Full text: 1956 (0084)

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Tausend Dukaten dünkten ihm noch zu wenig 
für den kostbaren Schatz. 
Er versuchte sein Glück beim Goldschmied, 
der für des Fürsten Hof die Juwelen besorgte. 
Der Bursch’ stellte sidi breit vor den Gold 
schmied, sdilug auf den Sack, darin der schwarze 
Diamant war und sagte großartig: 
„Ich habe Eudi einen kostbaren Stein anzu 
bieten. Ein Diamant ist’s von seltenem Glanz 
und so groß wie ein Kopf.“ Der Goldsdimied riß 
Augen und Ohren auf und fragte, wie er zu dem 
kostbaren Stein komme. 
„Den Stein, Herr Goldschmied, hab’ idi von 
meinem Ohm geerbt, der übers Meer gekommen 
war und sich jetzt davongemadit hat in die an 
dere Welt. Er liegt zu Köln begraben.“ 
Er solle den Stein mal vorweisen, sagte der 
Goldsdimied und sah mit gierigen Augen auf 
den Sack. 
Der andere langte den Stein aus dem Sack 
und meinte mit stolzem Lachen: „Fünftausend 
Dukaten sind gewiß nicht zuviel für einen Dia 
manten von dieser Größe. Sdilagt ein, und der 
Handel ist fertig.“ Der Goldschmied lachte, als 
er den Stein sah, der stahlblau war und von 
feuditmattem Glanz, tippte an die Stirne und 
sagte: „Ihr seid wohl nidit mehr ganz richtig 
im Kopf, nicht einen Kreuzer ist der Stein wert.“ 
Der Bursche meinte, der Goldschmied wolle 
ihn betrügen und sagte: „So will idi den Dia 
manten sonstwo anbieten. Vielleicht findet sich 
einer im Land, der mehr versteht von einem 
kostbaren Stein als ein kurzsichtiger Narr wie 
Ihr.“ 
„Was der Stein wert ist, will idi Eudi zeigen“, 
sagte der Goldschmied, machte ein Feuer an und 
warf ihn hinein, und es dauerte nicht lange, da 
fing der schwarze Stein zu brennen an. „Von 
denen gibt es hierzuland ganze Berge. Sie lie 
gen einem meilenweit unter den Füßen, und 
wenn Ihr Euch nicht auf der Stelle fortmacht, 
so lasse idi Euch einstecken. Ihr seid ein gemei 
ner Betrüger.“ 
Der Goldsdimied packte den Bursdien am Arm 
und warf ihn zur Türe hinaus. Der Bursch’ 
machte ein dummes Gesicht, als er jetzt vor dem 
Laden des Goldschmiedes stand. 
Gedankenvoll tappte er durch die engen Gas 
sen des Städtchens, und ohne es recht zu wol 
len, ging er den Weg zurück, den er gekommen 
war. Wie staunte er; als er zu dem Feld kam, 
da er den Sack mit dem Spaten entdeckt und 
hier das Bäuerlein rüstig beim Mähen fand. 
„Mit Euch habe ich ein Hühndien zu rupfen!“ 
schrie er den Bauer an. „Ei wieso denn?“ meinte 
das Bäuerlein und machte ein dummes Gesicht. 
„Da fragt Ihr noch“, schrie der Bursch“. „Ihr habt 
mich ordentlich angeführt. Zuerst schickt Ihr 
midi in die Hölle, wo er mich fast gesdmappt 
hätte, der Sdiwarze, und dann lügt Ihr mich 
audi noch an. Ihr könnt mir gestohlen werden 
mit Euren sdiwarzen Diamanten. Sind keinen 
Heller wert, che elenden Steine und gerade gut 
genug, daß man sie im Ofen verbrennt und das 
Gold damit sdimilzt.“ 
Der Bauer lachte aus vollem Halse, sah den 
Bursdien lustig an und sagte: „Das ist ja ge 
rade der Wert der Steine, daß sie brennen. Denn 
was wäre die Welt ohne Feuer, das die Suppe 
kocht, die Stube wärmt, das Eisen schmilzt und 
sonst allerlei nützliche Arbeit verrichtet? 
Und was den Stein angeht. — Das sind Koh 
len und von unermeßlichem Wert für das ganze 
Menschengesehledit,“ 
„Hol‘s der Teufel!“ sdirie der Bursch“ und war 
rot vor Zorn. „Jetzt hat mir der Schuft den 
köstlichen Stein verbrannt.“ — „So verschafft 
Euch dodi andere Steine“, meinte das Bäuer 
lein. — „So — meint — Ihr — ? In diese Hölle 
bringen midi keine zehn Pferde. Schert Eudi mit 
Eurer Weisheit.“ 
Das Bäuerlein sah den Burschen pfiffig an. 
„Ich dachte, Ihr wolltet es zu etwas bringen 
hierzuland. So bleibt Euch nichts übrig, als 
Kohlen zu graben. Werdet in allen Ehren ein 
Bergmann und Ihr habt Euer Auskommen. Wer 
heimlidi gräbt, gerät in des Teufels Hölle.“ Da 
ging dem Burschen ein Licht auf. Er besann sich. 
Aber dann wurde er zornig und sdirie: „Habt 
Ihr mir nicht geraten, heimlidi zu graben? Habt 
Ihr mich nicht in die Hölle geschickt?!“ 
„Dorthin geraten alle, die durch Faulenzen 
reich werden wollen, merkt Euch das!“ sagte 
der Bauer ruhig. 
Der Bursch“ verstand das Bäuerlein, sdilug 
sidi aufs Knie und rief: „Seid bedankt für Eure 
Hilfe. Noch heute will idi versuchen, ein tüdi- 
tiger Bergmann zu werden.“ 
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