Full text: 1955 (0083)

sämtliche Kunstradfahrer .starten. Sie treten im 
Saarland, Bundesgebiet, Schweiz und Luxemburg 
auf. Anläßlich der Einweihung des Europahauses 
in Otzenhausen zeigten sie ihre Kunst vor 3 000 
Menschen und fanden begeisterte Aufnahme. Ihr 
Herzenswunsch wäre es, einmal im Jahre die 
Möglichkeit zu haben, im Rahmen einer großen 
Veranstaltung der SAARBERGWERKE die 
Bergleute mit ihren Darbietungen zu erfreuen 
und ihnen zu zeigen, wie der junge Bergmann 
seine Freizeit mit einem gesunden Sport aus 
füllt. 
# 0 tf 
Ausklang. — 
Außer der Bildstocker Akrobaten gruppe, die 
sich nur aus Bergleuten zusammensetzt, bestehen 
noch einige gemischte Gruppen. Nicht unerwähnt 
bleibe die Spitzentruppe Eisenbarth-Elm, die 
seit 1949 mit verschiedenen Gruppen alljährlich 
die Saallandmeisterschaft und 2 mal auch die 
deutsche Meisterschaft errungen hat. Von ihren 
9 Mann sind 4 Bergleute. Die Akrobaten bauen 
ihre komplizierten Pyramiden zügig und voll 
Schneid auf. Es geht eine jugendliche Frische 
von ihnen aus. 
Bewährte Artisten gehören ebenfalls der Bek- 
ker-Truppe an, die 4 Personen zählt, von denen 
3 Angehörige der Saargruben sind. — Gemein 
sam haben sie schon manchen Sieg errungen. Zu 
letzt noch einmal die Saarlandmeisterschaft im 
Jahre 1950. Ein Erfolg, besonders hoch zu be 
werten, da 2 der Bergleute bereits die 50 erreicht 
haben und 34 bzw. 29 Jahre vor Kohle beschäf 
tigt sind. Mit Begeisterung üben sie den Kunst 
kraftsport aus und wollen ihn so lange weiter 
führen, bis Nachwuchs vorhanden ist. 
Noch eine Truppe sei genannt: die .,3 Rudi s“. 
Leiter ist der 42 Jahre alte Bergmann Rudolf 
MÜLLER, Hauer auf Grube Reden, der zusam 
men mit seinem Sohne und einem dritten Ar 
tisten auftritt. Auch er war Mitglied der Pon 
tiustruppe. Seine Spezialitäten sind Parterre- 
Akrobatik, Hand- und Kopfequilibristik. 
In unserem bunten Bilderbogen haben wir nur 
eine lose Auswahl unter den saarländischen Ar- 
tistentruppen getroffen. Die Nichterwähnten 
wollen darin kein Werturteil erblicken, sondern 
unentwegt Weiterarbeiten, um den Kunstkraft 
sport zu dem zu machen, was er sein will: ein 
Ausdruck von Kraft und Schönheit. 
Was für den Jäger sein Hund, das war oder 
ist noch stellenweise für den Bergmann sein 
Grubenpferd. An Klugheit wird es von keinem 
anderen Geschöpf übertroffen. Bergmannslatein? 
Welcher Bergmann würde den Verdacht oder die 
Zumutung des Aufschneideps nicht mit aller 
Entschiedenheit und Entrüstung weit von sich 
weisen! Also alles verbürgte Wahrheit! 
So saßen mal wieder Jupp, Sepp und Karl, 
drei Pferdeburschen zusammen und spannen ein 
ganz .schönes, dickes Bergmannsgarn. 
Solch einen gescheiten Gaul, wie Jupp seinen, 
gab es nicht mehr ein zweites Mal. Der zählte 
genau die Wagen beim Anziehen und zog nicht 
mehr als fünfzehn Wagen, hatte man mehr Wa 
gen im Zug und wollte den Gaul täuschen, in 
dem man die Kuppelhaken auseinanderzog, so 
drückte er, wenn er Verdacht schöpfte, mit dem 
Hinterteil die Wagen wieder zurück, sodaß alle 
Kupplungen entspannt waren, und zog dann 
langsam von neuem an, und wehe, es war ein 
Wagen zuviel, dann war er nicht von der Stelle 
zu bringen! 
„Lädialicha Aanfänger!“ übertrumpfte ihn 
Sepp, „mei Gaul guckt sich deerscht die Wan aan, 
obs Kolle oder Berje sin, un dann rechnet der 
ganz genau noo —, äna Berjewan sin zwei 
Kollewän.“ 
„Das is doch nix,“ drückte Karl allem die 
Krone auf, „ich hann mich immer gewunnert, 
daß mei Hektor die Fördertafel am Schachte so 
aandächtjg un nodenklich aanguckt, wenn a mit 
dem volle Zug kumm is. Jetzt wäs ich vowas. 
Der hat geschta an de Schacht dem Förderuff- 
seha sei Wan nohgerechnet. Mir kumma geschta 
an de Schacht un do stett der widda voa der 
Tafel un luht die so lang aan. Do fährt doch der 
Hektor iwa die Endsumm mit der Zung, butzt 
sie aus un wiehert, als wenn a sich wollt kaputt 
lache. Un vowas? Die Summe war falsch, der 
Förderuffseha hat sich verrechnet gehatt!“
	        

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