Full text: 1954 (0082)

VOM KIENSPAN ZUR 
Eine technische Plauderei über das Kunstlicht 
X 
eonrötjre 
Von B au r a t A. L i m b a c h , H T L Saarbrücken 
Tief im Unterbewußtsein der menschlichen 
Natur liegen die Wurzeln uralter Angst und 
Sehnsucht, vererbte Erfahrung des Kampfes un 
gezählter Generationen um Leben und Tod. Eine 
primitive Äußerungsform im Unbewußten ist 
dabei der Gegensatz des Grauens vor der 
Dunkelheit und der Freude zum Licht. Denn 
Licht bedeutet Erleben und damit Leben, Dunkel 
heit dagegen Einsamkeit und Leere. Wenige Er 
rungenschaften der Technik und Zivilisation be 
deuten daher für den Fortschritt der Menschheit 
und die Freude am Leben soviel wie die Be 
herrschung der Natur im Lichte. Die moderne 
Licht- und Beleuchtungstechnik findet gerade 
deswegen als Zweig der Technik am wenigsten 
Beachtung, weil sie fast allgemein als selbst 
verständlich empfunden wird. Dabei ist das 
Verfolgen der Grundlagen und der Entwicklung 
dieser Technik keineswegs weniger interessant 
als bei anderen Zweigen der Technik. 
Vom Wesen des Lichtes 
Wie überall in der Naturwissenschaft und 
Technik beruht der Stand unseres heutigen 
Wissens auf der Arbeit von Hunderten von 
Wissenschaftlern, die in unermüdlichem Fleiß 
mit genialem Scharfblick die Grenzen, die dem 
menschlichen Geist gezogen zu sein schienen, 
übersprangen. Wenn wir hier nach dem Wesen 
des Lichtes fragen, müssen wir an erster Stelle 
den englischen Physiker Maxwell, der im ver 
gangenen Jahrhundert lebte, nennen. Maxwell 
wies als erster nach, daß das Licht als „elektro 
magnetische Welle“ die gleiche Natur wie der 
Wechselstrom, die Rundfunkwellen, Wärme- 
und Röntgenstrahlung hat. Licht ist demnach 
(für die überwiegende Zahl aller Vorgänge) als 
elektrische Schwingung zu betrachten. Es unter 
scheidet sich von den anderen genannten Vor 
gängen nur durch die Zahl der Schwingungen 
pro Sekunde (Frequenz) oder die Wellenlänge. 
Folgende Tabelle zeigt den Zusammenhang: 
Art des Vorganges 
Anwendung 
Frequenz 
Wellenlänge 
Technischer Starkstrom 
Kraftversorgung 
50 
6000 km 
Hochfrequente 
Langwellen 
Rundfunk 
(150—500) x 1000 
2000—600 m 
Mittelwellen 
Rundfunk 
(500—1500) xlOOO 
600—200 m 
Kurzwellen 
Rundfunk 
5—15 Millionen 
60—2.0 m 
Ultrakurzwellen 
UKW Funk-Fernsehen 
30 Million. — 30 Milliard. 
10 m — 1 cm 
Wärmestrahlung 
Heizung 
Billion 
Bruchteile von mm 
Ultrarotstrahlung 
Med. Rotlicht 
Tausend Billionen 
Tausendstel mm 
Lichtstrahlung 
Beleuchtung 
Tausend Billionen 
700—370 Millionstel mm 
Ultraviolettstrahlung 
Höhensonne 
Tausend Billionen 
250 Millionstel mm 
Röntgenstrahlung 
Med. Durchleuchten 
Million Billionen 
Millionstel mm 
Die Grundlagen der Lichterzeugung 
Im allgemeinen nimmt man nun an, daß die 
Technik, wenn die Naturwissenschaft einen 
Naturvorgang erkannt hat, sofort in der Lage 
sein muß, diesen zu kopieren. Das ist aber 
leider selten der Fall. Es gibt nämlich ein 
„Modellgesetz“, wonach die Naturgesetze je 
nach den räumlichen Abmessungen ganz ver 
schiedene Wege der Gestaltung erfordern. Ein 
einfaches Beispiel aus der Natur: Warum kann 
eine Mücke fliegen, ein Elefant aber nicht? Bei 
der einfachen maßstäblichen Vergrößerung 
eines Körpers oder Gegenstandes — nehmen 
wir an, es handle sich z. B. um eine Verdoppe 
lung — werden nämlich Höhe, Breite und Länge 
je doppelt so groß, die Oberfläche und der 
Querschnitt der Muskeln quadratisch, also hier 
vierfach, zunehmen, während das Gewicht ent 
sprechend dem Volumen kubisch, hier also 
achtfach, anwachsen wird. Wenn man also eine 
Mücke auf die Größe eines Elefanten ver 
größern könnte, dann würde die Muskelkraft 
entsprechend dem Querschnitt der Muskelfläche 
viel langsamer zunehmen als das Volumen und 
Gewicht, d. h. die Antriebskraft würde nicht 
mehr imstande sein, das Gewicht des Körpers 
zu heben. Deshalb erforderte auch, nachdem 
schon lange Kleinflugzeuge flogen, die Entwick 
lung der Großflugzeuge noch 30 Jahre. Bei den 
elektrischen Wellen liegt es ähnlich, da die 
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