Full text: 1961 (0089)

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Prescher, mit Vornamen Valentin, von seinen 
Kollegen aber nur Valek gerufen, war erst zwan= 
zig Jahre alt und war Schlepper in einer ober* 
schlesischen Kohlengrube. Über Tage war Prescher 
Valek ein rechter Bux. 
„Bux" ist die Bezeichnung für einen jungen Bur* 
sehen, der Karten, Schnaps und Tanzvergnügen mit 
Raufereien liebt, um auf diese Weise aufzufallen 
und als ganzer Mann zu gelten. Auch kleidet er 
sich gern nach der letzten Mode und bildet sich ein, 
für die Mädchen unwiderstehlich zu sein. Manch= 
mal muß er auch wegen Raufereien, Ruhestörung 
und Körperverletzung vors Gericht, was er sich 
aber zur Ehre anrechnet. Mit Gleichgesinnten spielt 
er den Leuten so manchen Schabernak und macht 
da vor dem Hüter des Gesetzes nicht halt. Doch 
hat sich so ein „Bux" die Hörner abgelaufen, dann 
wird er ein guter Ehemann und wundert sich spä= 
ter, wenn seine Söhne es ihm in den Flegeljahren 
nach tun. 
Nun werden diese Buxen — zu unrecht — als 
„Hacharen" bezeichnet, was aber dem Sinn dieses 
Namens nicht entspricht; denn ein Hacher ist ein 
Mensch in jedem Alter, arbeitsscheu, von gemei* 
nem Charakter, der Schrecken der Bevölkerung, 
dem jeder gerne aus dem Wege geht und der zu= 
letzt wegen schwerer Delikte im Zuchthaus landet. 
Darum ist es kein Wunder, wenn so ein „ehrlicher" 
Bux fuchsteufelswild wird, wenn man ihn mit 
„Hacher" tituliert, denn alle seine Handlungen 
entspringen ja nur der überschäumenden Jugend* 
torheit. Mag der Bux es noch so toll treiben, so 
hat er doch Ehrfurcht vor seinen Eltern und vor 
Gott. Jeden Sonntag geht er brav zur Kirche, um 
seiner Christenpflicht nachzukommen, um aber am 
Nachmittag mit seinen Kollegen sein gewohntes 
Leben weiterzuführen. 
Es soll nicht bestritten werden, daß einige wenige 
Buxen doch straucheln und zu „Hacharen" werden; 
denn das Buxenleben ist ein vorübergehendes 
Wandeln hart am Abgrund; diese Tatsache ist aber 
gerade ein Beweis dafür, daß die Buxen im allge= 
meinen keinen schlechten Charakter haben und 
das Gute in ihnen in den Buxenjahren nicht ein* 
friert. 
An einem herrlichen Sommervormittag schritt also 
Valek Prescher aus dem Dorfe dem Walde zu. Er 
war mit seinen Gedanken so beschäftigt, daß er 
einen gleichaltrigen Kameraden nicht bemerkte, 
der ihn lässig mit zwei Fingern am Hutrand grüßte. 
„Servus!" — „Servus!" grüßte Valek ebenso lässig 
mit zwei Fingern am Hutrand. Diese Art des Gru* 
ßes und auch das Wort „Servus" galten bei den 
Buxen als sehr vornehm. 
„Junge, Junge, hast du aber eine schöne blaue 
Kluft an!" staunte der. „Wohl neu, he?" 
VON PAUL HABRASCHKA 
Geschichte aus dem 
alten oberschlesischen Bergbau 
HACHER 
Als die Gläubigen die Kirche verließen, schritt die herbe 
Schönheit langsam an ihm vorüber, ohne ihn auch nur 
eines Blickes zu würdigen . . .
	        
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