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Nr. (874 0.
Homburg, 8. November 19089.
Zirkular AMS 1093.
Königliches Bezirksamt
Homburg.
An die Bürgermeisterämter
des Bezirks.
Betreff:
Leinenindustrie und Flachsbau in
Bayern.
Nach Entschließung des K. Staatsministeriums des Innern vom
15. ds. Mts. hat sich in den letzten Jahren die Erscheinung gezeigt,
daß bei der Vergebung öffentlicher Lieferungen von Leinengeweben
die Gewebe aus inländischem Rohmaterial von den Geweben aus
ausländischem insbesondere russischem Flachse mehr und mehr ver—
drängt worden sind.
Diese Erscheinung ist im Interesse nicht uur des heimischen
Flachsbaues, sondern auch der gesamten bayerischen Landwirtschaft
wegen der namentlich für die Kälberaufzucht wichtigen Futtermittel,
die der Flachsbau liefert, sehr bedauerlich. Sie findet ihre Ursache
darin, daß der bayerische Flachs infolge eines weniger vollkommenen
Röst- und Reinigungsverfahrens unreiner bleibt und infolgedessen
auch die aus ihm hergestellten Stoffe im äußeren Aussehen etwas
unansehnlicher sind. Dagegen wird von den einvernommenen Sach—
verständigenkreisen übereinstimmend betont, daß die aus bayerischem
Flachs verfertigten Gewebe den ausländischen an Festigkeit nicht
nachstehen.