Full text: 1960 (0088)

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Die Glocken von Nunkirchen 
Erzählung von Fritz Glutting 
I. Das brandige Vorspiel 
In der Schlacht bei Nördlingen hatte das Kriegs= 
glück die Schweden verlassen. Sie, die bisher in 
fast allen Schlachten Sieger geblieben waren, 
kamen durch diese Niederlage in eine verzwei* 
feite Lage. Der kaiserliche Feldherr Gallas trieb sie 
vor sich her auf den Rhein zu. Da erstand ihnen 
ein Helfer in Frankreich, das aus seiner bisherigen 
stillen Gegnerschaft zum Kaiser heraustrat und 
sich nun als offener Feind zeigte. Die Schweden 
setzten über den Rhein und drangen in die Wälder 
des Hunsrücks ein, willens, über Wallerfangen und 
Metz französischen Boden zu erreichen. 
Bei dem Dorf Greimerath lagerte ein Trupp schwe= 
discher Reiter. Er hatte im Waldland die Verbin= 
düng mit dem Gros verloren und suchte sich nun 
auf eigene Faust durchzuschlagen. 
Nur noch Brandreste in halb zugeschütteten und 
wieder aufgewühlten Gruben zeugten von dem 
Platze, wo einst das Dorf stand. Mißmutig hockten 
die Reiter in ihren behelfsmäßigen Hütten. Es war 
Ende September, die Nächte brachten schon em= 
pfindliche Kälte mit, die rasch Zutritt in die aus* 
gemergelten Körper fand. Wie lange hatten sie 
schon nichts Vernünftiges zwischen den Zähnen 
gehabt? Seit Nördlingen schon nicht mehr! Nein, 
Unsinn, schon seit dem Tage nicht mehr, an dem 
sie vor drei Jahren die schwedische Heimat verlas* 
sen hatten! 
Mit derben Flüchen jagten die Reiter Troßbuben 
und Weiber fort, daß sie ein heiles Dorf oder ein 
Versteck der Bauern ausfindig machen sollten. Sie 
selbst waren zu gleichgültig geworden, dieses 
wichtige Geschäft selber zu erledigen. Nicht einmal 
Wachen hatten sie aufgestellt. Es waren ihrer zu= 
viele, als daß die Bauern sich herangewagt hätten. 
Und der Gallas? Der mag kommen, dann gibt es 
ein lustiges Fechten, bei dem zumindest ein ehren= 
voller Tod herausspringt.
	        

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