Full text: 1961 (0089)

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was hatten die mit seinem stets gleichbleibenden 
Leben zu tun? 
Jetzt aber war mit seinem Weibe die Unruhe in 
sein Haus gekommen. Er wurde der Aufträge nicht 
mehr Herr. Und schlimmer noch. Mit den Auf= 
trägen war manch glattes Wort an ihn gerichtet 
worden, das er wie ein Stück Brot in sich aufnahm, 
um es nachher wie ein Stein im Herzen zu spüren. 
In seiner Not hatte er sich einen Gesellen genom= 
men, der eines Tages von seiner Frau ins Haus 
geführt worden war. 
Wenn der Schmied des Nachts auf seinem Lager 
alles überdachte, geschah es oft, daß er ein Kreuz 
schlagen mußte, um die bösen Geister zu ver= 
scheuchen, die ihm schier das Herz abdrücken 
wollten. 
Wie war das doch gestern wieder gewesen? Seine 
Frau hatte beim Aufträgen des Mittagsmahles 
eine irdene Schüssel fallen lassen, die in tausend 
Scherben zersprang. Unmutig wollte er gerade den 
Mund öffnen, die Frau zu schelten, als der neue 
Gesell aufsprang, die Scherben wegräumte und 
dabei lachte; „O je, da müssen wir etwas länger 
arbeiten, um den Schaden wieder gutzumachen." 
Er, der Schmied bemerkte, wie seine Frau einen 
dankbaren Blick zu dem Gesellen hinüberschickte, 
den der Geselle scheinbar gleichgültig zurückwies. 
Solcherlei Blicke und ähnliche Worte stachen wie 
mit Messern in sein Herz. Weil es aber keine 
handgreiflichen Beweise waren, schmerzten sie um 
so mehr, zumal der Geselle nicht zu fassen war. 
Hatte einmal sein Weib zu unvorsichtig getändelt, 
war es der Geselle, der mit kalten Worten die 
Glut des Weibes dämpfte und sich wie angewidert 
ihm, dem Meister, zuwandte. 
Und das war dem Schmied 
auch nicht recht. Wie konnte 
ein Geselle seines Meisters 
Ehefrau so behandeln? 
Ächzend warf sich der Schmied 
auf seinem Lager herum. Und 
wiederum schlug er ein Kreuz. 
Wie sollte er anders die An= 
Schläge des Teufels zunichte 
machen? 
Es war ihm wie eine Erlösung, 
als eines Abends mehrere 
Bauern aus der Umgebung zu 
ihm kamen und sich verlegen 
in der großen Stube her= 
umdrückten. Erst der Eintritt 
der Schmiedin, die Bier aus 
hohen Zinnkrügen auszu» 
schenken begann, ließ sie be= 
weglicher werden. Sobald die 
Krüge gefüllt waren, erschien 
der Geselle. Und wieder sta* 
chen die Messer in des Schmie» 
des Herz. Sah er doch, wie 
die Hände seines Eheweibes 
vor jagender Liebe zitterten, 
als sie des Gesellen gewahr 
wurde. Der aber schaute über 
das Weib hinweg, wie er auch 
die Bauern nicht zu bemerken 
schien. Der Schmied wunderte 
sich über die Macht, die der 
Geselle über seine Frau und 
die Bauern hatte, mußte er doch mitansehen, wie 
die Bauern schier vor Ehrfurcht vergingen beim 
Anblick des Gesellen. 
Und der Schmied erfuhr, daß sein Geselle niemand 
anderes war als der Anführer der Bauern, der 
aber unerkannt bleiben wollte. Der Schmied sollte 
der Führer der Bauern — wenigstens nach außen 
hin — werden. So hätten sie beschlossen, und des» 
wegen seien sie heute abend zu ihm gekommen. 
Gott und Teufel fielen über den Schmied her. Er 
sollte der Anführer der Bauern werden? Er — ein 
Der Schmied, einen Schmiedehammer in der Faust schwingend, brüllte am lautesten
	        
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