Full text : 1909 (0010)

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Mauerwerk hervortreten läßt, wirkt lebendig, freundlich und bildet
eine Zierde für die Umgegend.
Ich wende mich daher an die Herrn Geistlichen, Lehrer und
Bürgermeister, vor allem aber auch an die Gewerberereine und
Handwerksmeister, besenders an die Tüncher, Maurer und Gypser
mit der Bitte, durch ein gemeinsames sachgemäßes Zusammenarbeiten
die vorhandenen Fachwerkbauten unserer Gegend zu erhalten und sie
in alter Schönheit wieder neu enistehen zu lassen. Ich bin fest
überzeugt, daß wenn einmal in einer Gemeinde auch nur ein Haus
in dieser Weise hergestellt bezw. wiederhergestellt sein wird, bald viele
andere folgen werden.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch eines Wahrzeichens unserer
Gegend gedenken: es ist der vor oder neben dem Bauernhause stehende
Nußbaum. Leider sind viele derselben verschwunden und in die
Gewehrschaftsfabriken verkauft worden; an ihrer Stelle sind Roßkastanien
oder Linden getreten aus dem einfachen Grund, weil diese rascher
wachsen und eher ein schattiges Plätzchen gewähren. Ich bitte dringend
darum, die altehrwürdige Ueberlieferung hoch zu halten und dem
Bauernhause seinen lieben Freund, der Nußbaum, zu bewahren.
Soferne Neubcuten errichtet werden, möchte ich dringend
warnen, den modernen Unfug mitzumachen und Gebäude zu errichten, wie
sie heute zu Dutzenden entstehen mit schablonenhaften sogenannten Stein—
hauerverzierungen (die nur Ver unzierungen sind), mit glasierten Steinen,
mit Ungetümern von Fensterstürzen, mit ihren allerhand Schnörkeln
und sonstigem Firlefanz an Dach und Gesimsen. Sie sehen plump
aufgeputzt und daher unschön aus. Es sind Formen, die in größeren
Städten auffielen, häufig falsch verstanden sind und in verkehrter
und verschlechterter Form auf das Haus des Landes übertragen
wurden. Wie ganz anders wirken ihnen gegenüber unsere älteren
Bauernhäuser mit ihren einfachen, ruhigen und doch so lebendigen
Flächen, mit ihren freundlichen Fensterläden und hübsch gezogenen
Dächern, deren einziger Schmuck oft nur eine Inschrift oder eine
Verzierung über der Türe bildet. Was Ruhe und Vornehmheit in
            
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