Full text: 1955 (0083)

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der Bergmann über dem Eisen, so sprach man 
von der Auftreibearbeit. Mittels der Brunnen 
arbeit wurden glatte Gesteinsflächen hergestellt, 
indem man mit dem Eisen eine Furche „Brunnen“ 
in das Gestein trieb. In diesen Arbeiten gerade 
hatten unsere Vorfahren große Fertigkeit. 
Benutzte man ausschließlich das Schlägel- und 
Eisengezähe, so teilte der Bergmann die Länge 
eines Lachters (etwas über 2m) in mehrere gleiche 
„Ortsstöße“, diese wieder in Tagewerke, in so- 
viele Gesteinsflächen also, wie sie der Knappe 
in einer Schicht herausschlagen konnte. 
Obwohl das Pulver schon im 14. Jahrhundert 
erfunden war, erfolgte doch erst im 17. Jahr 
hundert seine Anwendung zum Sprengen des 
Gesteins, und erst viel später fand die Spreng 
arbeit mittels Sprengstoffes Einführung im Berg 
bau. Betrachten wir nun die einstigen Werkzeuge 
zur Herstellung der Bohrlöcher (Bild 2). 
Die Bohrer waren stählerne oder nur unten 
verstählte eiserne Stangen, unten mit einem 
Kopf und oben mit einer Bahn versehen. Nach 
der Form des Kopfes unterschied man Kronen-, 
Kolben- und Meißelbohrer. Hinsichtlich der Stärke 
und Länge der Bohrer kannte man ein-, zwei- 
und dreimännische Bohrer und Anfangs-, Mittel 
und Abbohrer. Letztere drei machten in der Berg 
mannssprache einen „Bohrersatz“ aus. 
Das Bohrfäustel (Handfäustel) — Bild 2 a und 
b — zeigte dieselbe Beschaffenheit wie der Schlä 
gel, nur war es V2 bis 1 Pfund schwerer als 
dieses. — Den Krätzer (Bild 2 c) bildete ein 
schwacher Eisenstab von 1 m Länge, dessen eine 
Ende zu einer Platte geschlagen und rechtwinke 
lig umgebogen, während das andere Ende zu 
einem Öhr geformt war. 
Beim Bohren eines Loches suchte man sich zu 
nächst die passende Stelle auf der Gesteinsfläche 
aus, wobei vielseitige Erfahrung manchen prak 
tischen Fingerzeig gab. War die Stelle gefunden, 
wurde ein nicht zu tiefes Näpfchen gehauen. 
Dann begann die eigentliche Bohrarbeit. Der 
Bergmann setzte den Anfangsbohrer auf das 
Abb. 2. Werkzeuge zur Herstellung der Bohrlöcher, a und 
b Handfäustel, c Krätzer, e Lettenbohrer 
Abb. 3. Einmänniges Bohren 
Näpfchen und schlug mit dem Fäustel zweimal 
auf die Bahn des Bohrers, hierauf drehte er je 
nach der Festigkeit des Gesteins den Bohrer 
mehr oder weniger um und schlug wieder auf 
die Bahn. Diese Arbeiten setzte man so lange 
fort, bis der Anfangsbohrer nicht mehr ausreichte. 
Das im Bohrloch angehäufte Bohrmehl zog man 
mit dem Krätzer heraus. Dann benutzte man den 
Mittel- und Abbohrer in derselben Weise. Dieses 
Abb. 4. Zwelmänniges Bohren 
Eintreiben der Bohrer von einem Bergmann hatte 
die Bezeichnung „einmänniges Bohren“ (Bild 3), 
während beim „zweimännigen Bohren“ (Bild 4) 
ein Mann den Bohrer setzte und der zweite mit 
beiden Armen geschickt das Fäustel schwang und 
den gut sitzenden Schlag auf den Bohrer aus 
führte. 
Hatte der Hauer das Bohrloch ausreichend tief 
niedergebracht und war es sorgfältig gereinigt 
und ausgetrocknet, dann konnte das Besetzen 
und Schießen vor sich gehen. Zum Laden 
gebrauchte man ein grobkörniges Sprengpulver, 
das in eine Patrone gefüllt wurde, die etwas 
dünner war als die Bohrloch weite. Diese Patrone
	        

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