Full text : 1927 (0001)

Geschichte des Saargebietes.

znzmark — Schicksalsland! Seit Jahrhunderten trifft dieses Wort auf das
Saarrevier zu, die so oft sturmumtobte und stets kampferprobte Westbastei
des Reiches. Wo wir auch hinschauen in die Flut ihrer Leiden, ob Glück
oder Unglück ihre Geschicke rollen; unberührt von der Zeiten Gunst und
Ungunst ragen die Gipfel ihres Wesens. Quellgrund und Wurzelboden bleiben
seit mehr denn tausend Jahren deutsche Art und Sitte. Germanisches Volkstum
 ist klar und entschieden ausgeprägt in diesem, harter Arbeit lebenden Randgebiet, immer
aufs neue angespornt durch den Trieb der Selbsterhaltung unter häufigem, hartem Druck der
Nähe gewalttätiger Fremdstaaten. Noch wie vor Jahrhunderten bedeutet heute die Wacht an
der Saar Treue zur deutschen Seele. Die Gefahr der Verwelschung droht dem Reichskohlenwinkel
 des Westens im Laufe der Geschichte wiederholt durch die unruhigen Nachbarn,
aber noch immer schlägt wieder mit der Erstarkung des Reiches die rettende Stunde der
unzerreißbaren Zusammengehörigkeit der Heimat mit dem deutschen Volkstum. Seelisch,
geistig und politisch, durch Kulturgemeinschaft unlöslich verankert, ruht es in allen Saarländern.
Die geschichtliche Entwicklung der Westfeste in ihrer, allen deutschen Stämmen vorbildlich
jeuchtenden Vaterlandsliebe möge hier in ihren markanten Zügen folgen. Sie zeigt nach dem
Zusammenbruch der römischen Welt die Alleinherrschaft des fränkisch-deutschen Volkstums
seit der germanischen Masseneinwanderung im fünften nachchristlichen Jahrhundert. Mehr
als tausend Jahre fluten seitdem in wechselvollen Schicksalen über das Saargebiet dahin,
aber unversehrt bleibt unserer Heimat innerste, zu den Hochstätten des Deutschtums dringende
Empfindung. Sturm und Drang werden nie das nationale Erbe an der Saar auslöschen, keine
Macht der Welt den Geist, der uns beseelt, niederringen.
Das Werden und Wachsen dieses Grenzgaues von den Tagen unserer Steinzeitahnen,
„or allem seit der Völkerwanderung, bis zu dem blühenden Industriegebiet mit 780000 Seelen,
werden in ihren geschichtlich bedeutungsvollen Momenten dem neuen Landes-Einwohnerbuch
ain willkommenes, klärendes Geleitwort sein. Von Markstein zu Markstein will und wird
es den Leser in aller Kürze geleiten, ein einziges glänzendes Zeugnis der sittlichen und geistigen
Kraft seiner Bewohner, die unbestechlich ihr Deutschtum und seine Tugenden rein zu bewahren
und ihr Land zu einem Edelstein des Reiches zu gestalten wußten.

A

Die Ureinwohner des Saargebietes.
in grauer Vorzeit, als die Vulkane der Eifel noch in Tätigkeit waren, durchzogen schon
Horden der älteren und der jüngeren Steinzeit die Urwälder des Saargebiets und hatten wohl
n den Felshöhlen ihre primitiven, doch gegen die Raubtiere gesicherten Zufluchtsstätten.
Nicht gerade ergiebig sind die Zeugen vom Leben jener Halbwilden, die hier zuerst den
Kampf ums Dasein führten. Bei dem Bau des Saarkanals wurde ein durchbohrtes Steinbeil
gefunden, andere Waffen dieser Art auch in der Gegend von Ludweiler, Ensheim, Krughütte

3inwohnerbuch des Saargebietes 1927
            
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