Deutschen am 8. Oktober 876 bei Andernach wird schließlich im Vertrag zu Verdun die Grenze
zwischen Ostfranken oder Deutschland und Westfranken oder Frankreich so gezogen, wie
sie dann fast 8 Jahrhunderte bis zum Westfälischen Frieden (1648) geblieben ist. Dem
Kampf bei Andernach kommt eine besondere Bedeutung noch dadurch zu, daß es die erste
große Schlacht ist, in der deutsche Männer den vaterländischen Strom gegen welsche Gelüste
verteidigen und zu schützen wissen. Die ehrgeizigen lothringischen Fürsten wenden sich
wieder nach dem Aussterben des deutschen Zweiges der Karolinger den französischen Königen
zu, bis im Jahre 925 König Heinrich I. an der Spitze seiner Sachsen nach Lothringen zieht
und schon im Herbst desselben Jahres mit der Uebergabe der Festung Metz das Schicksal
des Landes entscheidet. Damit beginnt für die Rheinlande die ununterbrochene Verbindung
mit dem rechtsrheinischen Deutschland, aber. auch ein Leidensweg im Kampf um den Rhein,
die Wiege deutscher Kultur,
Französische Eroberungssucht.
Wie einst eine gewaltige Völkerwelle Jahrhunderte lang unaufhaltsam nach Westen dringt,
so flutet sie nun zurück nach dem Osten. Erinnert sei an die Kolonisationsarbeit der Deutschen
in Pommern, Ostpreußen und dem Baltenland. Hierher gehört auch die nie zur Ruhe kommende
Eroberungslust der Franzosen, die in den schwachen Zeiten des Reiches stets wiederkehrt
und uns Straßburg, Toul und Verdun gekostet hat. Das linke Rheinufer dauernd in Besitz
zu nehmen, ist ein Streben, das wir jetzt noch erlebten in den Tagen, in denen man ein Volk
nicht mehr wie eine beliebige Ware behandeln kann. Vor allem hat das Saarrevier bei der
Ohnmacht des alten Reiches unter dem Drängen der Franzosen nach der Rheingrenze
zu leiden.
Mehr als einmal haben die unheilvollen Gastrollen der Nachbarn in der Heimat Land und
Leute ausgeplündert, sinnlos kostbare deutsche Kulturwerte zerstört, doch niemals ist das
Herz der Saar von der deutschen Treue gewichen. Wie heute, so haben schon unsere Vorfahren
gegen den unruhigen und eroberungslüsternen Geist gerungen, der den Franzosen
zarb- und eigentümlich geblieben ist in seiner ganzen Wesensart des Unrechts, der Unfähigkeit
und Ohnmacht im Aufbauen sowie der Mißachtung des Geistes geschlossener Verträge.
Volkstum und Staat.
Bevor hier die geschichtlichen, das Saargebiet unmittelbar berührenden Vorgänge weiter
gestreift werden, erscheint es heute durchaus notwendig, in diesem Rahmen darauf hinzuweisen,
daß ein Nationalstaat, ein Volkstum nur auf einer von allen empfundenen und getragenen
Kulturgemeinschaft beruht. Sie wird gebildet durch das geistige Band, wie es gemeinsame
Sage, Geschichte, Sitte und Sprache darstellen. Diese Faktoren sind es, die das Stammeszefühl
und das Rasseempfinden tragen. Eine, nur durch Gewaltakte oder Zufall zusammengewürfelte
Masse ohne Bluteinheit und gemeinsame Tradition ist bei dem längst zu vollem
Leben erwachten Volksgefühl kein Staat in sittlichem Sinne. Dort wird es immer nur Herren
und Knechte, Übermut auf der einen und Unterdrückte auf der Gegenseite geben. Wenn es
hierzu eines Beweises bedürfte, so genügt der Hinweis auf das Saargebiet nach dem Versailler
Dakt. Unser jetziges, im Grunde genommen einem hohen Ideal gewidmetes und doch tief
anseliges Völkerbundsgebilde zeigt die angedeuteten Schattenseiten, weil das heute durchaus
notwendige, in sich unlöslich verbundene Volkstum zwischen Regierung und Regierten fehlt.
Vollständig wesensfremd stehen sie sich in fast allen bedeutungsvollen Fragen verständnislos
gegenüber. Bei dem in großen Zielen Gemeinsamen, das Arm und Reich in einem fest
verankerten Volkstum umschlingt, bedingt Leid und Freud des Ganzen zugleich das Schicksal
des Einzelnen. Wird diese Lebensader eines modernen Volksteils unterbunden, so ist, wie
wir Saarländer heute alle wissen, des Elends kein Ende. Der Widerstand gegen die