Full text: 1955 (0083)

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und 1776 die Geburt des Bergmanns Adam Woll 
zu Rußhütte beurkundet. Napoleon hatte durch 
Dekret vom 13. 9. 1808 das ganze Kohlenfeld 
des Saarlandes in einzelne Konzessionsfelder auf 
teilen las en, um sie an ebensoviele Konzessio 
näre zu verpachten. Im Jahre 1810 lag bereits 
das gesamte aus 60 Karten bestehende Karten 
material vor, aber durch den russischen Feld 
zug und den darauf folgenden Zusammenbruch 
kam der Plan nicht mehr zur Ausführung. Das 
wertvolle Kartenmaterial ist im Nationalarchiv 
in Paris enthalten. Es wurde 1925 von der franz. 
Bergverwaltung in Neudruck heraus gegeben. Un 
sere heutige Dorfgemarkung erstreckte sich über 
zwei Konzessionsfelder Jllingen und Landsweiler, 
die sich in den Maibrunnerwiesen berührten. 
Da die Rußfabrik im Grubenfelde Jllingen lag, 
hat man im Schrifttum irrtümlicher Weise immer 
von einer Rußhütte zu Jllingen gesprochen. Es 
handelt sich aber nicht um den Ort Jllingen. In 
den dortigen Standesregistern findet man außer 
der amtlichen Bezeichnung „Rußhütte“ auch die 
Namen „Jllinger Rußhütte“ und audi „Merch 
weiler Rußhütte“ oft bei Mitgliedern derselben 
Familie, so geb. zu Rußhütte, gest. zu Jllinger 
(oder Merchweiler) Rußhütte. (Karte 3). Nach der 
Kartenskizze von Geometer Klein aus dem Jahr 
1822 (1:25 000) stand die Rußhütte etwa in der 
Mitte zwischen Steigershaus und der „Hemel 
wies“. 
In die Mitte des 18. Jahrhunderts fallen näm 
lich die ersten Versuche, die Steinkohlen durch 
Auslaugen auch industriell verwerten zu können. 
Dabei dachte man in erster Linie an die Gewin 
nung des Rußes,, der im damaligen Wirtschafts 
leben eine nicht unbedeutende Rolle spielte, so 
dann aber auch an das Ausziehen des Öles und 
1 eeres, deren mannigfache Verwendungsmöglich 
keiten damals schon bekannt waren. Bereits im 
Jahre 1748 bestand in Malstatt eine solche Ruß 
fabrik, nach der der heutige Stadtteil seinen 
Namen führt. 
Zur Herstellung des Rußes wurde etwa ein 
Doppelzentner Kohlen dicht bei der Öffnung des 
Ofens — 1810 waren noch fünf Öfen vorhanden 
— auf einen Haufen geschüttet und angezündet. 
Waren die Kohlen gut in Brand, so wurden sie 
mit Eisenstangen umgerührt und wieder gehäu 
felt, wobei sich bei der behinderten Verbrennung 
der Ruß entwickelte Diese Manipulation wurde 
alle vier Stunden wiederholt und dabei die Rück 
stände („Praschen“) gezogen. Durch einen Kanal 
zog der Ruß in die Rußkammer, wo er .sich nie 
derschlug und aufgefangen wurde. Ein Ofen 
ging gewöhnlich 20—21 Tage und wurde dann 
2—3 Tage gelöscht, um den Ruß zu sammeln 
und evtl. Reparaturen vorzunehmen. Gewöhnlich 
w urde er von Frauen in Säcke gefüllt. Ein Fuder 
Steinkohlen ( = 30 Zentner) lieferte durchschnittlich 
einen Zentner Ruß und 10 Zentner Praschen. 
Letztere fanden Verwendung beim Kalkbrennen. 
Der Verkaufspreis für den Ruß schwankte zwi 
schen 10 und 24 Frs. Ein gefüllter Sack wog ca. 
50 kg, größere Säcke 75 kg. (Dr. Lauer, die Ge 
schichte der Familie Vopelius, I. Teil 1936). Die 
Verwendung des Rußes war verschieden. Er 
diente an Stelle des Elfenbeinschwarz zur Fabri 
kation von Druckerschwärze oder auch zur Her 
stellung einer blauen Farbe, „welche dem schön 
sten Preußisch-Blau“ nichts nachgegeben haben 
soll. Das überdistiliierte Gemisch von Teer, Was 
ser und öl, sammelte man in Fässern, rührte 
es dann in diesen mit hölzernen Spateln 
tüchtig durch. So setzte sich der Teer ab und 
das Öl schwamm an der Oberfläche. Dieses 
schöpfte man mit eisernen Löffeln ab und es 
konnte in den auf dem Lande üblichen Lampen 
gebrannt werden. Auch wurde es im Hausier 
handel auf dem Lande abgesetzt. Dort wurde 
der Teer zum Schwärzen des Fußsockels in den 
Stuben und an den Häuserfronten verwendet. 
Die Achsen der Bauemwagen waren damals noch 
aus Holz und liefen sich sehr leicht warm, muß 
ten also fast täglich geschmiert werden. Zum 
„fahrenden Volk“ gehörte zu der Zeit neben dein 
immer scherzbereiten Rußkrämer, der zu be 
stimmten Zeiten (Kirmes) in den Bauerndörfern 
seine schwarze Ware feilbot, auch der Wagen 
schmierkrämer mit seiner zähflüssigen Wagen 
schmiere. (S. Heimatbuch d. Kreises Ottweiler, 
1949 S. 170). 
Die PachtgeselLschaft Engelke hatte sich bald 
davon überzeugt, daß der von ihr erzeugte Ruß 
von schlechterer Qualität war, als der in der 
St. Ingbeiter Rußfabrik gewonnene. Engelke 
schloß mit dem Besitzer Falck, St. Ingbert, einen 
Vertrag ab, wonach er sich verpflichtete, auf ihre 
Rechnung den Ruß seiner Fabrik für die Dauer 
des Pachtvertrages zu überlassen. Inzwischen 
war der Preis erheblich gesunken und die Maga 
zine gefüllt, ohne den Ruß absetzen zu können. 
Engelke stellte nun seinen Betrieb ein. Das 
gleiche schlug sie audi der St. Ingberter Ruß 
fabrik vor und versprach ihr die Zahlung einer 
Entschädigung, die dem Verlust entsprach, den 
eine solche Arbeitseinstellung verursachte. 
Im Mai 1793 besetzte die franz. Revolutions- 
armee das Saarland. Die Familie von Kerpen
	        
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