Full text: 1959 (0087)

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Das Museum für Ir- und Frühgeschichte 
des Saarlandes 
Von Josef Keller 
Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges gab es am Ludwigsplatz in Saarbrücken ein 
Museum für Ur- und Frühgeschichte. Genauer gesagt befand es sich in dem Dienstgebäude 
des Staatlichen Konservatoramtes, damals Kronprinzenstraße, heutige Keplerstraße Nr. 3, 
einem Stengelbau der 1760-er Jahre, der die Westseite des Ludwigsplatzes abschließt. Man 
chem Schüler des Ludwigsgymnasiums wird die Erinnerung wieder lebendig werden an die 
Sarkophage und römischen Steinsäulen, an die Nachbildung des Mithrasreliefs von Schwarz 
erden in natürlicher Größe und was sonst noch in der Eingangshalle zu sehen war, eine 
Erinnerung auch an jene marschier- und boxfreudige Heil-Hitler-Zeit, in der man das arme 
Ludwigsgymnasium in der unwürdigsten Weise in diesen viel zu kleinen Museumsbau hinein 
gepfercht hatte. — Wo ist dieses Museum geblieben? Es hatte den Anschein, als ob der 
Krieg es hinweggefegt habe und man darauf verzichten müsse, jemals wieder etwas aus der 
Ur- und Frühzeit des Saarlandes zu Gesicht zu bekommen. Aber inzwischen hört man, daß 
dieses Museum nach einer zwanzigjährigen Aschenbrödelzeit umso schöner wieder erstehen soll. 
Die Griindungszeit 
A ls der erste Konservator im Saarland, Ober- 
regierungsrat Karl Klein, im Jahre 1920 
anfing, die ur- und frühgeschichtlichen Funde aus 
dem Boden des Landes zu sammeln, gab es bereits 
eine kleine derartige Sammlung in Saarbrücken, 
die vom Historischen Verein für die Saargegend 
zusammengetragen war. Diese enthielt zwar einige 
ausgezeichnete Schaustücke, so unter anderem ein 
Steinbild der gallo-römischen Göttin Epona, einige 
römerzeitliche Bronzefigürchen, eine keltische Gold 
münze, eine eiserne keltische Lanzenspitze mit 
geschweiftem Blatt, aber der urkundliche Wert für 
die frühe Geschichte des Landes war gering, denn 
es fehlte zu dien meisten dieser Funde die genaue 
Angabe des Fundortes und der Fundumstände. 
Bedeutende Funde aber gingen früher dem Lande 
verloren. So kommt es, daß der hervorragende 
spätbronzezeitliche Depotfund von Wallenfangen 
sich im Museum der nationalen Altertümer in 
Saint-Germain-en-Laye bei Paris befindet, das 
goldene Diadem aus dem keltischen Fürstengrab 
von Besseringen im Staatlichen Museum zu Berlin, 
um nur zwei markante Beispiele zu nennen. Alles 
andere, soweit es überhaupt erfaßt wurde, kam 
vor 1920 in die damals zuständigen Museen in 
Trier, Birkenfeld und Speyer. 
Die Sammlung des saarländischen Konservators 
wuchs in wenigen, Jahren so stark an, daß sie 
schon 1929 in dem Gebäude Keplerstraße 3, Am 
Ludwigsplatz, als Museum eröffnet werden konnte. 
Es hatte sich erwiesen, daß die Gründung des 
Staatlichen Konservatoramtes ein für die kulturel 
len Belange des Landes notwendiger Schritt war, 
denn nunmehr entwickelte sich hier auf dem Ge 
biet der Bodendenkmalpflege eine intensive und 
höchst erfolgreiche Tätigkeit, wie sie vordem von 
Trier und Speyer aus nicht möglich war. Von dort 
aus gesehen lagen die Landschaften um die Blies 
und mittlere Saar eben doch sehr am Rande, und 
allein schon wegen der weiten Anreise von Speyer 
oder Trier war ein sofortiges Eingreifen des 
Bodendenkmalpflegers im Falle von Funden bei 
Erd- und Bauarbeiten meistens ausgeschlossen. 
Nachdem im Saarland dann aber ein eigener Kon 
servator eingesetzt worden war, wurden die zu 
fällig entdeckten Funde im ganzen Lande mög 
lichst vollständig erfaßt; planmäßige Ausgrabungen 
bereicherten das dokumentarische Inventar der 
heimischen Ur- und Frühgeschichte; von Jahr zu 
Jahr vergrößerte sich damit auch das Museum am 
Ludwigsplatz. Der Konservator Klein starb 1934, 
leider viel zu früh, aber er hinterließ ein Werk, 
das er mit Begeisterung für die saarländische 
Archäologie geschaffen hatte und dias sich wahr 
haftig sehen lassen konnte. 
Die Zeit des Ausbaues 
In den folgenden Jahren wurde das Museum 
weiter ausgebaut. Besonders die Ausgrabung der 
römischen Villa in der Weinheck bei Lebach, ein
	        

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