Full text: 1956 (0084)

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Die Ruine vor Beginn der Instandsetzungsarbeiten 
dem gebaut. Der obere Teil dagegen und der 
eckige Schulenturm haben einen Mantel aus kräf 
tigen Buckelquadem. Buckelquader dieser Art 
weisen in die Zeit der Hohenstaufen, das heißt 
ins 12. und 13. Jahrhundert. Die gleichen Buckel 
quader aus dem 12. Jahrhundert fanden sieb vor 
zwei Jahren an der Burg von Saarbrücken. Für 
Kirkel können wir daraus schließen, daß das 
Mauerwerk aus Bmkelquadem am Schulen und 
am oberen Teil des Bergfriedes von einem der 
Grafen von Saarwerden errichtet wurde, die, wie 
schon erwähnt, bis 1242 alleinige Herren der 
Burg gewesen sind. Der untere Teil des Berg 
friedes mit seinen glatt behauenen Quadersteinen 
gehört demnach einer früheren Bauperiode an. 
Wir können sogar noch einen weiteren Unter 
schied feststellen. Wie man sieht, haben alle 
Buckelquader des Bergfriedes ein Loch in der 
Mitte. Das sind die Zangenlöcher oder Wolfs 
löcher, die dazu dienten, die Steine mit Hilfe des 
Wolfs beim Bau hochzuziehen. Zolche Zangen 
löcher aber gibt es seit etwa 1210. Am Schulen 
dagegen haben die Buckelquader keine Zangen 
löcher. Also ist der Schulen älter als der obere 
Teil des Bergfriedes. So haben wir im unteren 
Teil des Bergfriedes mit seinen glatten Steinen 
den ältesten Teil der Burg vor uns, der noch aus 
dem 11. Jahrhundert stammen dürfte und wahr 
scheinlich von einem der Bliesgaugrafen aus dem 
Hause Luneville errichtet wurde. Dann folgt zeit 
lich der Schulen im 12. Jahrhundert. Der obere 
Teil des Bergfriedes mit den gelochten Buckel 
quadem fällt in das 13. Jahrhundert, etwa ab 1210. 
In dieser Zeit muß eine Erneuerung des Turmes 
durchgeführt worden sein, die damit wahrschein 
lich dem Heinrich von Kirkel aus dem Hause 
Saarwerden zuzuschreiben wäre. 
Gegen das Ende des Mittelalters hat die Burg 
Kirkel einen geschlossenen und altertümlich-wehr 
haften Eindruck gemacht. Oben auf der Felsplatte 
stand am westlichen Ende der runde und starke 
Bergfried mit einem kegelförmigen Dach, wie wir 
es heute wieder vor uns sehen. Am östlichen Ende 
ragte der mächtige Schulen empor, der das untere 
Burgtor und den Aufgang beherrschte. Zwischen 
dem Bergfried und dem Schulen erhob sich der 
dreigeschossige Palas mit hohem Satteldach. Er 
war das Hauptgebäude der Burg. Weiter unten 
am Berg umzog eine ringförmige Mauer die ganze 
Anlage. Ein Burgtor führte durch sie hinein in 
den unteren Bering und zu den sieben Häusern 
der Ritter, die an die Ringmauer angelehnt waren, 
ln diesen Häusern wohnte die ständige Burg 
mannschaft. während der Burgherr selbst oben im 
Palas saß. Und ganz unten im Tal lag das Dorf, 
das nicht nur seine Entstehung, sondern audi 
seinen Namen der Burg verdankt. Die erste ur 
kundliche Erwähnung des Dorfes Kirkel fällt in 
das Jahr 1389. 
Im 16. Jahrhundert war die Burg veraltet. Sie 
genügte nicht mehr den Ansprüchen der Herzogs 
familie von Zweibrücken und war auch nicht mehr 
der modernen Kriegstechnik gewachsen, nachdem 
mit der Erfindung des Schießpulvers die Mus 
keten, Doppelhaken, Feldschlangen und Voll- 
stüeke in Gebrauch gekommen waren. Herzog 
Johann I. ließ die Burg daher in den Jahren 1580 
bis 1597 umbauen, erweitern und verstärken. Jetzt 
war sie zu einer ausgedehnten Festung und zu 
gleich einem wohnlichen Schloß im Geschmack 
des Renaissancezeitalters geworden, und das in 
einem Umfang, den wir uns angesichts der heutigen 
Reste kaum vorstellen können. 
Im weiteren Verlauf der Geschichte, im dreißig 
jährigen Krieg und in den Kriegszeiten des 17. 
Der Bergfried mit Baugerüst
	        
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