Full text: Der Saar-Freund (1.1920)

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Nummer1 
1. Jahrgung 
SOn 
—Berlin * 
17. Januar 1020 
F 
M 
Nachrichten aus dem abgetrennten Suur- und Afalzgebiete 
Erscheint zunächst monatlich zweimal (Sonnabends). Bestellungen bei der Geschäftsstelle „Ost-West-Verlee z“, Berlin SWea8, Wilhelmstr. 131, 
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64060 
Ein Volk, das den lebendigen Elauben an die all⸗ 
waltende Gerechtigkeit in der Geschichte hat, kann auch 
durch schwerste Schicksalskügung nur gebeugt, nicht zer⸗ 
hrochen werden. Deshalb ist es unsere Pllicht, auch in 
zchwaãrzester Zeit stark im hoffen zu bleiben. Dann 
folgt auf harren und handeln Sieg! von hindenbura. 
Was wir wollen!— 
An Alle. 
Es verrät einen unglaublichen Mangel an Edel— 
sinn, den zu kränken, der im Unglück ist. Die zu 
beleidigen, die man in der Gewalt hat, und die sich 
daher nicht wehren können, ist ein untrüg-— 
hbiches Zeichen der niedrigen Gesin— 
nung. Napoleon. 
Groß ist die Not des Saarlandes, größer als es die 
Deutschen rechts des Rheines, als es alle, die den Friedens— 
hertrag von Versailles gutgeheißen haben, auch nur ahnen 
zönnen. Unbegreiflicherweise karg sind die Meldungen, 
welche dem deutschen Publikum, der Oeffentlichkeit der 
ganzen Welt über die Vorgänge im Saarlande 
übermittelt werden. Sie lassen nicht erkennen, wie hart 
das Saargebiet, dieses rein deutsche Gebiet, ge— 
roffen wurde, und wie sehr es heute unter der 
33chaft der französischen Militaristen 
eidet 
Gewaltkannnurdurch Gewaltbekämpft 
werden, wenn nicht das Recht mit seiner göttlichen 
Kraft dem bewehrten Arm der Gewalt Einhalt gebietet. 
Das Recht steht auf Seiten der Saarlän— 
der. Diesem Recht, ein Organ zu sein, sich vor aller Welt 
zu offenbaren, damit es über die Gewalt obsiege. das 
will der „Saar-Freund'“. 
Nur das zur Macht gelangte Recht wird fähig sein, das 
Unrecht wieder gutzumachen, das dem Saar— 
andegeschehen' ist. Unsere Hoffnung, daß diese 
Wiedergutmachung eintreten werde, gründeß sich auf das 
Rechtsempfinden im heute noch gegnerischen Lager, das 
schon wiederholt gerade in der Saarlandskfrage 
zum Ausdruck gekommen ist. 
Der erste Rechtsgrund, auf den sich unsere Tätigkeit 
aufbaut, ist der Friedensvertrag, der von Deutsch— 
sand unterschrieben worden ist. Daß feine Bestimmungen 
oyal durchgeführt werden, verlangt die Saarbevölke— 
cung, muß Deutschland verlangen. und wir wollen 
darüber wachen, daß es geschieht. 
Das Volk an der Saar hat durch die überaus 
sarten Verordnungen der französischen Militärbehörden 
zeine Möglichkeit, durch seine öffentlichen Organe und seine 
Presse seinen Willen, feine Absichten, seinen Widerstand 
zundzutun. Die Saarländer im unbesetzten Deutsch— 
and müssen die Wortführer seines Rechtes werden, nicht 
iur in Deutschland, sondern für die ganze Welt und ins— 
»esondere für alle, denen der Wiederaufbau der Weltord— 
rung auf Grund der materiellen und moralischen Rechte 
rzines Volkes am Herzen liegt. 
Die ungerechtfertigte Trennung des 
Zzqgarlandes von seinem Mutterlande, zu 
»em es nach seinem historischen und Volkscharakter gehört, 
arf nicht über das Maß des im Friedensvertrage Vorge— 
ehenen verlängert werden. Die Bestrebungen der französi— 
chen Propaganda, die tatsächlichen Eigenschaften dieses 
andes zu verdunkeln, müssen unschädlich gemacht werden, 
»aß die Stimme des Volkes nach 15 Jahren gehört werden 
zann. Wir treiben keine Gegenpropaganda, die nur ver— 
etzend wirkt. Unsere Aufgabe ist, Unwahr— 
reiten richtig zu stellen. Denn nur bei klarer Er— 
enntnis des Tatfächlichen ist es möglich, die deutschen und 
ranzösischen Grenzen so festzulegen, daß die Völker, die 
uuf beiden Seiten wohnen, sich die Hände reichen können 
u gemeinsamer Kulturarbeit, zu der alle Völker be— 
ufen sind. 
Diese Tatsächlichkeiten festzulegen, ihrer moralischen 
draft Geltung zu verschaffen, dazu sind an erster 
Ztelle alle Saarländer berufen. Damit sie ihre 
Ztimme erheben können, soll ihnen der „Saar— 
Freund“ alles zutragen, was ihrem Lande an Leid und 
freude widerfährt, und er soll das Organ sein, worin sie 
hren Willen ausfsprechen. Wer im „SSaar-Freund“ 
pricht, soll nichts anderes zu sagen haben, als was seiner 
Zeimat Schicksal betrifft. Das ist eine deutssche Sache 
ind hat nichts mit Parteipolitik zu tun. Ueber allen 
zader innerer Parteien steht das Schicksal 
»zes Deutschen Volkes ander Saar! 
Und so rufen wir alle auf im Osten und im Westen und 
nder ganzen Welt: Wer beitragen will und kann, die 
Wunde, die dem deutschen Volke an der Saar 
urch seine Losreißung vom Mutterlande geschlagen wurde, 
zu heilen, dem Rechte dieses Volkes Gehör zu verschaffen. 
zer komme zu uns. Er gehört zu uns! 
Die 8Schriftleitung des Saar⸗Freund
	        
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