Full text: 1962 (0090)

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ständig aufstrebenden Wirtschaft. Diese positive 
wirtschaftliche Entwicklung zieht natürlich auch 
immer mehr Einwanderer an, die das Land aller» 
dings auch braucht und die durch ihre Arbeits» 
freudigkeit die Wirtschaft so entscheidend anzu» 
kurbeln vermochten. 
Man bezeichnet aber diese Bevölkerungspolitik 
als eine „inflationistische Mißwirtschaft", weil sie 
nicht an die künftigen Generationen denkt und 
nur den wirtschaftlichen Augenblickserfolg im 
Auge hat. Seit zehn Jahren dauert diese einseitige 
verhängnisvolle Einwanderung von Männern an. 
Neuseeland öffnet sein gastliches Land jährlich 
Tausenden von Junggesellen und hat damit — be= 
völkerungspolitisch gesehen — auch jährlich durch» 
schnittlich um 20 000 Junggesellen zuviel. Neu» 
Seeland ist und bleibt auch sicher weiterhin ein 
begehrtes Einwandererland. Ansässige und Ein» 
Wanderer haben die schönsten Berufs» und Zu= 
kunftsaussichten. Alles floriert. Die Geschäfte blü» 
hen. Das Leben modernisiert sich in einem er» 
staunlichen Tempo, und die Konjunktur nimmt 
auch weiterhin eher zu als ab. Bei all diesen glän» 
zenden Aussichten haben die Einwanderer nur eine 
nicht — die Aussicht auf eine Ehe, die Aussicht auf 
die Gründung eines Haushaltes. Denn es gibt ein» 
fach keine freien Mädchen im Heiratsalter mehr. 
Die Ehevermittlungsbüros werden im ganzen 
Lande gestürmt, können aber nicht helfen. Auch 
hier hat die Sache den Haken, daß diese Mädchen 
nirgends in der Welt aufzutreiben sind. Natür» 
lieh stellen Australien und Neuseeland auch ge» 
wisse Bedingungen: sie wollen vor allem gesunde 
Frauen, zukünftige Mütter; an irgendwelchen 
zweifelhaften Existenzen besteht kein Bedarf. 
Pionierfrauen brauchen auch die Männer in 
Kanada, in Alaska — wo trotz der benachbarten, 
einen Frauenüberschuß aufweisenden USA das 
weibliche Geschlecht weit im Hintertreffen liegt. 
Aber auch jenseits des Eisernen Vorhanges, in der 
Sowjetunion, besteht das Problem „Frauenmangel". 
Chruschtschows Neulandprojekt in Sibirien leidet 
unter erheblichem Frauenmangel. Deshalb wurde 
in der Sowjetunion eine Kampagne gestartet, um 
zunächst wenigstens 35 000 junge Mädchen in die 
fernen Provinzen zu den einsamen Jungsiedlern zu 
bringen. Der Kommunistische Jugendverband 
erhielt von der Parteileitung den Befehl, für die 
Erfüllung dieses Frauensolls Sorge zu tragen. 
Da aber die Eltern der Sibirien=Kandidatinnen, 
selbst wenn sie kommunistische Parteimitglieder 
sind, von dieser Umsiedlung ihrer Kinder wenig 
begeistert zu sein scheinen, blieb bis jetzt alle 
Partei» und Staatspropaganda wenig erfolgreich. 
Könnte man, dieser Vorschlag wurde schon des 
öfteren gemacht, wenigstens was die von Weißen 
bewohnten Länder betrifft, nicht einfach einen 
„Austausch" zwischen frauenreichen und frauen» 
armen Nationen organisieren? Man hat auch tat» 
sächlich bereits — zumindest in kleinem Rahmen — 
einen solchen „Austausch" versucht, stieß aber 
dabei auf die verschiedensten Widerstände, die 
diese Projekte wieder gegenstandslos machten. 
Menschen sind eben keine Handelsware, auch 
kann man das Glück nicht ohne weiteres „orga= 
nisieren" und auch die Liebe nicht, die nun einmal 
beide zu einer beständigen Ehe gehören. Auch gibt 
es Dutzende andere Schwierigkeiten, die nicht zu» 
letzt in der verschiedenen Sprache und in den ver» 
schiedenen Lebensumständen zu suchen sind. 
Zählt man alles zusammen, so kommt man auf 
einige Millionen Frauen, die irgendwo auf der 
Erde dringend gesucht werden, auf die das Glück 
einer eigenen Familie und ein behagliches Heim, 
vielleicht Wohlstand warten. Nur: Wie bringt 
man Frauen und Männer zusammen, wie über» 
brückt man die Grenzen, wie beseitigt man die 
anderen Schwierigkeiten? Wer da ein Patent» 
rezept geben könnte, würde sich millionenfachen 
Dank sichern. 
K. Bare & Co« 
HOLZGROSSHANDELSGESELLSCHAFT M. B. H. • IMPORT UND EXPORT 
Stammholz • Grubenholz • Schwellen • Schneidholz • Bauholz 
SAARBRÜCKEN 3 • Uhlandstraße 18 • Telefon 64165 
Lager: Friedrichsthal / Güterbahnhof
	        

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