Full text : 1927 (0001)

und Quierschied -zu Tage gefördert. Auf dem Reppersberg entdeckte man in einer Erdschicht
aine Steinwaffe, noch ohne Stielloch, aber bereits geglättet, somit aus einer Periode menschlicher
 Entwicklung, die man nach dem Verebben der letzten Ausläufer der großen Eiszeitwelle
Festlegen darf. Kühne Jäger waren es, die mit ihren primitiven Feuersteinwaffen zur Jagd
auszogen und, wie Funde in verschiedenen Orten Südrheinlands erhärten, Renntier und Riesenhirsch,
 Höhlenbären und Wildschwein zu erlegen wußten.

Die Saarkelten.

Jahrtausende gingen darüber hin, sie sahen den gewiß verzweifelten Daseinskampf menschlicher
 Wesen, ihr Ringen gegen die Unbilden der Natur und ein Leben voll harter Mühsal
um spärliche Nahrung in sumpfigen Flußtälern und einer undurchdringlichen Waldwildnis. Das
Morgenrot einer Kultur leuchtet erst herauf mit dem Vordringen der Kelten in das linksrheinische
 Gebiet etwa um das Jahr 600 v. Chr. Durch eine bereits gut entwickelte Kriegskunst
 ist es ihnen sicher leicht gewesen, die alten, damals in spärlichen Kolonien lebenden
Insassen des Landes zu verdrängen. Ohne schwere Kämpfe werden die Eroberer Herren
des Saargebiets geworden sein. Sie kannten die Eisengewinnung und wußten mit vorzüglich
gearbeiteten langen Schwertern und Lanzen als Angriffswaffen und großen Rundschilden zur
Abwehr als Fußtruppen wie als kühne, wagemutige Reiter allen Gegnern gefährlich zu werden
Eine umfangreiche wirtschaftliche Tätigkeit begann, das Roden der Wälder schaffte Raum
für den Pflug, besonders aber für die Viehweiden. Der Viehzucht gehörte vor allem die
Hauptsorge der Kelten. Fleisch und Wolle bildeten sogar Ausfuhrartikel, wogegen man schon
in jenen Tagen von griechischen und römischen Kaufleuten Wein, Waffen, bronzene, auch
goldene Schmuckgegenstände eintauschte. Adel und Priester (Druiden) teilten sich in die
Herrschaft über das fleißige, ehrgeizige und prunkliebende Volk, das sich und seinen Wohl:
stand tapfer zu verteidigen wußte. Barbaren, angelockt durch den Reichtum der Bevölkerung,
drangen wiederholt vom Rhein her in das Saarland, rangen aber trotz aller angeborenen
Wildheit auf die Dauer ohne Erfolg mit den krieggewohnten Kelten. Hohe steinerne Ringwälle
bildeten für Weib, Kinder und Herden bei solchen Ueberfällen die Zuflucht. Die bedeutendste
Anlage dieser Art setzt uns bei Otzenhausen im Hochwald noch heute in Erstaunen, denn
der Wall erstreckt sich fast auf eine Länge von eineinhalb Kilometer bei einem Flächeninhalt
von 20 Hektar. Auf dem Bartenberg, „Großen Stiefel‘, dem Herapel bei Forbach und auf
vielen Berghöhen finden sich noch Reste der Befestigungen jenes kraftvollen Volksstammes
der Mediomatriker, der die Saarlandschaft bewohnte und Metz als Hauptstadt anerkannte
Die ihnen verwandten und benachbarten Treverer, deren Hauptort Trier später in der Römerzeit
 zu überragender, stolzer Höhe gelangte, zeigten dieselbe wirtschaftliche und kriegerische
Tüchtigkeit, denn, häufig zu Bundesgenossen der Römer geworben, schätzten diese sie
besonders als Reiter.
Spuren der Keltenzeit finden sich ferner noch in zwei verwitterten 4—5 Meter hohen
obeliskenartigen Spindelsteinen, wahrscheinlich Grenzzeichen, bei Rentrisch und bei Blieskastel.
Sprachkundige wollen auch in den meisten Namen unserer Flüsse wie in den Gebirgsbezeichnungen
 und Flurnamen keltischen Ursprung erkennen. Saar, Nahe, Blies, Nied, Rossel.
so auch Städtenamen wie Merzig, Tholey, Kusel usw. lassen sich auf keltische Benennungen
zurückführen. Die zahlreichen Gräberfunde, darunter zierlich gearbeitete goldene Schmucksachen,
 bezeugen die beachtenswerte Höhe der Kultur.

Die Römerherrschaft.

Die Eroberung Galliens durch die Römer besiegelte auch das Schicksal der freiheitliebenden
Kelten an der Saar. In den Jahren 58—50 v. Chr. eroberte Cäsar nach langwierigen
Kämpfen Gallien und machte den Rhein zur Grenze des Römerreichs. Die Saarkelten
            
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