Full text: 1956 (0084)

109 
bungslosen Ablauf der Lebensvorgänge unent 
behrlich. Wir nehmen täglich die Vitamine in 
überraschend kleinen Mengen (wenige Milligramm) 
auf. Trotzdem führt ihr Fehlen zu sdiwersten 
Erkrankungen. ChemLch sind es sehr verschieden 
gebaute organische Verbindungen, zu deren Bil 
dung nur die Pflanzen befähigt sind. Von ihnen 
beziehen sie Mensch und Tier, entweder in fer 
tigem oder halbfertigem Zustand. Der Tierkörper 
ist in der Lage, Vitamine zu speichern. Daher 
können wir einen Teil unseres Vitaminbedarfes 
auch über tierische Nahrungsmittel decken. Der 
Vitaminbedarf des Menschen wechselt stark. Er 
ist abhängig vom Alter, Gesundheitszustand, von 
dier Art der Ernährung und von der körperlichen 
und geistigen Beanspruchung. Um die einzelnen 
Ergänzung-stoffe zu kennzeichnen — es sind 
heute über 20 bekannt — bezeichnet man sie mit 
großen Drudebuchstaben. So unterscheidet man 
ein Vitamin A, B, C, D, F und andere. Man 
kennt unter ihnen wasser- und fettlösliche. Durch 
längeres Erhitzen und Dörren können sie zerstört 
werden. Diese Eigenschaften sind bei der rich 
tigen Zubereitung unserer Speisen unbedingt zu 
beachten. Konservierte Nahrungsmittel in Dosen 
und Gläsern sowie Speisen, die lange gelkocht 
werden, sind arm an Vitaminen. Es gilt daher 
bei der Zusammenstellung und Zubereitung un 
serer Speisen jede Einseitigkeit zu vermeiden 
und regelmäßig frische rohe Pflanzenkost zu ge 
nießen, wie Salate, rohe Möhren, Obst usw. 
Da der Vitamingehalt in allen pflanzlichen 
Erzeugnissen sehr großen Schwankungen unter 
worfen ist, wurde wiederholt vorgeschlagen, 
künftig besonders solche Kulturpflanzen zu züch 
ten und anzubauen, die sich neben anderen Vor 
zügen vor allem durch einen besonders hohen 
Vitamingehalt auszeichnen. Das gilt besonders 
für die Kartoffel als unserem wichtigsten Nah 
rungsmittel. Sie enthält hauptsächlich das Vita 
min C. Da dieses Vitamin sehr leicht zerfällt, 
wasserlöslich ist und beim Erhitzen schnell zer 
stört wird, treten beim Kochen der Kartoffel er 
hebliche Vitaminverluste auf. Die kluge Hausfrau 
schüttet daher das vitaminhaltige Kochwasser 
von Salzkartoffeln nicht fort, sondern verwendet 
es zur Bereitung von Suppen und Soßen. Auch 
bei mehrmonatiger Lagerung der Kartoffeln 
schrumpft die Menge an Vitamin C langsam ein. 
Diese Mängel lassen sich nicht beseitigen. Dar 
aus ergibt sich, daß wir uns die lebensnotwen 
digen Vitaminmengen nicht aus einer Pflanze, 
sondern aus verschiedenen einverleiben müssen. 
Unsere Kost soll daher recht bunt zusammenge 
setzt und abwechslungsreich sein und wir müs 
sen möglidist viel Rohkost genießen, ohne dabei 
Vegetarier werden zu wollen. Unser Körper ver 
langt eine 'gemischte Kost, die etwa zu zwei Drit 
tel pflanzlicher und zu einem Drittel tierischer 
Herkunft sein soll. 
Warum wird soviel Propaganda für das Voll 
kornbrot gemacht. Das Vollkommehl ist dunkel 
und grob und mancher rümpft darüber die Nase. 
Dunkel ist es, weil es die ganze Kleie enthält, 
die dem blütenweißen Mehl fehlt. In der Kleie 
sind die eiweiß- und mineralsalzreichen Rand- 
Vitamine, die für die Ernährung des Menschen von größter Bedeutung sind: 
Vitamine 
Eigenschaften 
Vorkommen 
M angelkrankheiten 
A 
fettlöslich 
hitzeunempfindlich 
Vollmilch, Butter, Eigelb, Mohr 
rüben, grüne Pflanzen (Spinat), 
Obst, Lebertran, Leber 
Hautschäden 
Nachtblindheit 
B 
wasserlöslich, 
meist hitzebeständig 
Kleie unserer Getreidekörner, 
Reiskleie, Vollkornbrot, Hülsen 
früchte, Kartoffeln, Milch, Hefe, 
Ei, Leber, Fisch 
Beriberi, 
N ervenentzündungen, 
Lähmungen 
C 
wasserlöslich, 
sehr hitzeempfindlich 
Eris dies Gern übe, frische Früchte 
(schwarze Johannisbeeren, Hage 
butten, Zitronen, Orangen, To 
maten), Mohrrüben, Kartoffeln, 
Milch 
Skorbut, 
Zahnfleischblutung, 
F rühj ahrsmüdigkei t 
D 
fettlöslich, 
hitzebeständig 
Lebertran, Eigelb, Fische, beson 
ders Hering u. Aal, Milch, Butter 
Rachitis, 
Störung der 
Knochenbildung
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.