Full text : 1907 (0008)

231

wie zu heilen, werden noch in der Gegenwart zahlreiche Freß-, Mast—
und Milchpulver unter zumeist vielversprechender Bezeichnung ange—
boten und finden in den Kreisen der kleineren Landwirte leichtgläubige
Abnehmer. Von keinem dieser Mittel ist bis jetzt glaubwürdig nach—
gewiesen, daß die Anpreisungen, mit denen sie an den Mann gebracht
werden, auf reeller Grundlage beruhen, immer aber hat die unbe—
stochene Untersuchung nachgewiesen, daß der geforderte Preis in
schwindelhafter Höhe über dem Handelswert der Mischungsbestand—
teile dieser Pulver steht. Wäre es möglich durch Beigabe irgend—
welcher Stoffe die Verdauung des Futters zu erhöhen oder bei
gzleichbleibender Ernährung die tierische Produktion zu fördern, so
wäre dieser Weg längst erkannt und Gemeingut aller geworden, denn
seit mehr als einem halben Jahrhundert ist man in allen zivilisierten
Ländern der Erde mit Studien über die Vorgänge der Ernährung
beschäftigt; man hat gelernt, Fragen dieser Art mit Sicherheit zu
lösen, nirgends aber hat man damit Erfolg gehabt, die Verdauungs—
und Produktionskraft gesunder Tiere durch eines der genannten
Miittel zu steigen. Was aber erusten Fachmännern nicht ge—
sang, das wollen viele Dutzende von Geheimmittelfabrißanten
ohne jede Antersuchung herausgefunden haben! Daß dem so
sei, wird ihnen gegen klingenden Lehn von sogenannten Sachver—
ständigen immer bereitwilligst bescheinigt. Und was die Hauptsache
ist, ihre Vorspiegelungen werden geglaubt und die Zaubermittel werden
gekauft. Es ist die dringende Aufgabe aller derer, die sich des Ver—
trauens ihrer Berufsgenossen erfreuen, vor der Verwendung der Geheim—
mittel zu warnen und minder Einsichtige aufzuklären“
Der Vorstand der Kgl. Landw. Zentral-Versuchsstation für
Bayern, Prof. Dr. von Sorhlet, hat in seinem Vortrage in der 32.
Plenarversammlung des deutschen Landwirtschaftsrates 1904 die
Notwendigkeit einer energischen Bekämpfung des Viehpulverhandels
wie folgt begründet:
. Die meisten Viehpulver enthalten Arzneistoffe. Wenn solche
Viehpulver, wie von deren Vertreibern empfohlen wird, als
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.