Full text: 1957 (0085)

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Kalifornische Mammutbäume, die sehr alt werden und 
bis zu 120 m hoch wachsen 
achten, wie wir sie nur von den Tieren her ken 
nen. Das bekannteste Beispiel dafür bietet uns 
die Sinnpflanze, Mimosa pudica. Wird ein Blatt 
von ihr erschüttert, dann klappen schlagartig alle 
Fiederblättchen nach oben und vorn zusammen 
und der Blattstiel senkt sich scharf nach unten. 
Läßt man die gereizte Pflanze in Ruhe, so nimmt 
sie bald wieder ihre frühere Blattstellung ein. 
Bei der Venusfliegenfalle schlagen nach Berüh 
rung die beiden Blatthälften im Bruchteil einer 
Sekunde zusammen. Auf den Blättern des Son 
nentaus stehen wie Schneckenfühler gestaltete 
Drüsenhaare. Durch den Reiz eines Insektes oder 
durch Berührung mit Eiweißstoffen krümmen sie 
sich zur Reizquelle hin. Auch die Staubblätter 
einer Reihe von Pflanzen biegen sich auf einen 
mechanischen Reiz hin. Allgemein ist jedoch die 
schnellste Reizleitung bei den Pflanzen wesent 
lich langsamer als bei den höher entwickelten 
Tieren. Gelegentlich finden wir sogar bei den 
Pflanzen Sinnesorgane, die uns sonst in großer 
Zahl und guter Ausbildung nur bei den Tieren 
begegnen. Man könnte nun in den Fehler ver 
fallen, den Unterschied zwischen Tieren und 
Pflanzen in dem Besitz und Fehlen des Nerven 
systems zu sehen. Auch das ist nicht stichhaltig. 
Schwämme, die zweifellos zu den Tieren gehören, 
und tierische Einzeller haben kein Nervensystem. 
Ein charakteristisches pflanzliches Merkmal wer 
den wir nun aber im Vorkommen des Blattgrüns 
kennen lernen. Es ist jener Farbstoff, der die 
Blätter der meisten Pflanzen grün erscheinen 
läßt. Er ist von ausschlaggebender Bedeutung. 
Mit seiner Hilfe vermag die Pflanze aus anor 
ganischen Stoffen wie Wasser und Kohlensäure 
unter Mitwirkung des Sonnenlichtes organische 
Nahrungsstoffe herzustellen. (Man bezeichnet die 
Stoffe, aus denen sich die Körper der Lebewesen 
oder Organismen aufbauen, organische. Die Stoffe 
der leblosen Natur, wie Salze, Kohlensäure und 
Wasser heißen darum anorganische). Auch in den 
roten Blättern der Blutbuche, Bluthasel und der 
Rotalge des Meeres ist Blattgrün enthalten. Da 
gegen fehlt dieser Stoff bestimmten Pflanzen, die 
als Schmarotzer oder Moderpflanzen organische 
Nahrungsstoffe ihrer Umgebung entnehmen wie 
die Pilze, Moderorchideen und der Fichtenspar- 
gel. Diese sind aber durch ihren Aufbau eindeu 
tig als Pflanzen charakterisiert. 
So liegt auf Grund dieses Merkmals bei den 
Vielzellern keine Schwierigkeit mehr vor, Pflanze 
und Tier voneinander zu unterscheiden. Bei den 
Einzellern jedoch stoßen wir auf Schwierigkeiten. 
Unter den einzelligen Geißelträgem gibt es sogar 
Formen, die abwechselnd als Tier und als Pflanze 
auftreten. Es ist durchaus nicht entscheidend, hier 
eine Grenze suchen und ziehen zu wollen. Ge 
rade das Fehlen einer solchen ist bezeichnend; 
Eukalyptuswald in Australien; Bäume von 1.50m Höhe 
sind durchaus keine große Seltenheit
	        
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