Full text: 1960 (0088)

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von Büschfeld hat die heiligen Geräte mit nach 
Büschfeld genommen. Da die Nunkirchener in die* 
sen Zeiten keinen Ersatz für ihren verstorbenen 
Pfarrer bekommen konnten, tat der Büschfelder ab 
und zu Dienst in Nunkirchen. Daß jetzt kein Pfar= 
rer bei ihnen ist, stachelt die ohnmächtige Wut der 
Männer noch mehr an. Verflucht sei der Krieg, der 
ihnen die Priester und die Wohnstätten nimmt! 
Verflucht auch der Umstand, daß sie ihre Kirche 
nicht mitnehmen können! Knapp hundert Jahre 
steht sie jetzt. Sie ist die dritte oder vierte, seit 
des ersten Christen Fuß diesen Boden betreten hat. 
Die Frauen schlagen das Kreuz über sich und ihre 
Kinder, als sie an der Kirche vorbeihasten. „Herr, 
erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser!" — 
Trotz allen Elends huscht ein Lächeln über die 
Züge der Geflohenen, als sie in ihrem Versteck im 
Wald an der „Hackenbach" angekommen sind. 
Auch das Vieh ist drinnen. Wie gut, daß man 
vorgesorgt hat! Hier läßt es sich für eine Weile 
leben, und der Schwed' wird ja nicht ewig in deut= 
sehen Landen bleiben. 
Da! Über die Wipfel der Bäume kommt es, durch 
das Gestrüpp des Unterholzes dringt es, alle Her= 
zen überfällt es: die Glocken der Pfarrkirche läu= 
ten! Die Menschen im Versteck fühlen schaudernd, 
daß sie neben ihren eigenen Häusern und ihrem 
Hausrat noch etwas anderes aufgegeben haben: 
ihr Gotteshaus. Aus ihren Häusern haben sie 
manches mitgenommen, aus ihrem Gotteshause 
aber nichts. Und nun erinnern die Glocken sie 
daran, daß eine Dorfgemeinschaft nicht fliehen 
kann, ohne ihr Gotteshaus mitgenommen zu ha* 
ben in Gestalt eines geweihten Gegenstandes. 
Die Glocken dröhnen weiter, und die Flüchtigen 
glauben, ein Engel läute ihnen ihre Vergeßlichkeit 
und ihren blinden Eifer in die Ohren. 
Der Meier ermannt sich. „Wer geht mit? Ich hole 
die Glocken!" Zuerst erschrecktes Schweigen. Was 
der Meier da tun will, kann den Tod bringen. Die 
Schweden haben ihre Vorreiter bestimmt schon 
Oel- & Lackwerke 
G. M £ G U I N 
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ins Dorf geschickt. 
Da ruft einer: „Wo ist denn der Michel Reims= 
bacher?" Man sucht ihn, findet ihn jedoch nicht. 
Sollte er ... ? Jetzt gibt es kein Besinnen mehr. 
Elf Männer melden sich und gehen mit dem Meier 
zurück ins Dorf, die Glocken zu bergen und den 
Reimsbacher zu suchen. 
Die Stille des Friedhofs umfängt die Zurückkom= 
menden. Die Glocken sind eben verstummt. Um= 
herstreunende Katzen scheinen die einzigen Lebe* 
wesen zu sein. Sie hat man nicht zu töten ge* 
braucht wie die Hunde, die allzu leicht durch ihr 
Bellen das Versteck hätten verraten können. Frei 
umherlaufen lassen durfte man sie aber auch nicht, 
denn sie hätten die Spur ins Versteck gefunden. 
Katzen aber lieben die Häuser und nicht die Men* 
sehen. 
Geduckt schleichen sich die Männer an der Fried* 
hofsmauer entlang zur Kirche hin. Sie treten ein 
und sehen, wie der Reimsbacher Michel aus der 
Chorstube kommt. Also hat er die Glocken ge* 
läutet! Und jetzt wissen die Männer auch den 
Grund, weshalb die Glocken so unregelmäßig ge* 
klungen haben: ein junger Bursche kann eben 
schlecht zwei Glocken auf einmal läuten. — Der 
Michel lacht über das ganze Gesicht, als er bei den 
Männern ist. „Ich wollte die Schweden glauben 
machen, daß die Einwohner des Dorfes Sturm 
läuteten, um sie gebührend zu empfangen. Viel* 
leicht wären sie dann vorbeigezogen." 
Die Männer schütteln den Kopf. „Lieber Michel! 
Sturmgeläute ist den Schweden Musik im Ohr. 
Doch komm! Wir holen die Glocken herunter und 
verstecken sie. Die Schweden sollen sie nicht ver* 
derben." 
Nach mühseliger Arbeit stehen die Glocken am 
Boden. Es ist ein Glück, daß sie nicht schwer sind. 
Wie hätte sich ein so kleines Dorf auch große 
Glocken leisten können? Das ist jetzt zum Vorteil. 
Bald sind sie auf einem Wagen verstaut, Schaufeln 
und Grabwerkzeuge werden in fliegender Hast 
dazu geworfen, ein paar Mann fassen die Deichsel 
an, und los geht es die Dorfstraße hinab zur 
„Hackenbach" hin. 
Die Wagemutigen können nicht ahnen, daß der 
Wind, der von Wadern her weht, das Geräusch 
des knarrenden Wagens zu den Spähern der 
Schweden hinüberträgt, die sich aus dem zerstör* 
ten Losheim her dem verlassenen Nunkirchen 
nähern. Satt und trunken wie sie sind, zeigen die 
Schweden und Franzosen keinerlei Eile. Es wird 
ihnen ja doch nichts entgehen! 
Keuchend haben die Männer die Glocken eine 
Strecke weit in das Waldesdickicht der „Hacken* 
bach" herangeschleppt. Den Wagen haben sie 
schon vorher stehen lassen. Den wollen sie später
	        

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