Full text: 1959 (0087)

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Arbeitermangels und das der Arbeitszeitver 
kürzung können nur durch diese Techniken und 
insbesondere durch die Automatisierung gelöst 
werden, ohne daß die Produktion verringert 
wird. Das bisher Erreichte verdanken wir auch 
diesen Techniken; aber die Zukunft verlangt 
noch mehr von ihnen. 
Die ethischen Gründe für die Automatisierung 
Es ist sicher, daß die Gründe für den permanen 
ten Arbeiterschwund im Bergbau die harte, den 
ganzen Mann verlangende Arbeit des Unter 
tagebetriebes und die untertägigen Gefahren 
sind. Auf die Dauer kann der gewährte Spitzen 
lohn des Bergbaus diese Momente nicht ausglei- 
chen, vor allem da in der übrigen Industrie auf 
Grund leichterer Produktivitätssteigerungen auch 
leichter Spitzenlöhne gezahlt werden können. 
Hier hat die Mechanisierung, Elektrifizierung 
und Rationalisierung schon vieles getan, um die 
Härte der Arbeit zu mildern und die Gefahren 
zu verringern. Die Automatisierung wird das 
letzte tun, um die Arbeit unter Tage so leicht 
und so gefahrlos für den Menschen zu machen, 
wie in den übrigen Tagesbetrieben der Indu 
strie. Das wird die edelste und vornehmste Auf 
gabe der Technik sein, hier einzuspringen. Übrig 
bleiben werden nur die Aufgaben für den Men 
schen, die seiner wahrhaft würdig sind, als Herr 
der Technik. Auch wenn es viel Geld erfordert. 
So ist die Technik der Mechanisierung, der Elek 
trifizierung, der Rationalisierung und schließlich 
der Automatisierung im Sinne des Bergarbeiters 
sogar ethisch begründet. 
Die technischen Möglichkeiten der 
Automatisierung im Bergbau 
Wenn wir nach den technischen Möglichkeiten 
suchen, so folgen wir am besten dem Produk 
tionsfluß. Die Kohle wird im Streb gewonnen, 
aus dem Streb herausgefördert, weitergeför 
dert durch die Abbaustrecken in die Hauptstrec 
ken, durch den Schacht hinauf nach über Tage 
und dort in die Aufbereitung, aus der die Kohle 
gebrauchsfertig zum Versand oder zum Eigen 
verbrauch geht. Den entgegengesetzten Weg 
gehen die Versatzberge und all das Gruben 
material für unter Tage. Daneben geht die Per 
sonenförderung, die Bewetterung und die Was 
serhaltung. Aufgabe der Automatisierung ist es 
nun, auf diesen Produktionswegen Anwendungs 
möglichkeiten zu finden. Wir stellen dabei fest, 
daß es schon eine Anzahl von Automatisierun 
gen gibt. Wer kennt nicht die automatische 
Bandförderung und die automatische Schachtför 
derung und die automatischen Kleinpumpen! Sie 
haben sich schon bestens bewährt. Also können 
wir auch Vertrauen haben in die noch möglichen 
Automatisierungen. Als da sind: Automatisie 
rung der Übergaben mit Bandselbstschutz und 
Verriegelung der Bänder untereinander, mit 
Haufwerkswächtern, mit Bunkerstandswächtern, 
mit Wächtern an Blindschächten, Rutschen, Wen 
deln und Treppen; oder Automatisierung des 
Zugverkehrs durch automatische Weichen, durch 
Gleisbildstellwerke, durch Zug-Fernsprechver 
kehr oder durch automatische Lokomotiven; 
oder durch automatische Ladestellen für Kohle 
und Berge; durch automatische Wettertüren; 
durch automatische Wasserhaltungen; durch 
automatische Schlagwetterwächter; Automatisie 
rung der Schachtbeschickung durch automatische 
Schachtwächter; über Tage durch automatische 
Siebereien, automatische Wäschen und auto 
matische Verladestellen für Kohle und Berge; 
und durch automatische Pumpenstetionen. 
Für alle diese Dinge hat die Industrie, insbe 
sondere die Elektroindustrie, Maschinen und 
Apparate bereit aus ihren Erfahrungen bei der 
übrigen Industrie. Diese müssen allerdings für 
4!£ Tabakverarb-Industrie 
7% Ernährungs-Industrie 
10% NE-Metall—In dustrie 
13% Eisenschaf F-Industrie 
14% Chemische-Industrie 
15% Papierverar b-Industrie 
16 % Bekleidungs-Industrie 
50 % 
Bergbau 
Prozentualer Lohnanteil (ohne Gehälter) an den Selbst 
kosten in verschiedenen Industriezweigen 1957/58 
den Bergbau speziell angepaßt werden und wir 
müssen auch hier wieder Erfahrungen sammeln, 
bis wir sagen können, daß wir bergbauechte 
Lösungen haben. Aber das sind keine Wunder, 
die hier geschehen müssen; sondern ernste ziel 
strebige Arbeit von Arbeitern, Handwerkern, 
Technikern und Ingenieuren muß hier geleistet 
werden. Natürlich kosten diese Dinge auch 
Geld, sogar sehr viel Geld. Der Bergbau ist 
ohnehin außer lohnintensiv auch kapitalintensiv; 
durch die Automatisierung wird er noch ka 
pitalintensiver werden, aber auf Kosten der 
Lohnintensität, was aus all den angeführten 
Gründen ja als notwendig erkannt wurde. 
Die Automatisierung, eine Technik, die sich in 
der Wirtschaftsgeschichte nicht immer nur von
	        

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