Full text : 1956 (0084)

topf  u.  a.  schmarotzen  und  selbst  noch  im  Besitz
von  Blattgrün  sind,  nennt  man  Halbschmarotzer.
Ihnen  stehen  die  Vollschmarotzer  gegenüber.
Sie  haben  kein  Blattgrün  mehr,  können  sich
daher  nicht  mehr  selbständig  ernähren  und  sind
völlig  auf  ihre  Wirtspflanzen  angewiesen,  die
sie  auch  weitgehendst  ausplündem.  Damit  sind
wir  bei  den  ausgesprochenen  Würgern.
Wenn  wir  Glück  haben,  können  wir  im  ersten
Frühjahr,  besonders  an  feuchten  Stellen  unserer
Buchen-  und  Mischwälder,  die  seltene,  blaßrote
Schuppenwurz  sehen.  Wir  bekommen  von  ihr
nur  die  überhängende  Blütentraube  mit  ihren
dünnen,  farblosen  Schuppen  zu  Gesicht.  Die
eigentliche  Pflanze  mit  ihrem  korallenstockartigen ­
  Bau  lebt  im  Boden,  unseren  Blicken  entzogen. ­
  Ihr  reich  verzweigter  Wurzelstock  ist  mit
elfenbeinweißen,  seifig  glänzenden  Schuppen  bedeckt ­
  (Name).  Am  unteren  Ende  entspringt  ein
Geflecht  von  vielen  Wurzeln,  welche  die  Wurzeln ­
  von  Hasel,  Erle,  Hainbuche,  Eiche  und  anderer ­
  Laubbäume  umspinnen.  Mit  Hilfe  vieler
Saugwarzen  entzieht  die  Schuppenwurz  diesen
alle  Nährstoffe,  die  sie  zum  Leben  braucht.  Daher ­
  benötigt  die  Schuppenwurz  weder  grüne
Blätter  noch  grüne  Stengel.
Eine  ganz  ähnliche  Lebensweise  führt  die  Sommerwurz. ­
  Im  Sommer  fallen  auf  Wiesen  zwischen
den  grünen  Pflanzen  ihre  dicken,  fleischigen  Stengel ­
  auf,  die  rötlich  bis  bräunlich  gefärbte  Blüten
tragen.  Die  Stengel  haben  statt  grüner  Blätter

nur  noch  gelbliche  Schuppen.  Auch  die  Sommerwurz ­
  treibt  lediglich  ihre  Blütentraube  aus  dem
Boden  und  lebt  selbst  in  der  Erde.  Der  Blütensproß ­
  entspringt  einem  fleischigen,  knollenförmigen ­
  Teil.  Dieser  sitzt  auf  der  Wurzel  einer  fremden ­
  Pflanze  und  umwächst  sie  nach  und  nach.
Unter  den  Sommerwurzarten  hat  jede  ihre  ganz

1  Schuppenwurz;  verkl.  2  Sommerwurz,  auf  der  Wurzel
der  Pferdebohne  ichmarotzend;  verkl.

bestimmte  Wirtspflanze  (z.  B.  Klee,  Efeu,  Meerrettich). ­
  Von  dem  knollenartigen  Gebilde  gehen
zahlreiche  Wurzeln  aus,  die  mit  denen  der  Wirtspflanze ­
  in  enger  Verbindung  stehen.  Hier  liegen
die  vielen  Zapfstellen,  wo  die  Nährstoffe  aus
den  Saftbahnen  der  Wirtspflanze  in  den  Vollschmarotzer ­
  umgeleitet  werden.
In  ganz  anderer  Weise  hat  sidi  die  Seide
(Cuscuta)  entwickelt,  die  vom  Bauer  mit  dem
betreffenden  Wort  Teufelszwirn  genannt  wird.
Als  Vollschmarotzer  bildet  sie  keine  Wurzeln  und
Blätter  mehr  aus.  Das  hat  sie  auch  nicht  nötig,
da  sie  sämtliche  Nährstoffe  anderen  Pflanzen
gewaltsam  wegnimmt.  Die  Samen  der  Seide  keimen ­
  leicht  auf  feuchter  Erde.  Obgleich  die  ausgewachsene ­
  Pflanze  ein  blattgrünfreier  Schmarotzer ­
  ist,  besitzt  der  Keimling  Blattgrün.  Er
treibt  einen  fadenförmigen  Stengel,  der  langsam
in  der  Luft  kreist  wie  eine  windende  Stangenbohne. ­
  Berührt  er  dabei  eine  seiner  Nährpflanzen
wie  Klee,  Luzerne,  Flachs,  Hanf,  Hopfen  und
Brennessel,  dann  windet  er  sich  um  sie  herum
und  treibt  Saugwarzen  bis  zu  den  Saftbahnen
des  Wirtes.  Nach  der  Anzapfung  wächst  die
Seide  windend  weiter,  treibt  neue  Saugwarzen
in  ihre  Nährpflanze  und  erzeugt  schließlich  zahlreiche ­
  Knäuel  kleiner  rötlicher  Blüten,  in  denen
eine  Unmenge  von  Samen  reift.  Wo  die  Seide

Schuppenwurz
            
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