Full text: 1958 (0086)

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Von Hans Br einig 
üdöstlich von Püttlingen erhebt sich der 
ehedem mit altem Buchenwald bestandene 
sagenumwobene Hohberg, auf dem bis zum 
Jahre 1902 die Hohberg-Schachtanlage in Betrieb 
war. Eigenartig ist, daß wir um die Abteufzeit 
dieses so sehr von der Bergmannssage umwit 
terten Schachtes fast gar nichts wissen und nur 
auf Vermutungen angewiesen sind. Wahrschein 
lich wird er nur wenige Jahre nach der Nieder 
bringung des Josefaschachtes abgeteuft worden 
sein, und das war in der zu Ende gehenden ersten 
Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Man wäre nun 
versucht, älteste Sage des Hohberges, die vom 
sogenannten Hohberger, unserem saarländischen 
Bergmannsgeist, ebenfalls in ihrer Entstehung 
in diese Zeit zu verlegen. Dies ist aber abwegig, 
denn der Hohberger erschien den alten Püttlin- 
ger Bergknappen auf der Grube Bauernwald und 
auf allen Anlagen des Frommersbachtales schon 
um ein halbes Jahrhundert früher. Eine große 
Anzahl alter Gruben (Stollenhaus) führten ja 
auch unmittelbar vom Frommersbachtale aus in 
den Hohberg hinein. Einige sind noch heute in 
ihrer Lage zu erkennen, und in den Notjahren 
nach dem letzten Kriege wurden sie vielfach 
von wilden Kohlengräbern angeschnitten und 
geöffnet. Sie haben noch zum Teil einen wohl 
erhaltenen Ausbau mit kräftigem und wohlge 
zimmertem Eichenholz. 
Nach der ältesten Sage hatte der Hohberger 
unter dem Hohberge seine Schatzkammern mit 
reichen Edelstein-, Gold- und Silbersdiätzen, wie 
der Schreiber dieser Zeilen als junger Schlepper 
im ersten Weltkrieg von alten Bergleuten und 
Pensionären immer wieder hörte. Konnte man in 
den letzten Jahrzehnten auch verschiedentlich die 
Deutung hören, der Hohberger sei als Sagen 
gestalt von den nach dem Bau der Eisenbahn 
Saarbrücken—Trier auf dem Josefaschacht in 
Arbeit getretenen Bauernsöhnen aus dem Hau- 
stadtertale oder aus dem Hochwald zu uns an 
die mittlere Saar und ins Köllertal gebracht wor 
den und sei ursprünglich Wodan, der wilde Jä 
ger, so darf dem mit gutem Gewissen entgegen 
gehalten werden, daß der Hohberger ausdrück 
lich als guter, die Bergleute vor Gefahr warnen 
der Erdgeist bezeichnet wird, womit er so etwas 
wie das männliche Gegenstück der Schutzpatronin 
unserer Knappen, der heiligen St. Barbara ist. 
Mit dem wilden Jäger hat unser Berggeist nur 
sein oft lautes und rumorendes Gebaren gemein, 
Züge, die er wohl auch aus dem reichen Sagen 
kranz des Püttlinger Gebietes annahm. 
Auf Schritt und Tritt stößt der Wanderer bei 
derseits des Frommersbaches und um den 
vor drei Jahrzehnten stillgelegten Josefaschacht 
auf Bergbauspuren: alte, noch erhaltene Stollen, 
vermauerte Mundlöcher, kleinere und größere 
blaugraue Halden, auf denen meist Birken sich 
im Winde wiegen, und eine Anzahl alter Zechen 
säle und ehemaliger Ökonomiegebäude. Dies 
alles erinnert noch an die Zeiten, da fleißige 
Knappen hier einfuhren, unter Hohberg und 
Bauernwald die schwarzen Schätze zu heben. 
Alle diese Stätten liegen im Schatten des Hoh 
berges, auf dem auch der Hohbergerschacht in 
Betrieb war. Bis 1936 stand dort oben als letzter 
Überrest noch ein viereckiger Wetterschacht 
turm aus Sandsteinquadern mit abgeflachtem, 
steinernem Dach und hohen vergitterten Fen 
stern zum Einziehen der Wetter; er stand recht 
einsam im Walde wie ein Symbol geheimnis 
umwobenen Herumgeisterns des Hohberger 
Matz, der den alten Hohberger ablöste. 
Diese Anlagen insgesamt bezeichnete man frü 
her als Grube Gerhard, deren Zentrale der Jo 
sefaschacht war. In allen Schächten und Stollen 
ging hier der saarländische Berggeist Hohberger 
um, und von hier aus wurde er auch in den 
Schächten der näheren Umgebung, so in Schwal- 
bach, Griesborn und Knausholz bekannt, wo man 
ihn ebenfalls gesehen haben wollte. Am meisten 
bezeugt ist sein Erscheinen unter und auf dem 
Hohberge. Vor allem beschützte er die schwer 
schaffenden Knappen: Er wußte schon viele Tage 
vorher, wenn der Grube ein Unglück drohte. 
Dann zeigte er sich den Knappen, für die das 
Erscheinen des Berggeistes eine Warnung be 
deutete. Der gute Alte meldete so Schlagwetter 
explosionen, Grubenbrand, Hereinbrechen des 
Berges und dräuende Flut. Uralt schien er und 
war von hünenhaftem Wuchs, mit wehendem 
weißen Barte und gütigen Augen. Auf dem Kopf 
trug er einen hohen Schachthelm, so wie ihn vie 
lerorts noch heute in unserer Heimat die Fah 
nenträger der bergmännischen Bruderschaften 
tragen. Seine helleuchtende Grubenlampe 
brauchte nie „gefummelt" zu werden wie die 
der Ober- und Fahrsteiger sowie der höheren 
Bergbeamten, denn sie war von purem Golde, 
ebenso wie er auch einen Meterstock von reinem 
Golde trug. 
Trotz seiner großen Güte hatte der Hohberger 
bisweilen seinen Spaß daran, allerlei Allotria mit 
den Bergleuten zu treiben. Faule, aber mit dem 
Mundwerk fixe Schlepper und Hauer nahm er 
sich aufs Korn. Sie wurden von ihm genarrt, er-
	        
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