35 Da man seitens der Grubenverwaltungen hierauf nur sehr selten einyegangen ist, kann angenommen werden, daß auch in Beamtenkreisen bekannt ist, daß eine absichtliche Minderleistung erfunden ist, um die außergewöhnlich schlechten Löhne einigermaßen begründen zu können und eine höhere Tonnenförderung zu erzielen. Man sollte aber solche Vorwürfe unterlassen. Mit Recht sagt der im Staatsbergbau beschäftigte Bergassessor Herbig, daß im Bergbau sicherlich nicht mehr faule oder sonst minderwertige Arbeiter beschäftigt sind als in irgend einem andern Gewerbe. 1 ) Es ist deshalb auch unberechtigt, die Bergleute in ihrer Ge ­ samtheit der absichtlichen Zurückhaltung der Leistung zu zeihen. Durch ihre Arbeitsleistung haben sich die Saarbergleute einer Aufbesserung der Löhne nicht unwürdig gemacht. ¿Die ¿Rentabilität des staatlichen ¿Bergbaues an der Saar. In den letzten Jahren wurde ganz außerordentlich über mange'nde Ren ­ tabilität des staatlichen Bergbaues an der Saar geklagt. Sowohl von Vertretern der Königl. Staatsregierung als auch von Mitgliedern des Hohen Hauses der Preußischen Abgeordneten. Auch den Arbeitern gegenüber ist seit Jahren immer wieder auf die mangelnde Rentabilität des Staatsbergbaues hingewiesen worden, wenn diese den Wunsch nach höheren Löhnen aussprachen. Vielfach wurden auch, wie schon im vorigen Abschnitt erwähnt, die Arbeiter für die an ­ geblich vorhandene mangelhafte Rentabilität verantwortlich gemacht. In weiten Kreisen des Volkes sind durch die Klagen ganz falsche Vorstellungen über die wirkliche Sachlage geschaffen, sowohl über den Fleiß der Saarbergleute als auch über die Rentabilität des staatlichen Bergbaues überhaupt. Über die erste Frage ist bereits im vorigen Abschnitt das Nötige gesagt worden. Hier soll nun noch einiges zu der Frage der Rentabilität der Saargruben angeführt werden. Es ist grundsätzlich falsch, unter allen Umständen vom Staatsbergbau eine vom kapitalistischen Gesichtspunkte aus genügende Rente zu verlangen, weil ja der Bergbau des Staates nicht allein von kapitalistischen Gesichtspunkten aus verwaltet werden soll und wird. Immer wieder ist bei der Beratung des Etats der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung und auch bei anderen passenden Gelegenheiten im Preußischen Landtage verlangt worden, der Staat solle sich bei der Verwaltung seines Bergwerksbesitzes nicht allein von dem Streben nach einem möglichst hohen Überschuß, sondern auch von anderen Rücksichten leiten lassen. Man verlangte eine möglichst weitgehende Rücksichtnahme auf die Interessen der Landwirtschaft, der landwirtschaftlichen und sonstigen Genossen ­ schaften beim Verkauf der Kohlen, wünschte eine im Interesse der Allgemeinheit liegende Preispolitik der Staatsgruben und forderte insbesondere in Zeiten der Kohlenknappheit die Bevorzugung der inländischen vor den ausländischen Konsumenten. Die Folgen waren für den Staatsbergbau nicht sehr erfreulich und trugen außerordentlich dazu bei, seine Rentabilität herabzusetzen. Hierfür einige Beweise. In seiner Arbeit über ,,Die Absatzverhältnisse der Königlichen Saarbrücker Steinkohlengruben in den letzten 20 Jahren (1884 bis 1903)“ führt Herr Bergrat R. Zörner 1 2 ) z. B. an, daß im Jahre 1889 eine Kohlenknappheit bestanden habe und fährt wörtlich fort: „Im Jahre 1890 dauerte dieser Zustand der Kohlenknappheit noch fort, die Berg ­ werksdirektion bevorzugte als staatliche Verwaltung besonders den deutschen Markt und 1 ) Soziale Praxis Nr. 9 1907 und Glückauf 1907. S. 1751. 2 ) Der Steinkohlenbergbau des Preußischen Staates in der Umgebung von Saarbrücken, 4. Teil. Klagen über mangelnde Ren ­ tabilität des Staatsbergbaues. Staatsbergbau braucht keine vom rein kapita ­ listischen Stand ­ punkt aus genü ­ gende Rente bringen.