Full text: 1961 (0089)

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IO wichtige Tips 
Für alle, die sich zu perfekten Betriebs-Nervensägen ausbilden wollen 
1. Halte Dich niemals an klare Anweisungen und Betriebsvorschriften. Du weißt 
es besser, weil es doch „schon immer so gemacht" worden ist. Machst Du einen 
Fehler, dann schiebe die Schuld Deinem Nebenmann oder Vorgesetzten zu: 
sonst könnte man denken, Du legtest auf vertrauensvolle Zusammenarbeit Wert. 
2. Laß Deine Arbeitskollegen niemals an einer Anerkennung teilnehmen. Reiße 
Dir alle Erfolge allein unten den Nagel. Starke Männer haben es nicht nötig, 
bescheiden zu sein. 
3. Sage Deinem Vorgesetzten niemals unter vier Augen, wenn er sich — Deiner 
Ansicht nach — geirrt hat. Achte vielmehr darauf, daß möglichst viele zuhören, 
damit bald alle wissen, was Du für ein Prachtkerl bist. 
4. Tue stets so, als wenn Du mit Arbeit völlig überlastet seiest, damit keiner auf 
den Gedanken kommt, von Dir eine Gefälligkeit zu erwarten. Lasse einen 
jüngeren Kollegen niemals an Deine Arbeit heran: sonst wird er am Ende noch 
für genau so tüchtig gehalten, wie Du Dir selbst vorkommst. 
5. Sei niemals freundlich zu Kollegen oder Vorgesetzten, sonst denken sie schließ 
lich noch, Du wärest „weich“ oder „ein zu guter Kerl“. Verhalte Dich im Betrieb 
wie Tarzan im Urwald: betrachte jedes andere Lebewesen als Deinen Feind 
oder als Deine Beute. 
6. Laß alle Mißstände in Deinem Arbeitsbereich möglichst lange bestehen und 
wachsen: sie werden dann zur unentbehrlichen Betriebsgewohnheit. Betrachte 
Kollegen, die Verbesserungsvorschläge machen, grundsätzlich als üble Streber 
und Besserwisser. Wenn Dein Vorgesetzter nicht merkt, was Du „schon längst 
gewußt hast“, ist er selbst schuld. 
7. Wenn Du nicht verstehst oder für richtig hältst, was ein anderer Dir klarmachen 
will, so schieße ihn nach seinem ersten Satz prinzipiell ab mit dem vernichtenden 
Ausruf: „Kalter Kaffee." Sonst schenkt er Dir womöglich noch sein Vertrauen. 
Wenn ein Vorgesetzter Dir etwas erklärt, so stelle Deine Ohren auf „Durch 
zug". Wer nämlich nicht zuhört, hat immer recht. 
8. Betrachte es als eine Zumutung, wenn ein Vorgesetzter oder Kollege mit Dir 
neue Ideen für die betriebliche Produktion besprechen will. Laß ihn Dein 
Mißfallen deutlich fühlen und beschwere Dich später, weil man Dich übergangen 
hat. Verschweige ihm großzügig die Erfahrungen, die Deine Firma Dich auf 
Deinem Arbeitsplatz machen ließ, vor allem, wenn seine Idee undurchführbar 
ist. Warum soll er sich nicht die Hörner ablaufen? Der Betrieb leidet ja nicht 
darunter, und wenn, dann „trifft es keinen Armen“! 
9. Komme nur nicht auf den Gedanken, über Deinen engsten Arbeitsbereich hin 
auszuschauen, und lehne jede Möglichkeit ab, Dich auf anderen Arbeitsplätzen 
zu bewähren. Betrachte Deine Vorgesetzten grundsätzlich als Antreiber und 
ihre größere Verantwortung als „Angabe“. 
10. Sage Deinen Vorgesetzten bei jeder Gelegenheit, daß Du Dich über sie 
beschweren willst oder daß bald „Maßnahmen“ gegen sie ergriffen würden. Sie 
haben dann die nötige Ruhe, sich um die Erhaltung und nötige Sicherheit Deines 
Arbeitsplatzes zu kümmern. — Der sicherste Weg, die Vertrauensgrundlage der 
Betriebsgemeinschaft zu festigen, ist der, viel Unruhe in den Betrieb hinein 
zutragen. Und schließlich: Sorge dafür, daß diese Tips schnell verbreitet und 
genau befolgt werden, sonst könnte die Zusammenarbeit im Betrieb besser 
werden, und das wäre gar nicht auszudenken: denn wo sollen dann die „Ner 
vensägen“ bleiben? Heinz Günther Ihme
	        

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