Full text: 1962 (0090)

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VON KARL RAU 
Weibliche Ehepartner gesucht - 
Wo alles floriert, aber die Frauen fehlen 
1 n allen europäischen Ländern — mit Ausnahme 
der Türkei — herrscht bevölkerungsmäßig ein so= 
genannter „Frauenüberschuß". Das hat zum Teil 
seine Ursache in einer wenn auch geringeren 
Frauen=Geburtenüberzahl, in der längeren Lebens= 
erwartung der Frau und auch zum Teil noch in den 
Männerausfällen durch den letzten Weltkrieg, die 
sich immer noch bemerkbar machen. Der gleiche 
Zustand wie in Europa herrscht in den USA. Dort 
sind es sogar, wie die jüngsten Statistiken be= 
sagen, 8 Millionen Frauen, die vergeblich auf einen 
Lebenspartner warten müssen. 
Auf der anderen Seite gibt es auf der Erde wieder 
Nationen, weite Landstriche, ja sogar ganze Kon= 
tinente, welche unter einem unüberbrückbaren 
Frauenmangel leiden. In Europa ist es die Türkei, 
wo gegenwärtig nahezu 750 000 Männer verzwei= 
feit nach einer Lebenspartnerin suchen. 
In Europa wird man sonst kein anderes Land fin= 
den, in dem die Frauen nicht in der Überzahl sind. 
Eine Sonderstellung im Nahen Osten nimmt Israel 
ein. Die Zahl der jungen Männer ist dort viel 
größer als die der gleichaltrigen Frauen. Nach 
einer offiziellen Angabe sollen es nicht weniger 
als 20 000 bis 25 000 „heiratsfähige Frauen" im 
Alter zwischen 20 und 30 Jahren sein, die sofort 
eine Chance hätten, einen passenden Ehemann zu 
finden. Für einen „Frauenaustausch", wie er mit 
anderen Ländern teilweise schon eingeleitet wurde, 
kommt Israel aus besonderen Gründen — nur die 
Einwanderung von Frauen mit jüdischer Abstam= 
mung ist erlaubt — allerdings kaum in Frage. 
Den größten Frauenhunger hat, seit seiner Be= 
siedelung überhaupt, Australien. „Wir sind ein 
reicher Kontinent, dem nur eines fehlt", beklagte 
sich ein hoher australischer Beamter in einem 
Interview, „und das sind Frauen für unsere jungen 
Männer. Sie könnten aus unserem oft noch rauhen 
Land ein kleines Paradies machen. Aber wo findet 
man diese Frauen in der Welt?" Viele Einwan= 
derer kommen ledig nach Australien. Auch die 
Tatsache, daß die Einwanderungsbestimmungen 
besonders bei Familien und bei diesen wieder für 
kinderreiche Paare besonders günstig gestaltet 
wurden, hat keineswegs den gewünschten Erfolg 
gebracht. Die männliche, notgedrungen unverhei= 
ratet gebliebene Bevölkerung dieses Kontinents 
wächst von Jahr zu Jahr. Australien aber möchte 
viele Kinder. „Kinder aber gibt es nur, wenn genug 
Frauen da sind!" seufzen die Regierungsstellen 
resigniert. In letzter Zeit hatte eine besonders in 
England laufende Werbung, „Kommt nach Austra= 
lien — hier warten auf jede Frau zehn Männer!", 
schon einigen Erfolg gebracht. Allerdings sind auch 
Engländerinnen wieder enttäuscht nach Hause 
zurückgekehrt. Die Lebensbedingungen in Austra= 
lien sind, so weit es nicht die Städte betrifft, für 
Frauen nicht ganz leicht zu ertragen. Die Männer, 
die in den weiten einsamen Gebieten, auf den 
Schaffarmen oder im Norden in den Edelholz* 
wäldern oder in den Minen leben, führen noch ein 
richtiges Pionierdasein. Sie brauchen Frauen, die 
vor keiner Arbeit scheuen, die sich auch in der 
Einsamkeit noch wohl fühlen und zufrieden sind, 
wenn es einmal im Jahr möglich ist, am Komfort 
der Stadt teilzunehmen. Solche Frauen aber sind 
heute, wie man nicht nur in Australien feststellt, 
selten zu finden. 
Unter dem gleichen Frauenmangel wie Australien 
leidet auch Neuseeland. „Die schnelle Einwande* 
rung von 30 000 jungen Mädchen aus Europa ist 
für unser Land viel dringlicher und nützlicher als 
etwa der Import von 30 000 Automobilen", stellte 
kürzlich ein führendes Regierungsmitglied fest. 
Neuseeland erfreut sich seit vielen Jahren einer 
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