Full text: 1962 (0090)

139 
Nachwuchs bei den Limbacher Störchen, 
aufgenommen aus 30 m Entfernung mit einem Tele-Objektiv 
C 
/törche werden infolge der Modernisierung und 
Rationalisierung der Landwirtschaft immer seltener. 
Aus Amsterdam wurde dazu am 26. April 1961 in 
einer saarländischen Zeitung berichtet: Immer we= 
niger Störche verbringen den Sommer in den Nie= 
derlanden, dessen Wiesen» und Flußlandschaft 
früher als ein Eldorado (erträumtes Goldland) der 
Langbeine gegolten hat. Auch die Hoffnung, mit 
einem künstlichen Nestbau den Zug der Störche 
nach den Niederlanden günstig beeinflussen zu 
können, hat sich nicht erfüllt. Im letzten Sommer 
brüteten nur noch 48 Storchenpaare im Lande. Die 
Tatsache, daß die Störche in den Niederlanden sel= 
ten geworden sind, schreiben die Vogelkundler der 
Modernisierung und Rationalisierung derLandwirt= 
schaft und dadurch veränderter Fauna (Tierwelt) 
zu. Viele Insekten und Kleintiere, wie Feldmäuse 
— eine Lieblingsspeise der Störche — würden immer 
seltener. 
E. Schütz bringt in „Natur und Landschaft", 36. 
Jahrgang, eine Storchenbestandsaufnahme. 1934 
wurde zum ersten Male eine Zählung des Weißen 
Storches durchgeführt in dem Raum vom Baltikum 
bis nach Nordwestafrika; das östliche Europa wurde 
nicht erfaßt. Damals galt Deutschland noch als 
storchenreiches Gebiet. Von den gezählten 30 730 
Paaren lebte die Hälfte in Ostpreußen, wo bis zum 
Ende des ersten Weltkrieges mit Karpatho=Ruthe= 
nien der größte Bestand erfaßt wurde. 
Die zweite Internationale Bestandsaufnahme wurde 
1958 durchgeführt. Brutstörche seien ganz ver» 
schwunden in Schweiz, Rheinland und Schweden; 
in den Niederlanden und in Dänemark betrug der 
Schwund 80 “/o. Bayern verzeichnet eine Zunahme, 
ebenso Sachsen. Auch in der Rheinpfalz habe sich 
der Bestand fast ganz gehalten. In Elsaß und Würt» 
temberg sei der Rückgang nicht so stark wie in 
Norddeutschland. Über die Bestände im Osten sei 
wenig bekannt. 
Unweit Beeden bei Homburg=Saar waren in frü» 
heren Jahren ursprünglich die ersten Störche hei= 
misch. Vor dem zweiten Weltkrieg waren sie be= 
reits Gäste in Limbach bei Homburg. Aber erst seit 
1945 werden sie fachkundlich beobachtet und regi= 
striert. Es scheint ihnen wegen der guten Nahrungs» 
grundlagen gut in den Talwiesen des Homburger 
Bruchs zu gefallen. Einöd und Kirkel waren nach 
dem letzten Kriege nur einige Male Standquartier 
der Störche. 
Der Storch ist mit dem Menschen eng verknüpft. 
Durch die Rodung der Landschaft erschloß dieser 
dem Weißstorch Raum und Lebensmöglichkeiten. 
Das jährliche Wiederkommen und Wegfliegen des 
großen Vogels räumte ihm in der Gedanken» und 
Gefühlswelt des Menschen einen bevorzugten Platz 
ein. Man gewährte ihm gern eine Nistmöglichkeit 
und begrüßte Meister Adebar als Hausgenossen. 
Adebar heißt soviel wie Glücksträger, Glückbringer.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.