Full text: 1958 (0086)

217 
0 4 0 
/Hit 4r i~labit und ^ckackikui 
Stiftungsfeste und Fahnenweihen der St.-Barbara-Bruderschaften 
Von Albert Kreutz, Haustadt 
Jedes Jahr werden in den Sommermonaten in 
vielen Städten und Dörfern des Kohlenreviers 
an der Saar Bergmannsfeste gefeiert. Diese ka 
meradschaftlichen Veranstaltungen erfreuen sich 
besonders in den ländlichen Gemeinden des 
Hochwaldes und an der unteren Saar großer Be 
liebtheit. Hier treffen sich die Kameraden der 
einzelnen Zechen, um einmal abseits von den 
Fördertürmen in naturschöner Landschaft sich 
zu freuen und Erinnerungen auszutauschen. Ein 
Beweis für die kameradschaftliche Verbunden 
heit sind die St.-Barbara-Bruderschaften, die in 
vielen Ortschaften auf eine bereits 100jährige 
Vergangenheit zurückblicken können. Bei dieser 
Gelegenheit soll einmal Rückschau gehalten 
werden auf die bergmännische Tradition der ver 
gangenen 100 Jahre. 
Im Jahre 1850 waren ungefähr 4 500 Bergleute 
im Saarkohlenrevier beschäftigt. Bis dahin leb 
ten die Bewohner in den ländlichen Kreisen fast 
ausschließlich von Viehzucht und Ackerbau. 
Aber die heimatliche Scholle konnte ihnen kaum 
noch den nötigen Unterhalt bieten. Die Bauern 
söhne waren gezwungen, anderweitige Arbeit 
aufzunehmen. Dabei kam ihnen die beginnende 
Industrialisierung zu Hilfe und viele fanden Ar 
beit auf den Zechen im Saarbrücker Land. 
Das Leben dieser ersten Bergleute war aller 
dings noch recht beschwerlich, denn der weite 
Weg zur Grube mußte zu Fuß zurückgelegt wer 
den. Diese Wege gingen querfeldein, an Äckern, 
Feldern, Wiesen und Wäldern vorbei. Aus jener 
Zeit ist uns der „Grubenstecken" bekannt. Bis 
zum großen Bergarbeiterstreik im Jahre 1889 
wurden täglich 12 Stunden gearbeitet, und so 
vergingen meistens drei bis vier Wochen, bis 
man einen Tag in dem Kreis der Familie ver 
weilen konnte. Ja, es kam vor, daß die Bergleute, 
die in den Wintermonaten auf Frühschicht fuh 
ren, die ganze Woche kein Tageslicht zu sehen 
bekamen. 
Auf der Grube wohnte man in dem Schlafhaus 
oder mit noch anderen Kameraden zusammen im 
Privatquartier. Das Essen mußte sich jeder selbst 
zubereiten, die erforderlichen Vorräte wurden 
von zu Hause in einem großen Rucksack mit 
gebracht. Nach dem Bau der Bahnlinie Saar 
brücken-Trier im Jahre 1858 und Wemmetswei- 
ler-Primsweiler-Nonnweiler im Jahre 1901 war 
es so weit, daß man jede Woche zur Familie 
konnte. Zwischendurch ließ die Grubenverwal 
tung bei den Schlafhäusern Gärten anlegen. Nun 
konnte sich jeder in der Freizeit „sein Gärtchen' 
nach eigenem Ermessen bebauen. Die Landwirt 
schaft daheim wurde von den Familienmitglie 
dern weiter betrieben. So war es möglich, daß 
sich bald bei den Bergmannsfamilien ein gewis 
ser Wohlstand abzeichnete. Daß sich damit auch 
die Bergmannsfrau ein Lob verdiente ist selbst 
verständlich. 
Heute werden auf den Gruben unserer Heimat 
etwa 60 000 Bergleute beschäftigt. Viele von ih 
nen haben ihre Bodenständigkeit bewahrt. Allein 
über 20 000 Mann werden mit Autobussen der 
Grubenverwaltung unentgeltlich zur Grube be 
fördert, davon mehrere tausend, von denen die 
älteren früher noch in Schlafhäusern unterge 
bracht waren, aus entlegenen Dörfern, die 40 km 
und mehr von der Zeche entfernt liegen. Das ge 
stattet ihnen, den „Bergmannsbauern“, aber 
heute, einen großen Teil der Feldarbeit wieder 
selbst zu verrichten. 
Aber trotz der knapp bemessenen Freizeit, die 
diesen Männern bei 12stündiger Arbeitszeit im 
vergangenen Jahrhundert verblieb, fanden sie 
sich zusammen, um Bergmannsvereine zu grün 
den. Getreu dem Wahlspruch: „Kameradschaft 
zu pflegen und sich gegenseitig zu helfen“, gab 
es innerhalb der Vereine Unterstützungskassen, 
aus denen verunglückte und kranke Kameraden 
betreut wurden. Aus jener Zeit stammt der Aus 
druck „Bruderbüchse". Und vielfach wird auch 
heute noch in Bergmannskreisen der Knapp 
schaftsälteste „Büchsenältester" genannt. 
Manches Opfer aber hat auch der Berggeist 
seit jenen Tagen auf unseren Gruben gefordert. 
Am 4. Juli 1953 brachte die „Saarbrücker Zei 
tung" eine Notiz über die großen Grubenkata 
strophen an der Saar. Das erste große Gruben 
unglück war die Schlagwetterexplosion auf der 
Grube Camphausen am 17. März 1885, die 185 
Todesopfer forderte. Dann am 28. Januar 1907 
eine Schlagwetterexplosion auf Grube Reden mit 
150 Todesopfern, am 15. März 1907 Seilbruch 
am Mathildenschacht mit 22 Todesopfern, am 
10. August 1908 15 Tote bei einer Schlagwetter 
explosion in Dudweiler, am 31. August 1909 
Schwebebühnenabsturz in Camphausen mit 8 
Todesopfern, am 15. Oktober 1920 Schlagwetter 
explosion in Frankenholz mit 5 Toten, am 
6. August 1930 Klarenthal, Schlagwetterexplo 
sion mit 9 Todesopfern, am 25. Oktober 1930 
* Schlagwetterexplosion in Maybach, 98 Tote, 
am 2. Januar 1941 Frankenholz, Schlagwetter 
explosion, 40 Todesopfer, am 16. Juli 1941 
Schlagwetterexplosion in Luisenthal, 31 Todes-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.