande und durch Vernachlässigung der dortigen langjährigen Kunden frei geworden waren. Es mußten deshalb unter schweren Opfern für die Verwaltung und die Belegschaft neue Abnehmer aufgesucht werden. 11 (S. 9 f.) Ähnlich äußert sich Zörner an einer anderen Stelle der Schrift. (S. 20). In der Hochkonjunktur von 1907 veranlaßten die Rücksicht auf die Industrie des Saarreviers die Königliche Bergwerksdirektion , von einer möglichen Erhöhung der Preise Abstand zu nehmen. Der Saarbergbau konnte damals den an ihn gestellten Ansprüchen nicht gerecht werden, weil die Förderung infolge des Redener Vnglücks zurückblieb und es an der genügenden Zahl gelernter Arbeiter fehlte. „Mit Rücksicht auf diese Unzuträglichkeiten haben wir/ 1 so berichtet die Berg ­ werksdirektion an die Saarbrücker Handelskammer/) „im Gegensätze zu fast sämtlichen Übrigen deutschen Kohlenrevieren in unserem natürlichen Absatzgebiete von jeder auch noch so geringen Preissteigerung Abstand genommen. Diese Maßnahme hat bei den stetig stei ­ genden Ausgaben für Löhne und Materialien natürlich auf unsere geldlichen Ergebnisse einen recht ungünstigen Einfluß ausgeübt. “ Sogar im Preußischen Abgeordnetenhause fand die von der Bergwerks ­ verwaltung auf die kleinen Landwirte und Genossenschaften geübte Rücksicht schon Widerspruch. Bei der zweiten Beratung des Etats der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung am 1. März 1910 führte hierzu noch der Abgeordnete Macco и. a. aus: „Meine Herren, nun möchte ich noch ein Wort über die kaufmännische Verwaltung sagen. Gerade im Saarbrücker Bezirk wird ganz bitter darüber geklagt, daß der frühere Handelsminister sich in bezug auf die kaufmännische Verwaltung zu Anordnungen hat hinreißen lassen, die direkt dem wirtschaftlichen Interesse, der Ausnutzung der Produkte an der Saar widersprechen. Der Herr Handelsminister hat, dem Druck nachgebend, seiner ­ zeit den Auslandverkauf einschränken lassen, lediglich um die kleinen Landwirte und die Genossenschaften zu befriedigen. Er hat Anordnungen getroffen, daß auf die Wünsche der Industrie weniger Rücksicht zu nehmen sei, als auf die Wünsche von dieser Seite. Durch dieses wohlgemeinte, aber total unrichtige Verfahren ist die Saarindustrie stellenweise in schwere Bedrückung gekommen. Eine große Anzahl von süddeutschen Gaswerken ver ­ braucht heute lieber teure englische und westfälische Kohle, um sich nicht der Unzu ­ verlässigkeit des Handelsbureaus in Saarbrücken auszusetzen; der Absatz stockt, und die l ) Jahresbericht der Handelskammer Saarbrücken für 1907. S. 8.