Full text : 1927 (0001)

sorge für die Industrie in frohem Hoffen beginnt, geht in der Zeiten Ungunst nicht verloren,
wächst, strebt empor und bildet heute den Grundstock des Wohlstandes des preußischen
„Grenzsteins‘“. Durch bauliche Verschönerung der Schwesterstädte hat sich Wilhelm Heinrich
ein besonderes Verdienst erworben. Die Horden der französischen Revolution haben zwar
viel zerstört, französische Raublust feiert Orgien, aber, was der Zufall erhalten hat, sind
heute noch bewunderte Schmuckstücke (Altes Rathaus, Marktbrunnen, katholische Kirche in
St. Johann, Ludwigskirche und die Privathäuser am Ludwigsplatz). Vergessen mag an dieser
Stelle auch nicht werden, daß Ostern 1761 auf das Geheiß des Fürsten die saarländische
Presse ins Leben tritt, er ist der Begründer der Saarbrücker Zeitung, eines Unternehmens,
das zu einem der umfangreichsten und leistungsfähigsten seiner Art in den Rheinlanden
heranreifen sollte. Im 50. Lebensjahr, nach 28jähriger Regierung, beendet ein Schlaganfall
das Leben dieses ausgezeichneten Mannes, dessen Heimgang aufrichtig von den Bürgern
betrauert wird. Sein Nachfolger Ludwig fördert die Industrie nur soweit, als sie ihm persönlich
 reichlich klingende Münze einbringt. Das Jahr 1773 sieht jedoch noch 45 Kohlengruben
in Betrieb, die indessen nur 141 Arbeitern Lohn und Brot sichern können. Durch fürstliche
Verordnung wird am 17. Mai 1769 die Bruderbüchse für die Bergleute sämtlicher landesherrlichen
 Gruben eingerichtet. Hieraus entwickelt sich der Saarbrücker Knappschaftsverein,
ein großzügiges, segensreiches Institut. Um die Regierung wie um das Volkswohl müht sich
sonst der prunkliebende Herr des Landes wenig. Dem Schauspiel, Soldaten und der Jagd gilt
sein Interesse. Die Verschwendung am ‘Hofe überschreitet weit die Kraft des Ländchens,
zählt doch Knigge im Marstall zu Saarbrücken 300 Pferde, die der Duodezfürst zu benötigen
glaubt. „Dorchläuchting‘“ verscherzt daher sehr bald das Vertrauen seiner Untertanen; bei
dem Ausbruch der französischen Revolution 1789 werden auch sie sehr bald aufsässig, und
es gelingt einer Volksbewegung, dem Fürsten eine Erleichterung der Fronden und Abgaben
abzuringen. Am 31. Oktober 1792 rücken 10000 französische Republikaner in Saarbrücken
ein, und bald darauf, im Mai des folgenden Jahres, flüchtet Fürst Ludwig auf Nimmerwiedersehen
 aus dem Land seiner Väter.

Die französische Revolution.

Die Franzosen sitzen in Saarbrücken und predigen das Evangelium von der Freiheit,
Gleichheit und Brüderlichkeit. Aber das Saarland hat bald Gelegenheit, am eigenen Leibe
zu erfahren, wie es mit dieser Freiheit und. Gleichheit aussieht. Eine Schreckenszeit beginnt.
Den Saarbrückern wird eine Zwangsanleihe von einer Million Livres auferlegt, Diebstahl,
Raub und Erpressung sind an der Tagesordnung bei den großsprecherischen Revolutionshelden.
Die Schlösser werden vollständig ausgeplündert, man schätzt den Gesamtwert der hierbei
entwendeten Kunstwerke auf eine Million Gulden. Unerschwingliche Kriegssteuern und Lieferungen
für das Heer werden dem armen Volke unter Todesdrohungen abgepreßt. Die Auspowerung
der Bevölkerung wird so gründlich betrieben, daß man die Zahlungen und Lieferungen von
Saarbrücken und St. Johann in einem Verlauf von drei Jahren auf 2150000 Franken feststellt.
 Auch die Guillotine arbeitet, im ganzen büßen 24 Männer und Frauen durch Henkershand
 ihr Leben ein. Am 7. Oktober 1793 geht auch das Schloß zu Saarbrücken in Flammen
auf, ein Racheakt französischer Soldaten.

Napoleon |.

Reich an Ungemach und Tränen ist der Weg bis zum Verlrag von Campo Formio 1797
und dem Luneviller Frieden (1801), sie bringen die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich
 und damit dem Saarvolk einen Marsch durch die Wüste einer qualvollen Fremdherrschaft.
Die Passionsgeschichte unserer Heimat verzeichnet hier eines ihrer traurigsten Kapitel.
Einzelheiten aus der Franzosenzeit (1793-—1815) mögen an dieser Stelle nicht folgen, es
            
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