unnatürliche Lage reift in allen Geistern heran, sie bilden eine unüberwindliche Phalanx, an
der in unserer Zeit schließlich jede Gewalt scheitern muß. Diesen Umstand haben die ruhmbegierigen
Franzosen bei ihren Einbrüchen in das Rheinland durch alle Zeiten bis zur letzten
Stunde völlig übersehen. Ihre Eitelkeit und Ueberhebung lassen es nicht zu, anzuerkennen,
daß die deutschen Stämme durch lange Schicksalsgemeinschaft zu einem Nationalstaat
zusammengeschweißt sind, wie gleichermaßen ein Konglomerat verschiedenster Völkersplitter
in Frankreich sich durch alte Kulturgemeinschaft zu einem einheitlichen Staatswesen entwickelt
hat. Im Saargebiet lebt dagegen ganz ausschließlich nur Germanentum schicksalserprobt,
wie kaum ein anderes Grenzgebiet. Der nun folgende Rückblick in unsere Väter- und Urväterzeit
ist ein Rückblick in die Tiefe völkischen Schicksals, ein dunkles Los, das der deutsche
Siegfriedsgeist immer wieder zu meistern wußte.
Von den Saarbrücker Grafen und Fürsten.
Mit dem Untergang der Hohenstaufen verfällt das Rheingebiet bei der zerrütteten Kraft
des Reiches der welschen Eroberungspolitik, der keine Macht kraftvoll entgegentreten kann.
Das ebenfalls uneinige, mit England verfeindete Frankreich ist unserer Westgrenze lange
Zeit nicht ernstlich gefährlich. Die Grafen und Fürsten von Saarbrücken und die Franzosen,
eine politische Variation über das mißtönige Kapitel von brutaler Gewalt und ohnmächtiger
Schwäche, Riese und Zwerg, Katze und Maus. Die saarländischen Duodezfürsten haben
trotzalledem um ihr Deutschtum viel gewagt, nur bittre Notwendigkeit zwingt sie bisweilen,
gute Miene zum bösen Spiel zu machen. „Bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt,‘ das
ist gallische ritterliche Höflichkeit, aber sie findet oft genug tapfere, unverzagte Herzen. Drei
Grafengeschlechter herrschten im: Saargebiet: Das Ardennische Haus (1080—1274), die
Grafen Saarbrücken-Commercy (1274-—1381) und das Haus Nassau-Saarbrücken (1381—1793).
Nur wenige Namen leben aus der langen Reihe dieser Familien noch heute im Gedächtnis
des Volkes. Graf Johann I, der im Jahre 1321 der Stadt Saarbrücken und dem Dorfe
St. Johann einen Freiheitsbrief ausstellt, Graf Philipp Il. durch die Einführung der Reformation
i. J. 1575. Graf Gustav Adolf leuchtet ferner durch unsere düsterernste Heimatgeschichte als
deutsche Heldengestalt; er hat 1673 in harter Bedrängnis, für die Franzosen nur die stolze
Antwort, er wolle lieber mit einem bloßen Stecken davongehen, als seinem Kaiser die
Treue brechen. Im Kampf für Kaiser und Reich fällt er 1677 in einem Gefecht bei Straßburg.
Der bedeutendste Fürst ist aber Wilhelm Heinrich aus der Linie Nassau-Usingen (1741—1768).
Unter ihm erfolgt die Verstaatlichung des Steinkohlenbergbaues, auch wird er als der Gründer
der vielseitigen saarländischen Industrie angesehen.
Das Schicksal des Landes unter der Fürstenherrschaft.
Mit Ludwig XIV., der die Vorherrschaft in Europa anstrebt, beginnen für das Saargebiet
verhängnisvolle Verwicklungen. Verloren geht das Elsaß, verloren die Bistümer Metz, Toul
und Verdun. Schon 1635 während des 30jährigen Krieges wird das Saargebiet furchtbar
heimgesucht und von kaiserlichen Truppen völlig verwüstet und so entvölkert, daß auch in
größeren Ortschaften nur wenige Personen am Leben bleiben. Noch ist dieser harte Schlag,
die schwerste Prüfung des Landes, nicht überwunden, als 1673 französische Truppen ohne
jeden Rechtsgrund in Saarbrücken einrücken, um den Anschluß der Grafschaft zu erreichen.
Die Standhaftigkeit des Grafen verhindert vorläufig diesen Plan, die Kaiserlichen erobern
1677 die gräfliche Residenz wieder und verjagen die Franzosen. Leider wird bei diesen
Kämpfen wiederum ganz Saarbrücken am 17. Mai durch Brand ein Trümmerhaufen.