Full text: 1961 (0089)

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Das Pferd Fanny, das 20 Jahre lang treu ln der Grube arbeitete, war bei allen Pferdeführern das beliebteste Tier . 
Felde an der Seite der Mutter. Dann wurden Füh= 
rer und Pferd nach der Tiefbausohle verlegt. Hier 
gab es weder Sonne noch gute Luft und auch kei= 
nen Tagesstall mehr. Als Fanny das erstemal auf 
den Förderkorb gestellt wurde und dieser plötzlich 
in eine Tiefe von 380 Meter abgelassen wurde, da 
fing das Tier an verzweifelt zu wiehern und mit 
den Hufen zu scharren. Nur durch gutes Zureden 
Adams gab es sich wieder zufrieden. Unten auf 
der Sohle war die Arbeit genau die gleiche wie 
oben im Tagesstollen. Aber mit dem Stall unter 
der Erde mit dem kleinen Geleuchte wollte sich 
Fanny nicht zufriedengeben. Oft ließ das Tier bei 
Schichtende im Grubenstall den Kopf hängen. Man 
sollte meinen, es träumte von seiner Jugendzeit, 
den blühenden Bäumen, der großen Koppel, dem 
klaren Wasser und den saftigen Gräsern. Jedes= 
mal, wenn Adam morgens in den Stall kam, freute 
sich Fanny und wartete schon auf den Zucker und 
das Brot, das er mitbrachte. 
Aber nach zwei Jahren wurde der gute Pferde= 
führer Adam als Jungbergmann an den Köhlern 
stoß verlegt. Das Tier erhielt einen anderen Füh= 
rer, „Krischan", der genau das Gegenteil von 
Adam war. Er war kein Tierfreund, mit einem 
Wort, er war ein roher und leichtsinniger Bursche. 
Oft kam es zu Förderstörungen, weil das Lenken 
auf der Strecke nicht klappen wollte. Der Förder= 
Steiger aber kam dahinter, als er eines Tages den 
Rohling beobachtete, wie er dem armen Tier in 
der Dunkelheit mit einem schweren Stück Holz 
über den Kopf schlug. Sofort wurde der Bursche 
verlegt und bekam für die Tierquälerei noch eine 
besondere Strafe. 
Ein alter Berginvalide — Vetter Johann —, der 
wegen seiner Verletzung keine schwere Arbeit 
mehr verrichten konnte, wurde der neue Führer 
Fannys auf der vierten Tiefbausohle. Dort ging es 
wie immer sehr hart her, aber Fanny war trotz= 
dem zufrieden, denn Vetter Johann war ein ver= 
ständiger und vorsichtiger Mann, der sich gut mit 
Pferden verstand. 
So arbeitete Fanny treu und gehorsam 20 Jahre 
lang in der Grube, ohne auch nur ein einziges 
Mal mehr das Tageslicht zu sehen. Das Pferd war 
bei allen Pferdeführern das beliebteste und am 
meisten geschätzte Tier. Ja, sogar der Führer 
Adam, der wegen seiner Tüchtigkeit auf die Berg= 
schule gekommen und Steiger geworden war, ließ 
es sich nicht nehmen, Fanny wieder einmal zu be=
	        
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