Full text : 1927 (0001)

Bevölkerung.
Das urdeutsche Saargebiet zählt heute 780000 Einwohner. Tardieus Behauptung, es befänden
sich dort 150000 Franzosen, die sich nach einer Wiedervereinigung mit Frankreich sehnten,
ist plumper Schwindel. Bei der Volkszählung 1910 bezeichneten nur 342 Personen französisch
als ihre Muttersprache. Nach der letzten Berechnung sind der Konfession nach 560000
Katholiken, 213000 Protestanten, 4600 Israeliten und 3100 Anhänger anderer Bekenntnisse
und Dissidenten.
Der politische und wirtschaftliche Mittelpunkt des Landes, die Großstadt Saarbrücken hat
eine rapide Entwicklung genommen. Die Trennung der Städte St. Johann und Saarbrücken
(1859) und die Gemeindetrennung Saarbrücken-Malstatt-Burbach (1866) tat der einheitlichen
wirtschaftlichen Entwicklung großen Abbruch. Die ‚glückliche Wiedervereinigung der drei
Orte erfolgte 1909. Ueber den Aufschwung mögen einige Zahlen Kunde geben:
1815 Einwohner
1871
1880
1890
1900
1910

6000
28000
37 050
49290
75.000
105000

Im Jahre 1914 betrug die Seelenzahl Saarbrückens 111579 (57 622 männliche und 53 958
weibliche Personen). Nach der Konfession waren 59226 katholisch, 50470 evangelisch,
1232 israelitisch und 651 Anhänger anderer Bekenntnisse. Nach dem Kriege zählte man am
I. Dezember 1918 nur 104246 Personen. Von diesem Zeitpunkte an hebt sich aber der
Bevölkerungsstand wieder, sodaß er am 1. Juli 1926 125848 erreicht (68232 Kath., 54281
Evangelische, 2228 Juden und 1007 Andersgläubige. Der Kriegsrückgang ist damit wieder
wettgemacht in dem Verkehrsmittelpunkt der Südwestecke des Reichs. Nicht weniger wie
8 Hauptbahnlinien, zu denen noch sieben kleinere Bahnen kommen, gestalteten Saarbrücken
zu einem Knotenpunkt des Verkehrs von einer eminenten Bedeutung. Voll auswirken wird
sich die günstige Wirtschaftslage, wenn die einschneidenden. Aenderungen der jetzigen zollpolitischen
 Situation wieder beseitigt sind. Die heutigen Absatz- und Bezugsbedingungen
erschweren jeden Fortschritt.

Albert Zühlke.
            
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