Full text: 1958 (0086)

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ivar nämlich im Kriege ein hitziger und uner 
schrockener Kämpfer, besonders gegen die Tür 
ken, die Erbfeinde der Christenheit. Zu Hause 
war er ein besorgter Schützer der Seinen, ein 
Feind von Pomp und eitlem Gepränge, durch 
nicht unedle Sparsamkeit der Mehrer seines Ver 
mögens, als Regent ein gerechter Richter, gütig 
gegen sein Volk, ein Vater des Vaterlandes; in 
der Religion war ihm jeder heuchlerische Schein 
verhaßt, dagegen liebte er aufrichtige Frömmig 
keit, war freigebig gegen Dürftige, im übrigen 
redete er wenig und tat viel. Leser, nun hast Du 
der Vorbilder genug. Gehe hin und tue desglei 
chen! Dies Denkmal ließ in treuer Gattenliebe 
die erlauchte Witwe errichten.“ 
Auf den Pilastersockeln links und rechts: „Die 
Du im Bilde daneben siehst, ist die erlauchte 
Gattin des erlauchten verstorbenen Grafen, 
Christiane, Gräfin zu Nassau-Saarbrücken 
und Saarwerden, Herrin von Lahr, Wiesbaden 
und Idstein, Tochter des erlauchten Nachfolgers 
Friedrich Ludwig, Grafen von Nassau-Saarbrük- 
ken und Saarwerden, Herrn von Lahr, Wiesba 
den und Idstein der Linie Nassau-Ottweiler, ge 
boren den 2. September 1685.“ 
Graf Karl Ludwig übernahm 1713 die Regie 
rung im Alter von 48 Jahren. In seiner Jugend 
war er schüchtern und linkisch gewesen im Ge 
gensatz zu seinem bei Hofe sehr gewandten 
Bruder Ludwig Kraft. Im Mannesalter aber er 
scheint er als ernste und pflichtbewußte Persön 
lichkeit. Nach 26jähriger Dienstzeit in deutschen 
Heeren und Teilnahme am Türkenkrieg und an 
zwei Kriegen gegen Frankreich nahm er 1712 als 
Oberstleutnant seinen Abschied, da er durch 
die Krankheit seines Bruders nach Saarbrücken 
gerufen war, um dann nach dessen Tod zehn 
Jahre lang das Land in Frieden zu regieren. Die 
Besiedelung der Grafschaft durch Einwanderer 
förderte er wie vordem sein Bruder und seine 
Mutter. Daran erinnert der Name des Dorfes 
Karlsbrunn im Warndt, das nach ihm benannt 
wurde. 1713 vermählte er sich mit der Gräfin 
Christiane von Ottweiler, die ihm zwei Söhne 
schenkte. Beide starben aber schon im ersten 
Abbildung 7: Gräfin Christiane 
Lebensjahr. Durch Erbschaft gelangte er in den 
Besitz der Herrschaften von Wiesbaden und 
Idstein, so daß er von da an die Regierungs 
geschäfte teils in Saarbrücken, teils in Idstain 
besorgte. Seine Verwaltung war vom Geiste 
der Sparsamkeit und Gerechtigkeit getragen. 
1723 erkrankte er und starb in Idstein, wo er 
auch begraben liegt. Seine Gemahlin Christiane 
(Abbildung 7) ließ in der Schloßkirche zu Saar 
brücken das Denkmal errichten, das seine be 
sondere Bedeutung in der Reihe der Grabmäler 
hat, denn Karl Ludwig war der letzte Graf der 
Saarbrücker Linie des Hauses Nassau. 
4. Grabmal des Fürsten Wilhelm Heinrich 
rsprünglich stand das Grabmal (Abbil 
dung 8) über der Gruft, mitten im Chor 
der Schloßkirche. Im 19. Jahrhundert 
wurde es an die südliche Chorwand versetzt. 
Vier vergoldete Löwen tragen einen Alabaster 
sarkophag, auf dem, durch einen Sockel empor 
gehoben, die Urne mit dem Brustbild des Für 
sten steht. Um den Fuß der Urne windet sich 
eine Schlange, oben schlägt eine Flamme heraus. 
Zwei allegorische Figuren beleben die Szene. 
Links auf dem Sarkophag sitzt die Gerechtigkeit 
mit dem Schwert in der rechten Hand; mit der 
Linken deutet sie auf das Reliefbild des Verstor 
benen. Rechts kniet die Wahrheit mit dem Spie 
gel in der Linken, während sie mit der rechten 
Hand die Urne umfaßt. Als Komposition ist das 
Ganze sehr lebendig, aber trotzdem wunderbar 
ausgewogen. Die Augen der Figuren sind auf das 
Bild des Fürsten gerichtet. Sogar die Löwen wen 
den die Köpfe dort hinauf. Die Bewegungen aller 
lebenden Gestalten gehen wie selbstverständlich 
zu diesem erhabenen Bild, während die liegende 
Masse des Sarkophags durch ein von diosem 
herabhängendes weißes und goldbefranstes Tuch 
unterbrochen und aufgelöst wird. Stengel hat 
wohl den Entwurf zu diesem Grabmal selbst ge-
	        
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