Full text: 1961 (0089)

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c**t*ry das Grubenpferd 
VON KARL DENNE Das Pferd als treuer Helfer des Bergmanns 
Mehr als 20 Jahre unter Tage 
'V iele Jahre wurde in den Bergwerken bei der 
Förderung mit den Pferden schwerste Arbeit ver= 
richtet. Große Mengen Material, wie Holz und 
sonstiges Gerät, wurden mit Förderwagen auf der 
Schienenbahn an die Betriebspunkte und viele 
Tonnen Kohle zurück an die Schächte gefahren. 
Da ich als alter Bergmann noch gute Erinnerungen 
aus der früheren Bergmannszeit habe, in der die 
Pferde als treue Helfer in der Grube zu finden 
waren, soll hier vom Leben eines Grubenpferdes 
berichtet werden. 
Das Pferd Fanny wurde als Graufohlen aus Luxem= 
burger Schlag genau wie seine Mutter Rosa auf 
einem kleinen lothringischen Bauernhof geboren. 
In den ersten zwei Monaten seines Lebens, als 
man die Mutter noch nicht zu schweren Arbeiten 
heranzog, durfte das Fohlen neben ihr her springen. 
Jedem war es eine Freude, das muntere Tier zu 
beobachten. Nach drei Monaten begann Fanny 
schon Heu und Hafer zu fressen, die Nahrung der 
Mutter wurde ihm entzogen. In einem Fohlenstand 
neben dem Stande der Mutter wurde Fanny dann 
eingesperrt. Damit es nicht steif wurde, ließ man 
es aber während der Zeit, da das alte Pferd bei 
der Arbeit war, frei in Hof und Stall herumlaufen. 
Während des Winters erhielt das Fohlen Kraft= 
futter, damit sich sein Körperbau kräftig ent= 
wickele. Im Frühjahr kam das Fohlen dann zusam= 
men mit den anderen Jungtieren auf eine kleine 
Koppel, auf der es mit saftigen Gräsern und fri= 
schem Wasser gut versorgt war. Im Herbst brachte 
man Fanny gemeinsam mit seinen Artgenossen 
auf eine große Dorfkoppel, die aus einem großen, 
mit einem Zaune umgebenen und von einem Bach 
durchflossenen Wiesengelände bestand und wo auch 
ein Schuppen vorhanden war, der den Pferden bei 
schlechtem Wetter Schutz gewährte. 
Als das Jungpferd zweieinhalb Jahre alt war, ging 
es mit der Freiheit allmählich zu Ende. Im Stalle 
wurde es an Halfter und Kette gebunden, seine 
Hufe wurden mit Eisen beschlagen, Kopfgestell, 
Zaum, Geschirr, Stränge und Sielscheid wurden 
ihm angelegt. Neben der Mutter spannte man es 
an den Wagen. Das machte „Fanny" keine Schwie= 
rigkeiten. Es half, die schweren Lasten zu ziehen, 
und es half auch bei der Arbeit auf dem Felde. So 
wurde Fanny zu einem kräftigen, arbeitsgewohnten 
und abgehärteten Tier. Doch als eine Mißernte 
seinen Besitzer traf, mußte „Fanny" den Bauern* 
hof verlassen. Ein Pferdehändler nahm es für drei* 
hundert Taler mit. Auf dem Güterbahnhof wurde 
es mit anderen Tieren verladen und in eine Indu= 
striestadt an der Saar verbracht. Viele Käufer 
warteten dort schon auf ihre „Ware". Auch ein 
Grubenpferdebesitzer war erschienen, der Fanny 
wegen seines guten Aussehens und seiner Kraft 
erwarb. Und damit war das schöne Tier zu dem 
harten und langjährigen Los der Arbeit als Gru= 
benpferd verurteilt. 
Im Grubenstall angekommen, wurde der Neuling 
in einen Stand mit gutem Heu und Hafer gebracht. 
Neben Fanny stand ein alter Rappe, ein Schläger 
und „Klowe", wie er nur selten zu finden war. Am 
nächsten Morgen wurde Fanny dann eingeschnürt, 
auf die Stirn wurden ihm Lederkappen gelegt, 
alles war zur Grubenarbeit vorbereitet. Von der 
Aufbereitung ging es mit zehn leeren Förderwagen 
durch einen fünf Kilometer langen Stollen bis zum 
Schacht. Während der ersten Einfahrt beim Schein 
einer Grubenlampe wurde das Tier ob der unge= 
wohnten Umgebung unruhig und ängstlich und 
sprang öfters aus der Fahrbahn, so daß dem Pfer= 
deführer nichts anderes übrig blieb, als es am 
Kopfe zu leiten, damit keine Förderstörung ein* 
treten sollte. Am Schacht angekommen, wurde 
Fanny gleich an einen beladenen Kohlenzug mit 
zehn Wagen umgesetzt. Die Ausfahrt war nicht 
weniger schwierig, bis das Pferd im halben Stollen 
wieder von weitem das Tageslicht sah. Sein Ziel 
erreichte Fanny, mit Schweiß und Schaum bedeckt. 
Bei der zweiten Einfahrt ging es schon besser. Der 
Pferdeführer Adam konnte das Gespann vom 
ersten Wagen aus lenken. Als Adam sein Schich= 
tenbrot verzehrte, gab er auch Fanny ein Stück 
davon ab, wofür sich das Pferd bei der Arbeit 
dankbar zeigte. 
So vollzog sich nun monatelang die Arbeit von 
Adam und Fanny im dunklen Grubenstollen. Dann 
hatte sich das Tier an die Arbeit in der Grube 
gewöhnt, es tat diese Arbeit wie früher auf dem
	        
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