Full text: 1958 (0086)

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Q!5oet(ic und der Bergbau 
Im Verlag Glückauf GmbH. Essen ist ein besonders bemerkenswertes Buch für den 
Bergmann erschienen. Es trägt den Titel „Kristall" und vermittelt ein getreu- 
liches Spiegelbild von der Berufswelt des Bergmanns. Die reiche Überlieferung des 
Bergmannsstandes in Brauchtum, Tracht, Gesang, in Kunst und Sage, in seinen gro 
ßen menschlichen Gestalten, aber auch in der beruflichen Vielfalt des Bergbaus 
wird darin lebendig. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnehmen wir 
„Kristall" nachstehenden Beitrag, der u. a. auch auf den Besuch Goethes an der 
Saar Bezug nimmt. 
ls im Juni 1770 der kaum einundzwanzig 
jährige Student Goethe mit zwei Freunden 
von Straßburg aus nach Zabern und ins Saar 
gebiet geritten war, sollte die Drei in der Dutt 
weiler Gegend ein „seltsames Begegnis" erwar 
ten. „Wir traten in eine Klamme“, erzählte 
Goethe in Dichtung und Wahrheit, „und fanden 
uns in der Region des brennenden Berges. Star 
ker Schwefelgeruch umzog uns, dicker Dampf 
stieg aus den Klunsen hervor, und man fühlte die 
Hitze des Bodens auch durch die starken Sohlen. 
So glomm dieses Feuer bereits zehn Jahre durch 
alle verbrochenen Stollen und Schächte. Bei tief 
ster Nacht betraten wir die im Talgrund liegen 
den Schmelzhütten und vergnügten uns an dem 
seltsamen Halbdunkel dieser Bretterhöhlen. Das 
Geräusch des Wassers und der von ihm getrie 
benen Blasbälge, das fürchterliche Sausen und 
Pfeifen des Windstroms, der in das geschmolzene 
Erz wütet, die Ohren betäubt und die Sinne ver 
wirrt, trieb uns endlich hinweg." Dies war des 
Dichters erste Begegnung mit einer ihm bis dahin 
fremden Welt, und er ahnte nicht, daß nur kurze 
Zeit später dieses Reich der Stollen und Schächte 
ihn für zwei Jahrzehnte mit höchster Verant 
wortung beschäftigen sollte. 
Denn schon im Frühling 1776 — der eben zur 
Regierung gekommene Herzog Carl August hatte 
Goethe im November 1775 nach Weimar beru 
fen — wurde der junge Kammerherr damit be 
auftragt, zusammen mit Geheimrat Voigt den 
seit langem brachliegenden Bergbau von Ilme 
nau wieder in Gang zu bringen. Ein wahrlich 
kühnes Beginnen für einen juristisch geschulten 
Hofmann, der sich soeben erst durch seine „Lei 
den des jungen Werther" Weltruhm erworben 
hatte! Der Dichter bekennt später selbst, daß es 
nur dem tätig-frohen Übermut zu verzeihen war, 
sich an ein so wichtiges Unternehmen zu wa 
gen. Doch mit der ihm eigenen und vom Vater 
ererbten Gründlichkeit wandte sich Goethe so 
fort diesem Auftrag zu. In den noch vorhandenen 
Akten unterrichtete er sich genau über die Ge 
schichte Ilmenaus, das seit dem Mittelalter aus 
dem Ertrag des silberhaltigen Kupferschiefers 
Arbeit und Wohlstand gefunden hatte. Doch der 
furchtbare Wassereinbruch vom Mai 1739 hatte 
die Baue ersaufen lassen, und das rege Leben, 
das einst sechshundert bis achthundert Knappen 
in die kleine Bergstadt geführt hatte, war seit 
dem versiegt. Nicht für Ilmenau allein, auch für 
das gesamte Staatseinkommen zog diese Kata 
strophe beträchtliche wirtschaftliche Folgen 
nach sich. Goethe hatte nicht nur im Sinn, sei 
nem Fürstentum neue Einnahmequellen zugän 
gig zu machen, sondern ihn bedrückte die bittere 
Not der Bergleute. Mit hingebendem Eifer ver 
suchte er daher, den „armen Maulwürfen" wie 
der zu Verdienst und Brot zu verhelfen. 
Eingehend vertiefte er sich in geologische und 
mineralogische Schriften, versäumte nicht, an 
Ort und Stelle Aufnahmen des Geländes zu ma 
chen, Zeichnungen der Stollen und Höhlen vor 
zunehmen, da gerade durch die Art der Lager 
stätte Schwierigkeiten auftauchten. Im Sommer 
1776, da der Weimarer Hof in den Wäldern Il 
menaus jagte, begab er sich mit Carl August und 
dem vom kursächsischen Hof berufenen Berg 
fachmann v. Trebra nach Ilmenau, um sich von 
dem erfahrenen Gelehrten ein Gutachten mit 
Tabellen und Karten entwerfen zu lassen. Und 
während die heitere Jagdgesellschaft — so er 
zählt ein Weimarer Bericht — mehr zum Ver 
gnügen in Bergmannskleidern durch die ver 
schütteten Stollen kroch und dann beim Mahl 
sich fröhlich „Glück auf" zutrank, suchte sich 
Goethe durch geologische Gespräche abseits mit 
dem anwesenden Fachmann für seine neue Ver 
antwortung die nötigen Voraussetzungen zu 
schaffen. 
Diese erste Begegnung mit von Trebra, am 16. 
Juni 1776, hinterließ in dem jungen Legationsrat 
Goethe einen tiefen Eindruck. „Trebra, brav, 
wahr, in dem Seinigen treu", notierte er stich-
	        
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