Full text: 1962 (0090)

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Pitt 
erlebt 
die 
Antike 
Humoreske 
von Fritz Glutting 
In der Nacht träumte Pitt von Gaius Julius Caesar, 
der nach einem seiner vielen Siege auf einem Triumphwagen 
seinen Einzug in Rom hielt . . . 
Q 
vjeine Frau wollte partout nach Italien. Wo alle 
Welt hinreise, müssen er und sie doch auch gewesen 
sein. Pitt wollte gar nicht, denn was suche ein Berg» 
mann in Italien. Diese Ansicht wäre falsch, vertei= 
digte Ottilie ihren Plan, auch ein Bergmann müsse 
etwas für seine Bildung tun, die doch etwas Höhe= 
res sei. Wer jeden Tag unter der Erde arbeite, der 
müsse ab und zu sich über die Erde erheben. 
Wenn seine Frau so redete, gab sich Pitt jedesmal 
geschlagen. Das war auch dieses Mal der Fall, nur 
machte er noch einen letzten Ablenkungsversuch, 
als er nach den Kosten fragte. Das gehe in Ord= 
nung, entgegnete Ottilie, ihre Kusine habe doch 
ein Reiseunternehmen, und für manche Dienst» 
leistung im Haushalt der Kusine dürften sie und 
ihr Pitt in diesem Jahre eine Reise nach Italien mit» 
machen. Da gab sich Pitt zufrieden. 
Als er beim Einsteigen in den Omnibus die fla» 
schengefüllten Bierkästen und mächtige Schicht» 
brote sah, wußte er sich geborgen. Wo für das leib» 
liehe Wohl gesorgt wird, dort kann auch der Geist 
nicht zu kurz kommen. So war für das rechte 
Gleichmaß gesorgt. Pitt war zufrieden. Und alle 
Reisegenossen sollten an seiner Zufriedenheit teil» 
haben. 
Bis Mailand wußten sie alle über die Einrichtung 
eines Grubenbetriebes Bescheid. Pitt hatte sie näm» 
lieh in sämtliche Geheimnisse eingeweiht. Flamm» 
kohle und oberste Flammkohle sowie Erklärungen 
über Fettkohlen=Flöze waren die ersten fachmän» 
nischen Brocken, die die aufmerksamen Fahrtteil» 
nehmer zu schlucken hatten. Unser Bergmann hatte 
aber vorher diese Brocken gewissermaßen zerklei» 
nert, indem er von der Schachthalle und der Sie» 
berei, von Wäsche und Kohleverladung, von der 
Bergesturzanlage und vom Landabsatz eine fach» 
gerechte Übersicht gab. 
Als sie über die Alpenpässe fuhren, veranschau» 
lichte Pitt mit Worten und Gesten den Untertage» 
Betrieb. Mächtige Schräm=Lademaschinen würden 
heute den Bergleuten beim Abbau spürbar helfen, 
die Elektrizität spricht unter Tage eine immer ge» 
wichtigere Rolle. Und da Pitt das Fachliche mit 
allerlei Bergmanns=Schnurren zu würzen verstand, 
war er schnell der Liebling der Fahrgäste gewor» 
den. Seine Bemerkung „Ich fahre nur deswegen 
nach Italien, weil ich mir ein Land beschauen will, 
in dem es keine Schächte gibt" wurde mit Augen» 
zwinkern belacht. 
In Mailand gab es zum ersten Male Gelegenheit, 
Spezialitäten der italienischen Küche zu probieren. 
Nachdem der Kopf beim Betrachten der vielen Se=
	        
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