Full text: 1957 (0085)

Detail eines in Reinheim gefundenen Armreifs aus Gold 
die Mauerreste, das römische Geld und die Fluren, 
auf denen einst die Villen der römischen Land 
leute standen. Am ergiebigsten für die römischen 
Funde zeigte sich der Boden von Schwarzen 
acker. Die wertvollsten Funde dieser einst 
römischen Niederlassung sind der Bronzekopf 
eines Kentauren, ein hellenistisches Kunstwerk, 
und eine Bronzescheibe mit der Darstellung des 
Ganymed. Hier wurde auch ein Schatz von nahe 
zu 5 000 römischen Silbermünzen gehoben, der 
wohl bei dem Alemanneneinfall um das Jahr 260 
n. Chr. vergraben worden war. Von Breitfurt 
stammen zwei lebensgroße Reiterstandbilder, die 
jetzt das Portal des Historisdien Museums der 
Pfalz in Speyer flankieren, von Lautzkirchen 
das Relief eines Jupiter. Reste von Jupiter-Gigan 
tensäulen werden immer wieder an verschiedenen 
Orten aufgefunden, und das ist auch nicht ver 
wunderlich, da diese Säulen ihre Aufstellung an 
Wegen und Wegekreuzen gefunden haben und 
das Opfer und die Verehrung an soldien Heilig 
tümern dem römischen Staatsbürger zur gesetz- 
lidien Pflidit gemacht worden war. 
Um solche Wegekreuze rankt noch heute oft 
eine sagenhafte Erinnerung an jene längst ver 
gangenen Zeiten, Sagen, die uns mandimal sinn 
los und lächerlich anmuten wie etwa das weiße 
Pferd, das im Eck zu Breitfurt in mittemäditlidier 
Stunde erscheint und keinen Kopf hat. Trotzdem 
ist dieser Platz nicht nur schauerlidi, sondern soll 
auch heilbringend sein; wenn man um Mitter 
nacht von Zahnschmerzen geplagt dort vorbeigeht 
und ein Tasdientuch über den Kopf nach hinten 
wirft, kann man von den lästigen Schmerzen be 
freit werden. 
An der Blies richteten die Römer eine der 
ersten Industrien unseres Landes überhaupt ein, 
die Terra-Sigillata-Fabrik von Blickweiler, die ihre 
Erzeugnisse einst bis nach England zum Verkauf 
brachte. Wo sich heute in Bierbach die moderne 
Industrie — die Dingler-Werke — erhebt, machte 
man zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Ent 
deckung von römischen Fundamenten. Darin fand 
man Bruchstücke von Schnecken, Sphinixen, Kapi 
talen und Säulen, einen großen Stein, auf welchem 
Gladiatoren ausgehauen sind, die mit wilden 
Tieren kämpfen. „Nicht weit davon“, so heißt es 
in einem Intelligenzblatt des bayrischen Rhein 
kreises von 1822, „wurde ein künstlicher Brunnen 
aufgeräumt, der mit ausgehauenen großen Steinen 
umgeben war. Auf der einen Seite eines solchen 
Steines ist Andromeda mit dem Kopf eines See- 
ungeheuprs, das sie verschlingen will, auf der 
Das römische Grabdenkmal von Bierbach (Rekonstruktion)
	        
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