zum deutschen Reiche gehörte, dazu bedarf es nur der Dreistigkeit lügenhafter Pamphletisten
der einer Ignoranz, die da in unglaublicher Weise anzutreffen ist.“ Heute könnte die Antwort
nicht besser sein wie in jenen Tagen.
Wirtschaftliches Aufblühen.
Zögernd macht unter preußischer Herrschaft Bergbau, Industrie, Handel und Verkehr Fortschritte.
Erst Bahnbau und Kanal erschließen dem Ländchen die Blüte, deren es sich bis
1914 ungestört erfreuen kann. Am 16. November 1852 wird die „Saarbrücker Bahn‘ eröffnet
von Stieringen nach Neunkirchen und damit die Verbindung von Paris nach Mannheim hergestellt.
1860 wird mit der Bahn Saarbrücken-Trier zugleich die Nahebahn eingeweiht, die
nicht weniger als 48 Brücken und 15 Tunnels aufweist. Die Verbindung Saarbrücken-Saargemünd-Straßburg
erfolgt 1870, noch andere Bahnen werden zehn Jahre später dem Verkehr
übergeben. Es kommt 1865 hinzu der Bau des Saarkanals, der die Verfrachtung der Kohlen
auf dem Wasserwege nach dem Elsaß und dem nördlichen Teil von Frankreich ermöglicht.
Saarbrücken wird ein bedeutsamer Knotenpunkt von 8 wichtigen Bahnlinien. Ein verheißungsvoller
Aufschwung erfolgt auf allen Gebieten. Die günstigen Vorbedingungen für ein Emporringen
werden von einer strebsamen und unternehmungsfrohen Bürgerschaft freudig begrüßt.
Die Arbeit wird jäh unterbrochen durch Krieg 1870/71. Der Name Saarbrückens wird durch
die Schlacht in seiner unmittelbaren Nähe weltbekannt, die Mildtätigkeit im Liebesdienste um
Verwundete und Kranke vom Kaiser Wilhelm I. durch die Verleihung eines besonderen Wappens
anerkannt. Das die Heimat schwer bedrohende Unwetter geht durch den glücklichen Ausgang
des Krieges vorüber, bietet sogar durch die Angliederung der Reichslande eine neue günstige
Perspektive für die Arbeitskraft des Saargebiets. Kohlenbergbau, Eisenhütten, Glasindustrie,
Maschinenbau, Keramik gelangen zu einer staunenswerten Entwicklung, Handel und Gewerbe
zu einer bewundernswerten Kraftentfaltung- Die an der Saar gelegenen Industrieorte des
Saargebiets bilden schließlich von Brebach bis Mettlach, das Sulzbachtal von Saarbrücken
bis Neunkirchen eine fast ununterbrochene Kette von Werken, deren jedes tausende von
Arbeitern beschäftigt. Die Städte zeigen eine starke Bevölkerungszunahme, und durch die
Verschmelzung der im Zentrum saarländischen Verkehrs liegenden Orte wird 1909 die Großstadt
Saarbrücken geschaffen. In diesem rüstigen Vorwärtsstreben und unermüdlichen Fleiß trifft
_and und Leute besonders schwer der Ausbruch des Weltkrieges 1914. Die hundertfachen
Leiden jener Jahre leben noch in zu frischer Erinnerung, als daß es nötig wäre, ihrer hier
besonders zu gedenken.
Das Saargebiet unter dem Völkerbund.
Vier lange Jahre trotzt Deutschland der halben Welt in Waffen auf fünf Kriegsschauplätzen,
ois durch Hunger und den uralten germanischen Erbfehler, die Zwietracht, die deutschen Waffen
vor den 28 Gegnern niedersinken. Am 23. November 1918 ziehen wieder französische Truppen
ins Saargebiet ein. Wir verdanken es Wilson, daß das Saargebiet Frankreich nicht ausgeliefert
wird. Eine unerträglich häßliche Lüge Tardieus von den 150000 Saarfranzosen sollte
den Gewaltakt verschleiern und dem alten welschen Herzenswunsch Erfüllung bringen. Der
Schwindel ist längst aufgedeckt, es handelt sich um eine in Lothringen erzwungene Liste.
Bemerkt sei zum Überfluß hier noch, daß im Jahre 1910 bei der Volkszählung nur 342 Personen
im gesamten Saargebiet französisch als ihre Muttersprache bezeichnet haben. Nur
nominell regiert in den nächsten fünf Jahren der Völkerbund, in Wahrheit diktiert Paris den Kurs.
Unsere Gruben sind den Welschen überwiesen, die Verwaltung in den Händen haßerfüllter
Männer. Ein Elend ohne Ende. Gewalttat und Korruption gehen Hand in Hand. In dem
dicht bevölkerten Saargebiet, das auf einer Fläche von nur 2000 Quadratkilometer 780000
Menschen zählt, sieht es traurig aus. Die Industrie kämpft ums liebe Leben, Teuerung,