— 9 — großem Maße vor. Die in den letzten Jahren dieserhalh geführten Prozesse zeigten dieses recht deutlich, wenn sie auch noch keine volle Klarheit über den Umfang der geübten Betrügereien brachten. In den letzten Jahren paßte sich die Haltung der Bergverwaltung gegen ­ über den Arbeitern mehr wie früher den heutigen modernen Zeitströmungen an. Es wurde den Saarbergleuten der Anschluß an eine auf nationalem Boden stehende Organisation nicht mehr verboten. Allerdings konnte sich mancher Be ­ amte schlecht mit dieser Taktik befreunden und fand die Organisation deshalb doch 7ioch manche Hindernisse. Die ganze Entwicklung der Saargruben, deren angeblich mangelnde Rentabilität und der Wunsch nach einer besseren Ver ­ zinsung des im Staatsbergbau steckenden Kapitals hatten zur Folge, daß die Höhe des Lohnes nicht mehr so ist, wie sie im Interesse der Arbeiter und. der Allgemeinheit gewünscht werden muß. ¿Die (Entwicklung der ¿Bergarbeiterlöhne auf den staatlichen Qruben im Saarrevier in den letzten Jahrzehnten. Um ein sachlich ja nicht zu Gunsten der Arbeiter gefärbtes Bild zu zeichnen, wollen wir mit einem Jahre mit schlechter Konjunktur und niedrigen Löhnen beginnen. Die durchschnittlichen Nettolöhne sämtlicher Arbeiter auf den staat ­ lichen Gruben im Saarrevier betrugen: Entwicklung der Löhne aller Saarhergleute seit 1888. Jahr pro Schicht Mark pro Jahr Mark Jahr pro Schicht Mark pro Jahr Mark 1888 2,92 842 1899 3,46 1019 1889 3,24 933 1900 3,56 1044 1890 3,79 1114 1901 3,54 1042 1891 3,89 1137 1902 3,57 1053 1892 3,69 1042 1903 3,60 1068 1893 3,37 925 1904 3,71 1097 1894 3,24 921 1905 3,80 1114 1895 3,27 929 1906 3,88 1146 1896 3,28 966 1907 4,02 1185 1897 3,34 982 1908 4,04 1182 1898 3,40 1015 1909 3,96 1136 1910 im 1. Vierteljahr pro Schicht 3,94 Mark, pro Vierteljahr 274 Mark „ „ „ „ 3,95 „ „ „ 272 „ „ 3. „ „ „ 3,97 „ „ „ 282 „ Die Entwicklung der Löhne in den letzten 20 Jahren kann, das zeigt schon der erste Blick, als eine günstige nicht bezeichnet werden; die von der Bergverwaltung nach der in den Jahren 1892/93 er folgten bedeutenden Herabsetzung der Löhne beobachtete stetige Lohnpolitik war für die Arbeiter nicht sehr ein ­ träglich. Nachdem in den Jahren 1892 bis 1894 eine erhebliche Herabsetzung der Löhne vorgenommen war, konnte ja sehr leicht eine stetige Lohnpolitik bei ­ behalten werden. Der Fiskus hatte den Hauptvorteil davon, denn der Lohn war infolge dieser Politik stetig niedrig. 15 Jahre lang wurde der im Jahre 1891 durchschnittlich gezahlte Schichtlohn nicht wieder erreicht. Die Hochkonjunktur zu Ende der 1890er Jahre brachte den Saarbergleuten nicht einmal annähernd den Lohn, den sie in den Jahren 1890 und 1891 erhalten hatten. Erst bei der Hochkonjunktur im Jahre 1906 wurde wiederum der Jahreslohn von 1891 erreicht. Er wurde aber nur für wenige Jahre beibehalten. Der Jahresdurch ­ schnittslohn von 1909 ist schon um 1 Mark niedriger wie der von 1891. Im Jahre