Das Christentum im Saargebiet.
Schon im 4. Jahrhundert n. Chr. zählt das Evangelium Bekenner im Saarland. Von Trier
aus mag wohl die Heilsbotschaft zuerst an die mittlere Saar gekommen sein. Aber unter den
Wetterstürmen und Bedrängnissen durch die Germanen sind mit den blühenden Orten auch
die Christen unserer Gegend untergegangen, der ausgestreute Samen geht verloren. Erst mit
der Bekehrung Chlodwigs, des Frankenkönigs, tritt wieder eine günstige Wendung ein. Ihn
tauft der Bischof Remigius, der später im heutigen Saargebiet fleißige Missionsarbeit betreibt.
Als Stützpunkte religiösen Lebens jener Zeit werden Kusel und Tholey bezeichnet. Für
Verinnerlichung und Vertiefung des neu angenommenen Glaubens sorgen fremde GClaubensboten
und Einsiedler im 6. und 7, Jahrhundert. Genannt sei der heilige Ingobertus, von dem
die Stadt St. Ingbert, der schottische Königssohn Wendelinus, von dem St. Wendel den Namen
führt. Die Benennung St. Arnuals geht zurück auf den Bischof Arnualdus von Metz, der
das Stift St. Arnual gründet. Er erwählt sich Johannes den Täufer zum Vorbild und erbaut
am rechten Ufer der Saar in einem Fischerdörfchen eine dem hl. Johannes geweihte Kapelle,
wovon der Ort St. Johann benannt worden ist.
Die Frankenherrschaft. ;
Mit der Einwanderung der deutschen Franken um die Mitte des 5. Jahrhunderts ist für
alle Zeiten der rheinische Volkstypus geschaffen, die römischen Grundherren unserer Heimat
sind verschwunden, die Kelten bleiben und vermischen sich im Laufe der Zeit mit den Germanen.
Die von den Römern verlassenen Güter werden als Kriegsbeute verteilt, die wertvollsten
dem Könige zugesprochen. Als Königsgüter unserer Heimat erscheinen der Warndt,
Quierschied, Völklingen, Auersmacher, Wadgassen und der Hof Saarbrücken am Fuße des
Halberg, der alten römisch-keltischen Niederlassung. Zu diesem großen Gutsbezirk gehört
Brebach, Scheidt und fast ganz St. Johann, er wird 1046 dem Stifte St. Arnual von Heinrich Ill.
als Schenkung überwiesen. Die Grafen von Saarbrücken treten hier als Schirm- und Gerichtsherren
auf und empfangen für diese Aemter bedeutende Einkünfte aus dem Vermögen des
Stifts. Der Bau der heute noch stehenden frühgotischen Kirche wird im Jahre 1270 begonnen
und 1320 vollendet. Verdienstvoll um die Wissenschaft und auch um die Kultivierung des
Landes ist auch die schon um das Jahr 600 gegründete Benediktinerabtei Tholey. Nicht
weniger als sechs ihrer Mönche werden zu Bischöfen erwählt. Dieser Gelehrtensitz wird
1792 durch die Franzosen verwüstet. Bei dem Brande der Abtei geht leider auch die wertvolle
Bibliothek in Flammen auf. Zahlreiche Klöster blühen empor und sind Stätten der
Kultur und christlichen Gesittung. Die Zeit der Frankenkönige sieht allerdings noch keine
aufblühenden Gemeinwesen, Städte finden wir nicht. Das Volk wohnt in zerstreut liegenden
Gehöften und in wenigen Dörfern. Die meisten Bewohner sind unfrei, abhängig von reichen
Grundherren, deren Ländereien sie gegen Zins bewirtschaften und denen sie im Falle der
Not zu Kriegsdienst verpflichtet sind.
Der Kampf um Lothringen.
Nach dem Tode Karls des Großen, dessen Reich romanische und germanische Völker
umfaßt, entsteht nach der Teilung des Reiches unter den Nachfolgern ein aus beiden Volkselementen
bestehender Mittelstaat, der von vornherein ohne völkisch staatliche Berechtigung
zum Verfall verurteilt ist. Zank und Kampf der starken Nachbarn um das Mittelreich nehmen
kein Ende. Durch den Vertrag von Mersen (870) wird Lotharingien zwischen West- und
Ostfranken geteilt, und mit diesem Pakt kommt das nur von Germanen bewohnte Saargebiet
zum ostfränkischen oder deutschen Reiche, dem es damit 1057 Jahre angehört. Der Streit
um Lotharingien geht mit Unterbrechungen weiter. Nach einem entscheidenden Siege der