Full text : 1927 (0001)

erschienen mit einem Heerbann von 5000 Mann und kämpften gemeinsam unter Verceingetorix
gegen Cäsar, verloren aber durch die Niederlage bei Alesia ihre politische Freiheit und
mußten das römische Joch auf sich nehmen. Es fiel den Siegern nicht ein, mit Feuer und
Schwert ihre Macht auszunützen. Es lag ihnen nur daran, die Unterdrückten durch Steuern
auszuplündern und sich durch den wirtschaftlichen Fleiß der Besiegten ein angenehmes Leben
zu schaffen. Mehr als 400 Jahre saßen die Römer, antike Raubritter, auf ihren Herrensitzen
im Saarland, dessen Bewohner zunächst etwa als Hörige zu betrachten sind. Später wußten
auch die Wohlhabenden und die im Kriegsdienst Bewährten sich das römische Bürgerrecht
zu erwerben. Gut angelegte Heerstraßen durchzogen das Gebiet zur schnellen Sammlung
und Beförderung der Truppen wie für den emporblühenden Handel. Kastelle sicherten diese
Wege, an denen bald auch zahlreiche Niederlassungen römischer Handwerker und altgedienter
Soldaten entstanden. Eine der wichtigsten Heerstraßen neben jener von Trier über den
Hunsrück nach Bingen ging von Metz nach Mainz, Sie führte von Forbach am Fuße der
Spicherer Höhen durch das Arnualer Tal über eine Saarbrücke nach dem Halberg und von
dort durch die Pfalz nach dem Rhein. Ausgrabungen in den letzten Jahren ließen noch bei
Brebach die Grundmauern der Kastelle erkennen, die hier auf der rechten Saarseite den
Flußübergang sichern sollten. Unter diesem Schutze darf man wohl eine Siedlung am Halberg
annehmen, deren Bewohner in der sog. „Heidenkapelle‘“ der Mithrasverehrung huldigten, einer
Gottheit, die vornehmlich im römischen Heere zahlreiche Anhänger ‘hatte. Das uralte Saarbrücken
 lag am Halberg, während die heutige Stadt nur einige Höfe römischer Notabeln aufwies.
 Ihre Höhe erreichte die Romanisierung des Saarlandes unter dem römischen Kaiser
Konstantin, der damals in Trier, der Hauptstadt von Westeuropa, residierte. Der Kaiser
vergnügte die reichen und lebensfrohen Bürger damit, daß er gefangene deutsche Fürsten in
der Arena von wilden Tieren zerreißen ließ, wofür die Germanen später bei Eroberung der
Stadt furchtbare Rache nahmen. Einer langen, ruhigen Entwicklung waren die Zeitverhältnisse
nicht günstig, innere Aufstände verhinderten es, mehr noch germanische Einfälle. In friedlichen
 Perioden blühte ein reger Handelsverkehr. Wollene Mäntel und gesalzenes Schweinefleisch
 wurden von hier in großen Mengen nach Italien eingeführt. Schriftsteller melden, daß
vor allem Schinken ein begehrter Einfuhrartikel römischer Leckermäuler war. Die Sonne der
Römerherrlichkeit mußte schließlich germanischem Eroberungsdrang weichen.

Schon zu den Zeiten Cäsars stießen germanische Stämme, Brot und Land suchend, gegen
das linksrheinische Gebiet vor, wurden aber zurückgeworfen. Das Spiel wiederholte sich
wieder und immer wieder in der nachchristlichen Zeit. Brennende Ortschaften, Raub und Mord
kennzeichneten den Weg der Horden, die dann selbst oft genug einer überlegenen Kriegskunst
zum Opfer fielen. Unsere Gegend wurde zuerst von den Chatten verwüstet, später wiederum
von den Vandalen, die im Vereine mit Alanen und Schwaben von der Pfalz her durch das
Saargebiet nach Gallien zogen und unter denen die mittlere Saargegend zu einem Schutthaufen
wurde, wie Köln und Trier (412) durch Franken und Alemannen. Durch die siegreiche
Schlacht bei Chalons gelang es um die Mitte des 5. Jahrhunderts dem letzten großen Heermeister
 der Römer, Aötius, die Barbaren, Hunnen unter Attila und ihnen verbündete germanische
Stämme, nochmals zurückzuschlagen. Eine nachhaltige Wirkung hatte aber auch dieser Erfolg
nicht. Kurz nach dem Tode des Feldherrn setzte auf der ganzen Rheinlinie ein neuer Ansturm
 ein durch Franken und Alemannen. Die Dämme, die das vordringende Germanentum
zurückhalten sollten, werden von der Sturmflut weggerissen, und um das Jahr 500 nehmen
Franken und Alemannen dauernden Besitz auch von Südrheinland. Seit dieser Zeit ist die
Bevölkerung des Saargebiets deutsch und ist es trotz tragischen Geschicken bis auf den
heutigen Tag geblieben. In vorbildlicher Treue hielt und hält das Land zum Reiche, durch
jede Bedrückung nur angespornt zur Neubelebung deutschen Geistes und seiner Tatkraft.
            
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