Full text: 1957 (0085)

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Die Firma entschloß sich, das Loch stoßend 
mit zuerst 600 mm zu bohren und dann auf 
800 zu erweitern. Zum stoßenden Bohren dient 
im Prinzip nur ein schwerer Flachmeißel, der 
von der Bohrlochsohle etwas abgehoben wird 
und dann beim Fallenlassen Gesteinsteilchen 
Abb. 2 Rollenmeißel für Zielbohrungen 143 mm (oben) 
und für Erweiterungsbohrungen (unten) 
löst. Die Vorteile dieser Bohrmethode sind: 
Geringe Abweichung des Bohrlochs und die 
Möglichkeit praktisch jede Gesteinsart damit 
zu bohren. Die letztere Tatsache ist für das im 
Saargebiet oft vorkommende Konglomerat sehr 
wesentlich. Diesen Vorteilen stehen aber be 
merkenswerte Nachteile gegenüber, so vor 
allem der große Platzbedarf zur Aufstellung 
der Bohrmaschine und der geringe Bohrfort 
schritt von 1,5—2,0 m/Tag im Mittel. Die 
Kosten betragen etwa 60 000 Frs. pro Bohrmeter 
mit 800 mm 0. 
In letzter Zeit ist im Ruhrgebiet das Bohren 
mit Rollenmeißeln für den Untertagebetrieb 
weiter entwickelt worden. Der Erfolg dieser 
Bohrmethode ist sehr bemerkenswert. Es wird 
dabei eine Zielbohrung mit 146 mm 0 von 
unten nach oben mit Rollenmeißeln gemacht, 
(stehe Abbildung 2). 
Anschließend wird das Loch von oben nach 
unten in mehreren Stufen mit Erweiterungs 
meißeln (s. Abb. 2) vergrößert. Es ist zu erwar 
ten, daß sich das Bohren mit Rollenmeißeln 
auch in den Gruben der Saar durchsetzen wird. 
Der Raumbedarf für diese Maschine ist verhält 
nismäßig gering, der Gesamtbohrfortschritt be 
trägt etwa 6 m pro Tag und die Gesamtkosten 
belaufen sich für die vorkommenden Gesteins 
arten des Ruhrkarbons auf etwa 20 000 Frs. pro 
Meter für ein Loch von 813 mm 0. Genaue Un 
tersuchung fordert allerdings noch die Bohrbar 
keit von Konglomerat, da diese Gesteinsart im 
Ruhrkarbon nicht ansteht. 
Zur Zeit der Niederschrift dieses Artikels, im 
Juni 1956, sind von der Bohrfirma rund 70 m 
Bohrloch mit 600 mm Durchmesser fertiggestellt. 
Das Bohren der restlichen 80 m und das Er 
weitern dürfte noch etwa zwei Monate in An 
spruch nehmen, sodaß etwa im September 1956 
mit dem Abteufen begonnen werden kann. 
Welche Besonderheiten sind nun beim Ab- 
teufen zu beachten und welche Vorteile er 
geben sich aus dem Vorbohrloch? 
Der Abteufhaspel und die ganze Abteuf 
einrichtung kann schwächer und einfacher aus 
gelegt werden, da keine Berge nach oben ge 
hoben und damit auch keine Berge am oberen 
Anschlagspunkt geladen werden. Die Abteuf 
einrichtung dient also nur zur Seilfahrt und 
Materialförderung. 
Die Ausbauarbeit im Schacht oder Blind 
schacht, sei es nun Mauerung, Eisen- oder Holz 
ausbau, bleibt grundsätzlich dieselbe wie bis 
her. Wir haben für den Lydia-Blindschacht, wie 
schon erwähnt, Stahlbogen-Ausbau gewählt 
und hoffen mit dieser Ausbauart dem zu er 
wartenden schnellen Fortschritt auf der Schacht 
sohle folgen zu können. 
Ganz neue Gesichtspunkte sind bei dieser 
Abteufmethode bei der Schieß- und Ladearbeit 
zu berücksichtigen. Das Bohrloch von 800 mm 
kann als Einbruch betrachtet werden. Die Bohr 
löcher für die Schießarbeit sind so um das 
Großbohrloch zu verteilen, daß nur eine Er 
weiterung erfolgt. Dabei sind zwei wesentliche 
Grundsätze zur Vermeidung von Verstopfungen 
des Bohrlochs zu beachten:
	        

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