Full text: 1957 (0085)

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Diese Reisen und Fahrten sind eine angenehme 
Abwechslung für unseren Jubilar, der seit seiner 
Kindheit hart arbeiten mußte. Er entstammt einer 
alten Bergmannsfamilie, und sein Vater, der 78 
Jahre alt geworden ist, hat mit 51 Jahren und 
3 Monaten Arbeit auf der Grube eine Rekord 
leistung vollbracht. Der einzige Sohn Heinrich 
Friedrichs ist leider gefallen, aber die Tradition 
der Bergmannsfamilie (auch der Schwiegervater 
war Bergmann) wird durch den einen der beiden 
Schwiegersöhne aufrechterhalten, der ebenfalls 
unter Tage arbeitet. 
Z)rr Mrgmasmsbauer aus dem Miestal 
Schwere Regenwolken treiben über das Blies- 
tal hinweg, und der Bauer, der mit einer Fuhre 
Klee von der Höhe herabkommt, muß sich beeilen, 
wenn er sie trocken in die Scheuer bringen will. 
Doch hat er nicht mehr weit. Der Feldweg führt 
geradewegs auf den Hof seines Hauses zu, das an 
der Hauptstraße gelegen ist. Das Futter für den 
Abend und kommenden Tag wäre nun einge 
bracht. Der Mann spannt das Pferd aus und führt 
es in den Stall. Dann verschwindet er im Haus. 
Es hat längst Mittag geläutet, und es ist Zeit, daß 
er sich zum Schlafen hinlegt. 
Bergmannsbauer Adolf Herzog, der nun schon 18 Jahre 
auf Nachtschicht fährt. 
Der Mann ist der 59 jährige Bergmannsbauer 
Adolf Herzog aus Breitfurt. Er arbeitet als 
Maschinenfahrhauer auf der Grube St. Ingbert 
unter Tage am Schacht und fährt nun schon 
seit 18 Jahren auf Nachtschicht. Wenn er am 
frühen Morgen von der Arbeit nach Hause kommt 
hat seine Frau das Vieh schon gefüttert, und er 
kann nach seinem Frühstück gleich mit dem 
Tagewerk auf dem Hof beginnen. Es ist ein schö 
nes Anwesen mit fünf Hektar Land, auf dem Rog 
gen, Weizen, Hafer, Gerste, Kartoffeln, Rüben 
usw. angepflanzt werden. Und im Stall stehen 
vier prächtige Kühe, ein schwerer Ackergaul, zwei 
Geißen und zwei Schweine, während das Feder 
vieh den Hof bevölkert. Da gibt es natürlich alle 
Hände voll zu tun, wenn alles richtig versorgt 
werden soll. Ohne seine tüchtige Frau würde es 
Adolf Herzog kaum schaffen. Aber auch die 83 
Jahre alte, sehr rüstige Schwiegermutter rührt noch 
emsig die Hände. Sie hält den Haushalt in Ord 
nung und kocht. Mitunter springt die Tochter mit 
ein, die im Dorf verheiratet ist; aber der Sohn 
der technischer Zeichner wurde und es jetzt bis 
zum Werkmeister gebracht hat, wohnt zu weit 
entfernt, um helfen zu können. 
Während der Haupternten nimmt sich Ma 
schinenfahrhauer Herzog Urlaub, um die Erträge 
seines Feldes einzuholen. Seine Frau gibt uns zu 
verstehen, daß er es trotz aller Arbeit, die zu 
Hause auf ihn wartet, mit seinem Dienst auf der 
Grube sehr genau nimmt. Der Bergmannsberuf 
ist sein Hauptberuf, und er leidet nicht darunter, 
daß Herzog außerdem Bauer ist. Während seiner 
40 jährigen Dienstzeit hat er erst einmal eine 
Schicht versäumt — und dies unverschuldet als 
junger Mann. Die Witze, die über die Bergmanns 
bauern kursieren, von denen man sagt, daß sie 
einmal eine Schicht verfahren, um sich von der 
schweren Erntearbeit auszuruhen, treffen für un 
seren Jubilar nicht zu. 
Adolf Herzog ist die Bauernarbeit von Kind an 
gewöhnt, denn sein Vater war Landwirt in dem 
benachbarten Wecklingen. Mit vierzehn Jahren 
erlernte der Jubilar das Schlosserhandwerk, und 
am 24. September 1915 fuhr er schließlich als 
Schlosser unter Tage auf Grube St. Ingbert an. 
Vier Jahre nach seiner Verehelichung mit Maria 
Bender baute er sich sein Haus in Breitfurt, Das 
war im Jahre 1925. Stall und Scheune folgten im 
Jahre 1928. Im zweiten Weltkrieg mußte auch er 
mit seiner Familie Haus und Hof zweimal ver 
lassen. Als er zurückkam, waren die Gebäude 
durch Artillerie-Beschuß stark beschädigt und 
Möbel, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, 
Wagen usw. abhanden gekommen. Kein Stück 
Vieh stand mehr im Stall. Da mußte der Berg 
mannsbauer Adolf Herzog wieder ganz von vorne 
beginnen. Aber er hat es dank der Mithilfe seiner 
Frau mit erstaunenswerter Ausdauer und über 
mäßigem Fleiß geschafft. „Nur wer Lust und 
Liebe zur Bauernarbeit hat, hält durch!“ meint 
der Jubilar. Und damit hat er den Nagel auf den 
Kopf getroffen, denn niemand sonst würde all 
die Opfer auf sich nehmen, die der Doppelberuf 
des Bergmannsbauern mit sich bringt.
	        

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