Full text: 1956 (0084)

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daß die letzte Sorte nur wenig vertreten ist, viel 
leicht mit etwa 5 % der Gesamtmenge. Der Käu 
fer wird bedacht sein, w r enn möglich, die beiden 
Sorten zu trennen. 
Genau so verhält es sich nun mit unserem 
Wasser. Die erste Sorte gewöhnlichen Wassers 
ist vermischt mit einem sehr, sehr kleinen Pro 
zentsatz einer anderen Art Wasser, nämlich 0,014 
Prozent. Dieses andere Wasser führt den Namen 
„schweres Wasser", es hat die Formel D2O. Das 
Atom D ist doppelt so schwer, wie das oben er 
wähnte II-Atom. Die beiden Wassersorten zu 
trennen war äußerst schwierig und überaus kost 
spielig. Gewaltige Energien sind dazu nötig. Das 
schwere Wasser unterscheidet sich sehr merklich 
von dem gewöhnlichen Wasser. Es gefriert z. B. 
statt bei 0 U bereits bei + 3,82° C, es siedet bei 
101,42° statt bei 100°. Seine größte Dichte hat 
das schwere Wasser bei 11,6° (normales Wasser 
bei 4°). Die interessanteste Tatsache aber dürfte 
darin zu sehen sein, daß das schwere Wasser 
nicht so harmlos ist, wie das üblidre Wasser. 
Zahlreiche Versudie haben erwiesen, daß es eine 
leidet giftige Wirkung hat. Niedere Wassertierdien 
kommen darin um, so können z. B. Kaulquabben 
nur kurze Zeit darin existieren. Fast alle Mikro 
organismen werden in kurzer Zeit getötet. Grö 
ßere Lebewesen sind widerstandsfähiger und wer 
den im allgemeinen anfangs überhaupt nicht spü 
ren, daß ihr Lebenselement einen ungewöhnlidien 
Charakter hat. Größere biologisdre Versudie mit 
schwerem Wasser werden in Zukunft noch wei 
teren Aufschluß über seinen Einfluß auf die 
Lebewelt geben. Vorerst ist der Preis des künst- 
lidien Wassers noch zu hoch, um große Aquarien 
damit zu füllen. 
An der Herstellung 'großer ■ Mertgen sdiweren 
Wassers waren und sind vor allem die Atom- 
forsdier interessiert, die in Amerika seit 1941 den 
Auftrag hatten, eine Atombombe herzustellen. 
Man wußte damals bereits, daß das schwere Was 
ser ein geeignetes Mittel sein würde, um die 
rasende Schnelligkeit einer Atombombenexplosion 
zu bremsen. Mit sdiwerem Wasser wollte man 
die riesige Explosionsenergie bei der Atomzer 
trümmerung in kontrollierten Portionen freilassen. 
Aber 1941 betrug der gesamte Vorrat der Welt 
an schwerem Wasser praktisch nur 165 Liter. Die 
ser Vorrat war in Norwegen von der Norsk 
Hydro Company unter ungeheuren Kosten herge 
stellt worden. Noch kurz vor der deutsdien In 
vasion nadi Norwegen gelang es durch ein toll 
kühnes Unternehmen der französischen Regierung, 
diese 165 Liter aus Norwegen herauszuholen und 
über England nach Amerika zu bringen. — Es 
hat viele Jahre gedauert, bis die Einrichtungen 
und Methoden so entwickelt waren, um schweres 
Wasser fabrikmäßig herzustellen. 
Es sei noch erwähnt, daß man auch in der Phy 
sik, Chemie und Biologie wichtige Anwendungen 
des schweren Wassers findet. So kann man z. B. 
die Schnelligkeit des Wasserumsatzes in Pflanzen 
und Körpern ermitteln, wenn man das in den 
Nähr- und Nahrungsstoffen vorhandene Wasser 
mit schwerem Wasser stärker anreichert und die 
Zeit ermittelt, bis das sdiwere Wasser wieder in 
den Ausscheidungen zum Vorschein kommt. 
Wir sagten schon, daß das Wasserstoffatom (D) 
des sdiweren Wassers doppelt so sdiwer ist, wie 
das normale Wasserstoffatom (H). Aber es gibt 
sogar noch ein dreimal so sdiweres Wasserstoff 
atom, dem man den Namen Tritium (T) gegeben 
hat. Das Tritium ist zuerst rein künstlich her 
gestellt worden, es ist ein Bestandteil der Wasser 
stoffbomben und wird in großen Mengen in den 
Atomöfen der USA gewonnen. Mit dem Tritium 
läßt sich ein übersdiweres oder „sdiwerstes Was 
ser“ herstellen von der chemischen Formel TgO. 
Wir kennen also im ganzen drei Sorten Wasser: 
H2O, D2O und T2O. 
Ursprünglich war man der Ansidit, das über- 
sdiwere Wasser (T2O) komme nirgends in der 
Natur vor. Sehr genaue Untersuchungen erwie 
sen aber das Vorhandensein von winzigen Men 
gen im Regenwasser. Es ist wahrscheinlich, daß 
es in sehr großen Höhen unserer Atmosphäre 
durch Weltenraumstrahlen entstanden ist. Regen- 
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wasserproben, die man allenthalben zur Prüfung 
aufgefangen hat, ließen einen merkwürdigen Be 
fund erkennen: 
Der Regen, der über dem Festland fällt, ist 
reicher an schwerstem Wasser als der Regen über 
dem Meere. Entweder ist daher die Weltenraum 
strahlung über dem Festland stärker, oder der 
Regen ist dort länger mit der Atmosphäre in Be 
rührung. Der Universitätsprofessor W. F. Libby 
von der amerikanischen Universität Chikago ver 
öffentlichte Meßergebnisse über den Gehalt an 
schwerstem Wasser in Weinen früherer Jahrgänge. 
Da die Trauben ihren Wassergehalt aus dem Re 
gen entnehmen, konnte Libby rückwärts ermitteln, 
daß vor 10 Jahren der Regen, der auf die dorti 
gen Weinberge fiel, denselben Gehalt an sdiwer- 
stem Wasser hatte, wie heute. Daraus kann man 
schließen, daß der Tritiumgehalt des Regens wohl 
nicht als Folge der Atombomben anzusehen ist. 
Die Untersuchungen des Wasserdampfes der Luft 
haben ebenfalls einen ganz winzigen Anteil an 
schwerstem Wasser ergeben. (Auf 1 Liter Luft 
kommen 100 Atome Tritium). 
Es soll uns nicht wundern, wenn uns die Wis 
senschaften in Zukunft noch erstaunlichere Dinge 
von den schweren Wassern mitteilen wird. Aber 
einen Wunsch wollen wir dringend aussprechen: 
Laßt uns um keinen Preis schweres und sdiwer 
stes Wasser durch die Atombomben kennen 
lernen.
	        
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